Full text: Lübeckische Blätter. 1965 (125)

Matthias Ludwig Leithoff (1778-1846) und sein orthopädisches Institut in Lübech Von Prof. Dr. Bruno V alentin, Rio de Janeiro Ahnlich wie an den deutschen Universitäten in Man hatte damals erkannt, daß für die Behand- den letzten Jahren Lehrstühle für die Geschichte lung orthopädischer Leiden bestimmte Bedingungen der Medizin geschaffen wurden, errichtete man – erfüllt sein müssen, um eine Heilung zu erzielen. wenngleich einige Jahre früher – auch Lehrstühle Diese Bedingungen sind: es muß die Möglichkeit für Orthopädie. Die Entwicklung ist aber insofern bestehen, die Kranken im eigenen Hause mit den eine andere gewesen, als bei den Ordinariaten für notwendigen Schienen und Apparaten zu versehen, Medizingeschichte auch gleichzeitig die nötigen Unir es muß ferner, wie schon oben betont, während der versitäts-Institute geschaffen werden mußten, da oft recht langwierigen Behandlung für Schulunter- solche vorher nicht existierten. Orthopädische Insti- richt und Erziehung gesorgt sein. So wird man ver- tute dagegen gab es bereits lange bevor an eine stehen, daß in einem allgemeinen Krankenhaus für Vertretung an den Universitäten zu denken war. solche Fälle kein Platz war. Diesen Instituten folgten später ~ meist von kari- tativer Seite aus – Krüppelheime. Aber diese letz- teren Anstalten waren anfangs nur zur Erziehung und Berufsausbildung krüppelhafter Kinder be- stimmt, die ärztliche Betreuung kam erst um die Jahrhundertwende hinzu. Anders bei den orthopä- dischen Instituten, die fast alle von Arzten ins Leben gerufen wurden; hier stand die fachärztliche Behandlung im Vordergrund. Allerdings war auch oft für Erziehung durch eigens angestellte Lehr- kräfte gesorgt, denn es kamen fast ausschließlich nur Kinder zur Aufnahme, und die Behandlung dauerte meist monate- ja mitunter jahrelang. Eines der ersten dieser orthopädischen Institute in Deutschland war das von Matthias Ludwig Leitho ff (177821846) in Lübeck errichtete. Doch bevor Einzelheiten über diese Anstalt und seinen Leiter mitgeteilt werden, sei geschildert, aus wel- chen Motiven es zur Gründung solcher, damals doch ganz neuer Unternehmen kam, d. h. welches die Vorbilder waren. Der erste, welcher in seinem Hause (in Voorburg, nahe dem Haag) Kranke mit orthopädischen Leiden behandelte, war der Hollän- der Hendrik van De v enter (1651-1724). All- gemein bekannt ist Deventer in erster Linie durch seine grundlegenden Arbeiten auf dem Gebiete der Abb. 1: Geburtshilke (Lehre vom engen Becken). Aber die Matthias Ludwig Leithoff (1778-1846). Methoden, nach welchen er seine orthopädischen 7erütas or U? §p Suhrland 18:71 Kranken behandelte, hielt er streng geheim, um ~ s: Ft zKntestMrgeuie.zr:ÄhsKt: wie er selber ganz unumwunden erklärte ~ seinen In. Demtschtanä wurde 1816 in Würzbur Kindern die Nutznießung seiner Kunst zugute kom- jon Johann Georg H e i n e (1770-1838) das 2u18 men zu lassen!). So wissen wir über diese Anstalt derartige Institut gegründet. Während über dieses kast nichts. Anders dagegen handelte der Schweizer und seinen Leiter zahlreiche Veröffentlichungen Jean André Venel (1740—1791), der nicht nur yorliegen, ist das kurz danach (1817) von Lei t- in mehreren Veröffentlichungen seine Arbeitsweise h o f f errichtete ziemlich unbekannt geblieben bekanntgab, sondern auch Schüler heranbildete?). . ; Mit Recht gilt Venel als der Gründer des ersten Leithoff (s. Abb. 1) war der Sohn des Buch- orthopädischen Instituts; sein Beispiel, seine An- halters Franz Ludwig Leithofk in Lübeck, aus dessen regungen und seine Ideen haben einen nachhaltigen Ehe mit einer Hamburgerin, Margarete Sara E b e r- Einfluß auf die folgende Generation ausgeübt. Die W ein, verw. Jentzen; er wurde geboren am 22. Anstalt Venel's in Orbe (Kanton Waadt) hat als Mai 1778!). Den ersten Schulunterricht erhielt er zu Muster für alle weiteren solche Anstalten gedient, Hause durch den damaligen Kandidaten, späteren wie sie an zahlreichen Orten Europas und Amerikas Pastor Eschenburg. Ende des 18. (Robert Ch e s s h e r [17501831] in „Weil aber eine Erziehung, wie seine überaus Hinckley-Leicestershire?)) oder in der ersten Hälfte lebhafte Natur sie verlangte, ihm im Vaterhause des vorigen Jahrhunderts errichtet wurden. nicht dauernd zu Theil werden konnte (die Mutter 232
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