Full text: Lübeckische Blätter. 1961 (121)

I. Lübecks Außenhandelsbeziehnungen schlachtungen 31,9% der deutschen Gesamteinfuhr Leider läßt die jetzige Führung der lübischen an Lebendvieh dieser beiden Gattungen. 1960 er- Außenhandelsstatistik keine vollständige Erkassung höhte sich die Stückzahl bei Rindern auf s1 740 und Jer Ein- und Ausfuhrbewegungen zu. Aufgezeichnet bei Schweinen auf 265 499 Stück. Die Fischindustrie wird nur das seewärtig abgewickelte Außenhandels- verarbeitet jährlich etwa 15% der deutschen Ein- volumen, während keine Aussagen über den Güter- fuhr an Frischheringen. verkehr der trockenen Grenze und der Luft vor- II. Die EWG-Probleme der Lübecker liegen. Da aber gerade mit den Verkehrsträgern Außenhandelsfirmen Schiene, Straße und Flugzeug der wertmäßig be- Mit Beginn des Jahres 1961 ist die EWG in das deutungsvollere Stückgutverkehr in großem Um- vierte Jahr ihres Bestehens und damit in die letzte fang abgewickelt wird, kommt dem seewärtigen Phase der ersten Stufe der Übergangszeit einge- Güterverkehr Lübecks nur beschränkter Aussager treten. Während das erste Jahr nach Inkrafttreten wert zu. Trotz dieser Einschränkung soll er stell- der Verträge von Rom zur Konstituierung der Or- vertretend die Struktur des lübischen Außenhandels gane der Europäischen Wirtschaftsgemeinschakt be- aufzeigen. nutzt wurde, erfolgte zum Jahresbeginn 1959 der Im Jahre 1960 wurde eine Umschlagziffer im erste Abbau der Zoll- und Kontingentschranken im Lübecker Hafen von 3 037 630 t erzielt. Davon en Handelsverkehr der sechs Mitgliedstaaten unter- fielen auf den Ausland.verkehr 2 770 768 t oder einander. Im Mai 1960 beschloß der EWG-Mini- = 91,2% des Gesamtumschlages. Hiervon wiederum sterrat auf Vorschlag der Kommission, die Uber- betrugen der Empfang 2 040 892 t und der Versand gangszeit zum Gemeinsamen Markt durch Vorver- 729 876 t. An der Einfuhr waren die EFTA-Länder legung der dritten Zollsenkung im Handelsverkehr Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien, untereinander und durch eine erste Angleichung der Norwegen, Portugal einschließlich Portugiesisch nationalen Zolltarife an den Gemeinsamen Außen- Indien mit 64,7%, die EWG-Länder Holland, tarif zu beschleunigen. Der Beschleunigungsbeschluß Frankreich, Belgien mit 16,8%, die Ostblockländer wurde zum I. Januar 1961 wirksam. UdSSR und Polen mit 3,3%, die USA mit 3,4%, Damit begann ein neuer Abschnitt in der Ge- die noch nicht blockgebundenen europäischen Länder schichte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Spanien, Griechenland, Irland mit 9,1% und die Zunehmend wird sie von einer reinen Zollunion Entwicklungsländer Agypten und Malaya mit 0,77% zur Wirtschaktsgemeinschaft integriert. Denn die beteiligt. Es gilt festzuhalten, daß das Schwergewicht Erfüllung der Vertragsverpflichtungen verlangte eindeutig bei den EFTA-Staaten und insbesondere den Mitgliedsstaaten bis zum Ende des vergange- bei den zur Kleinen Freihandelszone gehörenden nen Jahres keine besonderen Anstrengungen ab. Bis skandinavischen Ländern –+ neuerdings einschließlo- dahin erfolgten am I. 1. 1959 und am I. 7. 1960 nur lich Finnland + liegt. Erst mit einigem Abstand zwei 10%ige Senkungen der Binnenzölle und zwei folgen die Länder des Gemeinsamen Marktes und Erhöhungen der den EWG-Mitgliedern eröffneten die Anteile der weder zur EFTA noch zur EMG BGlobalkontingente um insgesamt 40%. Die Durch- gehörenden Länder. führung dieser Vertragsbestimmungen fiel der Bun- In der Ausfuhr entfielen auf die EFTA-Länder desrepublik nicht schwer, zumal keinerlei Maßnah- sogar 90,7%, obwohl Portugal als Versandland aus- men zur Vereinheitlichung der Handels- und Zoll- schied, und auf die EWG-Länder nur 7%, wobei peolitik gegenüber dritten Ländern zu treffen waren. den größten Anteil Italien innehatte. Versandt wur- Da die vierte konjunkturpolitische Zollsenkung von den außerdem nach den USA und Kanada 0,72% August 1957 der Bundesrepublik weiter angerechnet und den übrigen Ländern 1,6% des Ausfuhr- wurde, hatte sie nur die Zölle auf dem Agrarsektor volumens. und für Industriewaren der damaligen Schonliste Wie schon eingangs angedeutet, wird der Auken- im Handelsverkehr mit den anderen EWG-Part- handel der Hansestadt im zunehmenden Maße von nern zu senken. Auf dem Kontingentsektor bestand der Struktur seiner industriellen Unternehmen ber ohnehin für gewerbliche Waren gegenüber den einflukt. Im Jahre 1960 betrug der Anteil Lübecks OEEC-Staaten nur noch ein Kontingent für Salz, an der schleswig-holsteinischen Industrieproduktion welches inzwischen auch gefallen ist. Außerdem 16,4%. Die starke Exportintensität geht aus der hatte der EMG-Ministerrat für die erste und zweite hohen Beteiligung an den industriellen Auslands- Zollsenkung Übergangsregelungen getroffen, nach umsätzen Schleswig-Holsteins mit 27,2% hervor, wie denen die vertraglichen Zoll- und Kontingentsmalß- umgekehrt viele Unternehmen auf Grund des gün- nahmen in gewissem Omfang auch auf dritte Staa- stigen Standorts zum Rohstoffaufkkommen speziell ten ausgedehnt werden konnten, so dal keine we- in den Ostseeanliegerstaaten Lübeck zu einem wich- sentlichen Diskriminierungen auf dem gewerblichen tigen Importplatz für Kohle, Erze, Steine und Er- Sektor entstanden. Von Bedeutung blieb die Zoll- den, Holz und Holzveredlungsprodukte machen. Auf differenzierung nur für landwirtschaftliche Pro- dem Agrarsektor müssen besonders der Seegrenz- dukte, jedoch spielten die Zollsenkungen auf diesem schlachthok und die Frischheringe verarbeitenden Gebiet auch unter den EWG-Partnern nur eine Schlutuper Firmen sowie die Süßwaren-, Obst- und gewisse Rolle, da sich die Agrareinfuhr im wesent- Konfitürenindustrie genannt werden. Der Seegrenz- lichen nach der deutschen Marktordnung und den schlachthof bestritt im Jahre 1959 mit 71 591 Rind- festgesetzten Kontingenten richtet. viehschlachtungen 16% und mit 252 287 Schweine- [eortsetzung kolgt) Hans Andreas Siemann n
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.