Full text: Lübeckische Blätter. 1961 (121)

der Stadtverwaltung und die des Marktbetriebes aber brauchen auch die notwendigen Nebenräume, aufgeteilt. Vielleicht haben sogar alle drei Häuser denn mit einem ,..Kloakenturm“ im Rathaushok des alten Baues zwischen Markt und Marienkirchr würden wir uns heute nicht mehr anfreunden kön- hof im Erdgeschoß anfangs dem Marktverkehr ger nen. Diese und andere Nebenräume sollen nun dem dient und Ausgänge nach beiden Seiten besessen. neu zu schaffenden Saal nach der Nordseite, also Für den Bau an der Breiten Straße hat dieser Zu. nach dem Kirchhof hin vorgelagert werden, was stand spätestens mit dem Einbau des Ratssaales, des an und für sich die gegebene Lösung darstellt. Hatte jetzigen Audienzsaales, im Erdgeschoß um 1350 doch auch der Börsensaal an dieser Seite ein paar aufgehört. ; kleine Nebenräume. Aber die beiden anderen Häuser haben die alte In Anlehnung an die alte Aufgabe des Hauses Aufgabe weiterhin erfüllt, vor allem das mittlere. war jedoch bei der Neugestaltung nach 1880 in die dessen südliche Hälfte sogar zu einem offenen Hot Nordwand ein Portal eingelassen worden, mit einem umgestaltet wurde. Sein Portal nach dem Marien- sehr reichen Gewände versehen, wie es die Neugotik kirchhof hin ist uns noch heute erhalten, und der liebte, dazu mit einer sehr guten Tür. aufmerksame Betrachter erkennt schnell, daß z. T. Nun soll angeblich dieses Nordportal herausge- noch die alten Steine vorhanden sind. Dahinter brochen und statt dessen die Mauer mit einem haben sich sogar einige der alten Nischen der Ver- Mittelfenster geschlossen werden. Das hat jedoch kaufsstände erhalten. Das marktseitige Portal aber große Bedenken. vermochte Dr. Rahtgens 1933 wenigstens in seinen Es wird dann eindeutig der durch die Jahr- Resten in der mächtigen Mauer nachzuweisen. hunderte bestehende Zustand eines Durchgangs- Anders verlief die Entwicklung bei dem dritten hauses zerstört. Vor allem aber vermag ein Fenster Bau, weil hier im 17. Jahrhundert das Erdgeschohk die gewaltige Mauer nicht so zu beleben, wie es bei der Einrichtung der Börse mit in Anspruch ein Portal kann. Dabei macht die mächtige Nord- genommen ist. Aber eines blieb erhalten, nämlich front mit ihrer dunkelgrünen Glasierung einen vor der Charakter des Durchganges. An beiden Stirn- allem bei trübem Wetter kühlen und abweisenden seiten fand sich je ein Portal, von denen das zum Eindruck. Wird nun die eine Tür noch zugebaut, Marienkirchhok sogar lange Zeit der Haupteinfang dann verstärkt sich dieser Eindruck doch weiter. war. Außerdem ist zu bedenken, daß die Steine des Ab 1880 hat dann das Rathaus den gewaltigen Gewändes von solch einer handwerklichen Güte inneren Umbau erfahren, dem es seine heutige Auf- sind, daß sie heute niemand mehr herstellen könnte. teilung verdankt. Treppenhaus und Bürgerschafts- und die Türflügel sind handwerklich hervorragend. saal entstanden, und die Börse wurde zu einem Auch haben die damaligen Bauherren ernsthaft eingeschossigen, ziemlich dunklen und ungünstig versucht, die Dinge der gewaltigen gotischen Fassade aufgeteilten Raum. Sie wird jetzt umgebaut, und formgerecht einzugliedern. Es war nicht ihre Schuld. es ist wohl niemand, der ihrer gar zu aufwendigen daß ihre Zeitgenossen von ihnen diese gar zu auf- neugotischen Ausstattung eine Träne nachweint, wendigen Lösungen forderten. Aber bei dieser Sach- wenn es um etliche Einzeldinge allerdings auch lage sollte aus historischen und aus ästhetischen schade ist. Gründen sehr gründlich geprüft werden, ob das Nun müssen aber für die gewaltig gewachsenen Beseitigen des Portals notwendig und verantwort- Aufgaben der heutigen Stadtregierung im Rathaus lich ist, denn ist es einmal herausgebrochen, kann die geeigneten Räume zur Verfügung stehen. Die es nicht wieder geschaffen werden. W. Stier Sorge um Lübecks Baumbestand Das Fällen alter Bäume um Lübeck herum hat mit „normaler Durchforstung“ bezeichnen. Müssen in letzter Zeit ein Ausmaß angenommen, das jeden denn Bestände, die kritische Zeiten, wie ersten Naturfreund mit tiefer Sorge erfüllen muß. Taur Weltkrieg, Inflation, Hitlerzeit mit Aufrüstung. sende von generationenalten Alleebäumen an den gweiten Weltkrieg und Fremdherrschaft glücklich Auskallstraßen mußten den geplanten Verkehrsmalß- djherlebten, ausgerechnet in unserer Wirtschafts- nahmen weichen. Verluste durch Pflanzenkrank- gjçyunderzeit versilbert werden? Unsere Jugend lernt heiten kamen hinzu, wie wir es z. B. als Ulmen“ gjgJte Bäume bald nur noch in Parks und Anlagen als sterben (Possehlstrake, Krankenhausgelände usw.) h1Jyseumsstücke kennen. Ist für den hohen alten erlebten. Die Forstverwaltung äyrchkäruntt zur Zeit wald nur noch Platz in romantischen Lieder- fes M ald bei ur! ort s “rr. w büchern? Muß unserem unseligen Realismus denn der E LL a s t vrelse deutscher Behörden- mehr und mehr Unwiederbringliches geopkert wer- kontrolle entzogen war. Das Abholzen von zahl- den? Denken die Verantwortlichen jedesmal daran, losen t S Q Eichen und Buchen in einem wenn sie alte Bestände liquidieren, daß die jetzt stadtnahen Wald. der nicht nur Einnahmequelle, eingebrachten Jungpflanzen mehrere Menschenalter sondern auch Ücholungs-, Erbauungs- und für die brauchen. um wieder so schön zu werden wie das. Jugend I.ehrstätte sein soll. kann man nicht mehr was sie jetzt einschlagen? K ]
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