Full text: Lübeckische Blätter. 1964 (124)

t Q oder die Grellheiten des Expressionismus darzustel- lichkeit anzutasten, ein klassisches Drama in die € sPIE- len waren. Denkweise des Heutigen rücken kann: an der bei- tiven. In die Großräumigkeit dieses Umrisses schiebt spielhaften Inszenierung des „Don Carlos“ durch mittel sich selbstverständlich manches Ephemere, wie die Gründgens. Wenn ich es zar Verdeutlichung einmal eispiel Forderung des Tages und des Geschäfts es von überspitzt ausdrücken darf: Der „Don Carlos“ wurde tisches jedem Theater verlangt. Reinhardt selbst hat aller.: in dieser Aufführung das Drama der Ideologie. Ibsens dings solche Dinge kaum inszeniert. Die Gestalt des Posa löste sich in der ungemein Hichen Lassen Sie mich aus der langen Kette bedeutsamer durchdachten Mleisterleistung Quadfliegs aus dem Jahr- Aufführungen zwei Vorgänge herauslösen, weil sie Sewöhnlichen Klischee der Überlieferung. Die Ge- Rein- bis in unsere Gegenwart weiterwirken. Das deutsche Stalt verflüchtigte sich nicht mehr im Feuerwerk Aëbeli Publikum hatte vor seinen Bühnen wie auf Schul- ihrer Rhetorik, sondern wurde leibhafte Gegenwart Szene, bänken gesessen, um sich an Shakespeare zu bilden. €ines utopischen Ideologen, welcher mit der Ortho- solutes Reinhardt zerbrach Shakespeares museales Theater. doxie seiner Ideen nur menschliches Unheil an- n ge- dasein. Er erweckte wie ein Pygmalion die Büste richtet, zwei ihm vertrauende Menschen verrät, um trans- zu einem leibhaften Wesen. Stück um Stück entrik Seine politischen Ideale durchzusetzen, und die r bio- er dem halben Vergessen und dem ganzen Epigonen- völlige Verkennung des Freundes, den er seinem C.igut. tum. Man mag heute mit dem Recht einer anderen Ideale reit glaubt, mit seinem Leben büßt. Die großer Zeit auch Shakespeare wieder anders spielen. Aber Aufführung war ein Musterbeispiel, wie ein Klassi- hängt. uus. die [Rrizlviütsche Shakespeare-Renaissance bet Juze jutegttle: Yet... ius q bbÂt betzliche würde es heute auf deutschen Bühnen die unaus- ewuhte:und-zeugnishatte Gegenwart ge- nachts- schöpfbare Shakespeare-Welt mit n us winnen kann. Mit dem gleichen einfühlenden Vor- !us szrs.zu Spukgestalten, mit ihren Zauberreichen sehsv bot Keichszü die Klassiker für seine Zeit Schon [ Hrbrztrümnsw" vt Perm we "er gr lsst Reinhardt schritt den ganzen Kreis der Schöpfung rspiele ihrer Ergötzlichkeit durch die Witzreden und groß- aus. Er spielte, was es bis dahin in Deutschland F Jener artigen Albernheiten ihrer komischen Figuren, Rüpel nicht gegeben hatte: Welttheater. Aber noch in 1 Ber- und Clowns nicht geben. einem tieferen Sinne war Reinhardt dem Welt- Die Spielzeit 1913/14 war fast ganz Shakespeare theater verbunden. Die Vorstellung eines Welt- Instru- gewidmet. Ihr Shakespeare-Zyklus endete Juli 1914. theaters ist ursprünglich vom spanischen Geiste ge- i einer Wenige Tage vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Prägt. Gott betraut als Dramaturg jeden Menschen z. : Die Mir will dieses Spieljahr als der Höhepunkt des mit seiner Rolle. „Welcher Spieler hat uns in der h eine Reinhardtschen Wirkens überhaupt erscheinen. Hand“, heißt es einmal bei Rilke. In diesem groß- hinein Wenn Reinhardt auch als nomineller Direktor seiner Artigen transcendenten Bezuge hat noch Hofkmanns- erspiele Berliner Theater in den Jahren 1924-1932 noch thal den Begriff des Welttheaters aufgefaßt: das Publi- hinreißende Aufführungen hervorgezaubert hat, nie Theater als Weltgleichnis. Reinhardt kam aus der krühe- wieder hat sein interpretierender Genius in eineni österreichischen Theaterüberlieferung und stand da- s Rein- adäquaten Stoffe sich so ganz ausleben können wie mit in der säkularisierten Tradition der spanischen [as Ele- in der Wiedergeburt des Dichterschauspielers Shaker Vorstellung vom Welttheater, von dem Leben als I| seinen SPEArE, für den im Munde des melancholischen einem Schauspiel. Das Schauspielerische war für re Ver- Jaques die ganze Welt eine Bühne ist. Reinhardt der Schlüssel zum Weltverständnis. en und Der andere fortwirkende Vorgang, den ich aus So lebte viel Barock in Reinhardt. Er modellierte Alfred der Ereignisfülle heraushebe, ist die schrittweise die Vorgänge auf der Bühne mit Licht und Schat- nieder- Neuaufführung der Klassiker. Es ist nicht leicht zu ten. wie der Barock mit Licht und Schatten seine formulieren, wodurch Reinhardt ihre Neuschöpfung Paläste gebaut hat. Er verdankte manches den k uach so gelang, als ob sie unmittelbare Gegenwart wären. barocken Aufzügen der katholischen Kirche. manches . ganze Vielleicht läßt es sich am Gegensatz verdeutlichen, einer traumhaften Stadt. der Stadt der gespiegel- t andi wenn wir die Reinhardtsche Vergegenwärtigung mit ten Wirklichkeit und des inszenierten Wunders: . den klotzigen und radikalen Versuchen konfrontier- Venedig. Er faßte das Wort mit Musik und Tanz ren, mit denen in der Enttesselung der 20er Jahre zusammen, wie der Barcck diese Eintracht präludiert : direk- Klassiker durch zeitgeschichtliche Unterstellungen hat. Eine heimliche Musikalität durchklang viele umfaßt und tagespolitische Bezüglichkeiten aktualisiert wer- seiner Inszenierungen. Das Wort gewann dann die rlos bis den sollten, wie das Berliner Staatstheater einen Tendenz. ins Musikalische vorzustoßen. Eine Auf- de wie Hamlet als zynisch verfremdeten Nihilisten am führung des „George Dandin“ z. B. mit Musik von n“, wie wilhelminischen Hofe, Egmonts Klärchen als Jakor Lully durch ein zeitkostümiertes Orchester und mit gs „Ge- binerin mit der roten Fahne, die Räuber als kom- eingelegten Tänzen zwang das Publikum, Moliere f seiner munistische Terroristen präsentierte. Reinhardt er- auf eine neue und vollständigere Weise zu sehen. die Ko- reichte die Vergegenwärtigung der Klassiker durch Hätte Reinhardt nicht Musik in sich selbst gehabt. d Stern- ein integrales Verstehen. Ich will an einem frischen, niemals hätte er in zwölfter Stunde die Urauffüh- de auch manchen von Ihnen gewiß bekannten, einem wehr rung des „Rosenkavaliers“ in Dresden retten kön- baut, ob mütigen Beispiel freilich, zu zeigen versuchen, wie nen, die dann als Muster aller Rosenkavaliere um aturalis- ein integrales Verstehen, ohne die in Zeit, Ort und die Welt gegangen ist. Es war auch. um mit Herrn onismus Personen gebundene und individualisierte Geschichtr Zettel aus dem Sommernachtstraum zu reden. sein 532
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