Full text: Lübeckische Blätter. 1964 (124)

wie sie Thomas Mann in den „Buddenbrooks“ be- sehen. Zwar gab es schon Telefon, das aber im FI schrieben hat, erfolgte sie jedesmal. Es war ein die hing + Tischtelefone kannte man damals ka ur Kap. ganze Stadt erregendes Ereignis. Der Senat bestand Einen Senator von sich aus anzusprechen, nun Uni. Jah aus vierzehn, auf Lebenszeit gewählten Mitgliedern. noch telefonisch, galt als ungebührlich. gar Nac Von denen mußten acht dem Gelehrtenstand an- Pak cin Bü t z . gehören, davon wieder mindestens sechs Juristen av em.. ürgerschafktsmitglied durch ein privates ; _ tatsächlich waren alle acht Juristen ~, und von Gcsp râch mit. sen: Sengtor auf die Senatsber atung Dis den übrigen mindestens fünk dem Kaufmannsstand. siuzuvirhen versucht hätte, gab es nicht. Es wäre 186 Durch ein sehr kompliziertes Wahlverfahren war fs rwertlich gewesen. uncl ebenso die Vertretung von Er der Einfluß des Patriziats gesichert, aber mit Hilfe privaten Einzelinteressen in öffentlichen Angelegen- M: des Zahlenverhältnisses das der Kaufmannschaft heiten. Zeitweise !. der Regierende Bürger. ps!! begrenzt. Kriterien der Auslese waren die Zuge- meister und sein Vertreter Vettern. Sie wechselten nur hörigkeit zu den angesehenen Familien, sofern man einander in ; Führung des Senats ah. Der eine h; nicht – was gelegentlich geschah ~ einen Aus- “far Jurist, der andere Kaufmann. Sie schätzten Die wärtigen wegen besonderer fachlicher Qualikikation einander sehr, kamen miteinander gut aus. Aber nie pfui! wählte, berufliche und private Ehrbarkeit, worauf hätte es der Kaufmann gewagt, in einer Frage seines Als besonders streng gesehen wurde, und Tüchtigkeit. tykcs Unt.rnct..;; seinen Vetter in Anspruch zy (;; Der Senat wählte auf zwei Jahre den „Präsi- c pe dierenden Bürgermeister“. Wiederwahl war nur Von den begüterten Kaufleuten hatten einige nach Überspringen einer Wahlperiode möglich, dann Ene [e18ene Kutsche. Die Hansestadt hatte keine 1 aber auch vielfach die Regel. Die Regierenden Dienstwagen. Bei keierlichen Angelegenheiten wurde heh Bürgermeister der Hansestädte standen nach dems von eimem privaten Fuhrunternehmen eine Hoch- Ma Hofzeremoniell den Bundesfürsten gleich. Kaiser zeitskutsche, em Cabinett, das auf der Hinterseite Ror Wilhelm II. hatte bestimmt, daß sie, da die Bundes- emen aufklappbaren Tritt für den Senatsdiener folg fürsten Prädikate wie Majestät, Königliche NHoheit, hatte, gemietet. Der Kutscher erhielt kür solche Ge- rüh Hoheit oder Durchlaucht führten, mit Magnifizenz legenheiten die Livree eines Senatsdieners: einen Th angeredet wurden, was sie auch hinnahmen, ohne] weiten grauen Kutschermantel mit Pelerine, einen söh daß sie davon besonders angetan gewesen wären. In Dreispitz oder een Zylinder, der eine silberne ebe den Hansestädten unterschied man nach Art der Be- Borte it den ILübschen Dop P eladlern trug. Man ges! tonung zwischen Bürger m e i stern und den B ü r ger- war bei aller Großzügigkeit in kleinen Dingen nad meistern, den leitenden Kommunalbeamten gleichen sparsam. Mein Großvater, der Senator und mehrfach Ma Namens in anderen Ländern. Der Lübecker Bürger- Bürgermeister war, pflegte zu sagen: „Das bißchen 193 meister benutzte für hochoffizielle Reisen den Staat kostet nicht viel, das machen wir nebenbei.“ Ma früheren Salonwagen eines thüringischen Herzogs. Dank der guten Schulbildung bestand auch bej eint den der Stadtstaat erworben hatte. vielen Kaufleuten ein echtes, reges Bildungs- u ù Cui Der Senat trat zweimal in der Woche zusammen. Kunstinteresse. Das Katharineum galt als eine der ersc Aus diesem Anlaß trugen die Senatoren regelmäßig besten Schulen Norddeutschlands. Die Lübecker zt einen Frack. Das Rathaus war beflaggt, und vor dem zahlten 5% höhere Lehrergehälter und konnten da- " Portal stand ein Doppelposten des Preußischen her auswählen. Hatten das Bildungsinteresse auch nid Infanterie-Regiments. Er präsentierte vor den Se- die Frauen, so war man mißtrauisch. Was konnten W: natoren, die an Frack und Zylinder erkenntlich sie schon viel wissen, wo sie doch weder Lateinisch 25 waren. Die Senatoren trugen bei feierlichen An- noch Griechisch gelernt hatten! Und ohne klassisches Yo! lässen Trachten, die mit einiger Phantasie nach dem Fundament gab es keine wahrhafte Bildung. Rhe- nici Modell der spanischen Granden-Kleidung entworfen torische Begabungen, nicht etwa demagogische Vir- 1 waren. Bei Senats- und Bürgerschaftssitzungen hatten tuosität. waren estimierte Eigenschaften. Reden wur- die Senatsdiener einen roten Frack mit schwarzen den viel gehalten — auch bei Tisch ~ und gern ge- a Eskarpins an; so wurden auch die Temperamente in hört. Man kargte nicht mit klassischen Zitaten und 5 Ücr Pürgerschakt gecänmptt. scheute nicht das humoristische Platt..77-Die Bürger, fr Die Senatoren hatten meist kein Dienstzimmer hép. Jess ' c weite: yt ihren Familien regel- Fra im Rathaus, sondern erledigten ihre Amtsgeschäfte s u sgs u e fivttn ziele hatten Nù I zes. zeit- aud riclüracie;n. Urivaihüuscrn. gie “rs eigertt. mi fr ci amen versehenen Kirchen- sag hatten ein oder zwei Wartezimmer, aber kein Vor- Or 1 / : . Juen zen yrtöe en Predigten und inz zimmer. Ihren nicht gerade regen Pesuchsverkehr ; 16° spiel. irchli er onventionalismus reichte wu scgslts sin häuslicher Diener oder ein Dienst- O c [§.11 kehrten ier Hürgertches Mu mädchen. Ein- i : : E- er UI E [ {c r U zo . : . . » . € ELA- Far ccc G :. zipiert, deren Übertragung in Schönschrift durch l s > Lz ZE lies qs sieh é s; ] einen Sekretär erfolgte, oder mit Marginalien verr Dirigenten nach 1918. vyzr von 1905 sh Ôztet 212
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