Full text: Lübeckische Blätter. 1965 (125)

Aufführungen in Hannover, Braunschweig, Berlin, reiche Zuhörer um ihn. Sie hatten wohl erwartet, Schleswig, Rendsburg und Hamburg statt. In Lübeck daß sein philosophisches Werk im Mittelpunkt stehe, wird das Werk am Donnerstag, dem 17. Juni, dem und sich aut eine profunde Entwicklung eines der Tag der mitteldeutschen Erhebung, in der Aegidien- Probleme seiner Philosophie gefaßt gemacht. Doch kirche erstaufgeführt. Dabei wirken als Solisten mit: Professor Bl o c h griff zu dem schmalen Bande der Lisa Sch war zw eller (Sopran), Ursula Zol- g,Spuren“, in denen in nuce zwar seine Philosophie lenk o p f (Alt), Günter P o d s (Tenor) und Man- steckt Sehnsucht, Hoffnung, Nochrnicht-Sein fred Brandstetter (Orgel). Die Leitung nat der („Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden Komponist. wir erst), aber sie erscheint darin nur in leich- Das Werk besteht aus 3 Vokalteilen über Ostern, terem Gewande. Himmelfahrt und Pfingsten und 4 Orgelfantasien. Der Autor bestimmte zunächst die „Spuren“ als Die Vokalteile werden von Solisten und Chor literarische Gattung. Von „Parabeln“ sollten sie a capella gesungen. Den Worten der heiligen Schrift deutlich unterschieden sein. treten einige neue geistliche Lieder des Komponisten Während in diesen auf sinnfällige Art nur das hinzu. Jens Rohwer nennt sein aus dem „Trivium“ eingekleidet sei, was jeder schon wisse, hätten die der Vokalteile und einem „Quadrivium“ für Orgel „Spuren“. mikrologisch zu sein, d. h., Kleinigkeiten in strenger Motivik und Proportionalität zuuaammen- müßten ,als Instanzen wahrgenommen“ werden, gefügtes Werk ein „Septentrio“. sie müßten den Blick öffnen für die großen Pro- Zur Generalprobe für die Oldenburger Urauf- bleme der Welt und des Lebens. Beim Spuren-Lesen führung – Mittwoch, den 27. 5., um 20 Uhr, in der komme man nicht auf das entspannende Ahar Aegidienkirche – sind Gäste zugelassen. Erlebnis, sondern es stene am Ende das Erschrecken, das Erstaunen und damit die Unruhe. Protessor Babysitter-Dienst Bloch nannte Jean Paul, Lichtenberg, Schopen- Der Frauenarbeitskreis hat am 3. Mai mit dem Hauer als Vertreter dieser literarisch-philosophischen Babysitter-Dienst begonnen. Fast 50 erfahrene, zur Gattung. verlässige Frauen sind bereit, die jungen Mütter Die „Spuren“ die er las, erinnerten ein wenig an tager oder stundenweise zu entlasten gegen eine Paul Ernsts „Geschichten von deutscher Art“. Die geringe Aufwandsentschädiguns. Meldungen, die Unruhe, die sie bringen sollten, verbreiteten sie möglichst Z bis 4 Tage vorher eingehen sollten, nicht, aber es war ein hohes Vergnügen, dem Autor nimmt das Sozialpfarramt, Königstr. 23, Tel. 7 7393 gzuzuhören. Dafür erntete er herzlichen Beifall. freundlicherweise entgegen und leitet sie an den Näcke Frauenarbeitskreis weiter. Buchbeslprechung Auskstellungen Geschichte Finnlands, von Eino Jutikkala. Alfred Ausstellungs Hann Trier Kröner Verlag, Stuttgart. 401 Seiten, 5 Karten; Eine Ausstellung der Overbeck-Gesellschaft von 15.09 DM. Aquarellen, Graphiken und Zeichnungen Hann Triers Wer sich mit der Geschichte Finnlands, dieses (1915) läßt einen fast 20jährigen Zeitraum erleben. uns so nah verbundenen fernen Landes vertraut Die Blätter sind In Maler ausgewählt, sie sind machen will, hat jetzt einen vortrefflichen Führer chronologisch gehängt. Zwischen einer frühen Arbeit zur Hand: Eino Jutikkala, Professor für finnische Aus dem Jahre 47 und einem Aquarell von 1965 Geschichte an der Universität Helsinki, verfaßte für besteht scheinbar wenig Zusammenhang, doch ver- Kröners Taschenausgaben einen anschaulich ge- folgt man in zeitlicher Reihenfolge das Werk Triers, schriebenen, übersichtlichen Abriß der Geschichte ergibt sich das Bild einer harmonischen Entwicklung. seines Landes. In zenn Kapiteln wird die drama- In der Malerei der ersten Nachkriegsjahre spürt tische, an Wechselfällen so reiche Vergangenheit man noch viel Festes, auch die Bewegung im Bid des finnischen Volkes dargestellt. Die ersten drei ist schwer und massiv, die Farben entbehren eben- Kapitel stammen von Kauko Pirinen, der als Pror falls noch ganz des Leichten, Transparenten. Themen fessor für Kirchengeschichte an der Universität werden allegorisch begründet: „Prometheus“, dochbe- Helsinki lehrt; er beschreibt Finnlands Weg bis ins kommen sie sehr bald auch profanen Charakter: Spätmittelalter. Prof. Jutikkalas Darstellung be- „Zentrifuge“ (1950), „Schnecke“ (1951). Prächtig präzi- ginnt mit der Zeit Gustav Wasas und endet mit siert ist übrigens dieses Tier der Zeichnung, der dem Jahre 1945. Die Geschichte der neuesten Zeit, Pinsel kriecht, hinterläßt feuchte Spuren, Fühler die für Finnland eine ständige Auseinandersetzuneg straffen sich, weiches und doch gleich einem Uhr- mit dem übermächtigen Nachbarn im Osten bedeur werk exaktes Innenleben wird fixiert. Dann fallen tete, wird mit besonderer Ausführlichkeit beschrier auch die Themen fort als Vorwände zum Mlalen. ben. Für uns deutsche Leser dürfte das letzte Ka- Netzstruktur, schwarze Zeichnung betont waagerecht pitel, in dem Jutikkala mit wohltuender Sachlichkeit die Komposition. Auch das ist wichtig für die Les- Finnlands Schicksal im 2. Weltkriegs behandelt, von harkeit der Bilder, denn die waagerechte Bewegung besonderem Interesse sein. ph ist uns vom Lesen her vertraut, so ergibt sich gleich eine harmonische Atmosphäre. Die Farben, als Veranstaltungen Flächen ins Bild geordnet, betonen nur ganz leise .mn_en. Für eine Sonderveranstaltung des „Lübecker Ein Zitat Hann Triers über das Malen: „... in Podiums“ hatte die Buchhandlung W eila n d den Zzusammenhängendem Ablauf auf überschaubarer greisen Tübinger Philosophen Ernst Bloch Fläche tanzen: im Fliessen, Staccato, im Anhalten, gewonnen. Nicht nur sein umfangreiches philosophi- in der Wiederkehr der Pinselschläge tanzt der sches Werk, sondern auch sein Schicksal, das er mit Rhythmus. Ich springe in ihn hinein, indem ich mit allen selbständigen Geistern in der Welt geistiger dem Pinsel so tanze, daß der Tanz sichtbar wird.“ Unfreiheit teilt – Verdächtigung, Bedronung, Kner Drei Radierungen (1959) zeigen stark konzentrierte belung, schließlich Emigration mit all inren Bitter. Kraft und Dynamik, tiefe Schwärzen. Die Aquarelle nissen. fordern zur Stellungnanme auf. So verr dier letzten Jahre sind mit federnd weichem, breitem camrzelten sich trotz des prächtigen Maitages zahl- Pinsel gemalt. Die dünnflüssige Farbe fügt sich der 1 72
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