Full text: Lübeckische Blätter. 1964 (124)

hält Umschau, wie es anderswo geschieht, aber dann nur muß die Sachlichkeit gewahrt sein, muß der übe wagt sie! Lassen Sie es mich an einem Beispiel auf- Gegner geachtet werden. Dafür unterhält sie ihre rer zeigen. In Stockholm begründete die Schwester „L üb eckis ch en Blätter “, kurz „Grüne Fro; Sven Hedins eine Blum e ns p e n d e. Sie war von Blätter“ genannt. Solange die „Grünen Blätter“ er- vol der Masse der Kranzspenden, die das Grab ihres scheinen, die auch ehrenamtlich von einem Ausschuß fre Vaters, des Architekten Ludwig Hedin, überwallten betreut werden, solange ergeht die Klage, daß die get und verwelkten, tief erschüttert. Sie meinte, die da- Bürger Lübecks diese Möglichkeit nicht nutzen. Sie sag kür aufgebrachten Summen hätten besser und im ergeht auch heute und sie ist leider berechtigt, weil Rei Sinne des Verstorbenen verwandt werden sollen. hier der Geist der Anpassung und Bequemlichkeit Ma Ihr Aufruf, den damals 1917 in Stockholm maß- auch in unserer Stadt sich zeigt, der seine Meinung wo gebliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nur hinter der hohlen Hand kundgibt, aber nicht unterstützten, hat unvorstellbaren Segen gestiftet. laut, weil ihm das an irgendeiner Stelle schaden las: Ein großes Krankenhaus, Altenheime und vieles könne! Wir hätten aber das Recht verloren, uns freie 19: mehr ist aus den Kranzspenden geworden. Aus Bürger in einem freien Staat zu nennen, wenn wir rc. sonst verwelkenden Blumen sind Trost- und Hilfs- unsere Auffassung, unsere Sorgen, die, die unsere spender von Dauer gewachsen! Das, so war die Auf- Stadt unmittelbar berühren, die, die unsere Zeit un kassung, sollte auch in Lübeck möglich sein. Denn angehen, nicht mehr öffentlich aussprechen! Wenn ?; wer z. B. von den Hinterbliebenen sieht nur die €s in Lübeck nicht mehr den ,Sprechsaal“ der ü] Kränze, die oft nicht aus persönlicher Teilnahme, Lübeckischen Blätter gibt oder einen anderen g sondern aus konventioneller Form heraus gesandt Sprechsaal, dann ist der Himmel über Lübecks Feu werden – denn nicht die Blume, die aus ganz perr Türmen verdunkelt, dann ist dunkle, furchtbare “e! sönlicher Verbundenheit ein Grab schmücken oder Zeit! Möge dieser Tag nie kommen! mit eine Freude zu einem Festtag bringen soll, ist Die Stellung unserer Gesellschaft in Lübeck ist kei hier gemeint, sondern jene Prestige-Kränze, wenn gaher nicht nur durch ihre eigene Tätigkeit und jed Sie SO wollen, die Prestige-Blumen bei großen ihre Zeitschrift begründet, sondern mit durch den dei Empfängen aus Anlaß von Jubiläen usw.! Wie grolen Kreis ihrer Töchter, selbständiger Vereine, auc lange hat da unsere Vorsteherschaft gezögert, bis die aber in etwa gleiche Zielsetzungen haben wie bri ein Beispiel, das ein Mitglied gab, SIE überzeugte. wir, die wir deshalb Tochter g es ells cha f - ber Dann wurde der Schritt in die Öffentlichkeit ger t € n nennen. Schon in dem Wortspiel der Mutter- §§ tan, wenn auch sozusagen erst nur in die eigene, und Tochtergesellschaften drückt sich die innige wir die unserer „Lübeckischen Blätter“, aber seit dem dùüWwechselbeziehung aus, die hier so fruchtbar besteht. gel Herbst 1963 bis zu diesem Herbst sind auf diesem hHiese längst volljährigen Töchter sind entweder aus Konto insgesamt 8000,2 DM eingegangen. Sie Ausschüssen der Gesellschaft wie die älteste Tochter, sollen mit dazu dienen, für alte Menschen Woh- der Verein für Libeckische Geschichte und Alter- tif nungen oder Heime zu schaffen, in denen sie ruhig tumskunde von 1844, der aus dem am 4. Dezember let und zufrieden ihren Lebensabend verbringen kön- 1821 begründeten Ausschuß der Gesellschaft ,für 0€: nen. Möge dies auch heute hier als Anregung mitge- das Sammeln und Erhalten der Quellen und Denk- Ur nommen werden, ob man nicht selbst, sei es bei male der Geschichte Lübecks“ hervorgegangen ist, sch einem Firmenjubiläum, sei es dann, wenn auch uns cntstanden oder als unabhängig von der Gesell- der der Abschied schlägt, so verfahren solle, um aus gchakt gegründete Vereine diesem Kreis beigetreten. für Blumen neue Freude zu stiften! So darf man von der Gemeinnützigen und ihren die Aber noch ein weiteres Moment hat dazu beir heute 15 Tochtergesellschaften sagen, daß sie aus unt getragen, daß die Gemeinnützige alle Fährnissse dem bürgerlichen Bereich kultureller und sozialer Bit dieser 175 Jahre bestanden hat. Und ich kann nur Wirksamkeit Lübecks nicht hinwegzudenken sind. ge! wiederholen, was bei der 100-Jahr-Feier der Direke Wir können hier nur die Hoffnung aussprechen, daß tor der Gesellschaft bei seiner Festrede sagte, als dieses, uns allen gemeinsame Streben, Lübecks . er davon sprach, daß es der einmütige, zum Helfen inneren Reichtum zu mehren, immer unser unver- sch bereite Geist der Vorsteher und Mitglieder gewesen änderbares Ziel bleiben möge! PF sei. Er sagte: „Sie haben geschützt und geschirmt Wir sind durch tiefe Täler in unserem Jahr- sti und niemals geduldet, dak die Gesellschaft von hundert geschritten, unser Volk ist in den Abgrund )) ihren wissenschaftlichen und humanen Aufgaben ab- gerissen und hat sich mit schwerer Schuld beladen. ri gedrängt oder in den Dienst irgendeiner Partei ge- Es ist wieder aufgestiegen in eine schwindelnde il stellt wurde!“ Höhe des Reichtums und Wohlstands, den wir 'e! Diese Grundhaltung sollte zu keiner Zeit ver- durchaus nicht immer recht nutzen. Sorgen wir in U lassen werden! Ihr Dienst gilt damals wie heute unserem Gemeinwesen dafür, daß in dem Sog der 29 unserer Vaterstadt Lübeck. Sie steht dem Geist der Massen der Mensch nicht untergeht! Wir haben die Zeit nicht unbeteiligt gegenüber, sie sucht und müht in der Brandnacht 1942 herniedergestürzten Türme sich herauszufinden, wo Hilfe not ist und sie helken unserer Kirchen wieder aufrichten dürfen! Seien kann. Und sie gibt ihren Mitbürgern die Möglich- wir dankbar und seien wir demütig, denn die letzte [ü keit, sich über die Lübeck bewegenden Probleme, Kraft kommt dem Menschen nicht aus dem Men- 1.30 auch über die allgemeinen Probleme der Zeit aus- schen! Und vergessen wir es zu keiner Stunde, daß tro zusprechen. und zwar durchaus mit Leidenschaft. diese Türme. unsere sieben goldenen Türme hin- me 3.4 K
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