Full text: Lübeckische Blätter. 1961 (121)

Stücke gut gebaut sind, Spannung und dramatische m Steigerung besitzen und in ihrem ,„Verlaut“ über- E zeugen. Das Trünnelspiel langweilte zum Schluß. Das Spukschloß im Spessart Seine „Charaktere“ sind die bekannten Typen aller (Regie: Kurt Hoffmann) Bauernschwänke, vom Dichter allerdings mit viel § SSPENS tr sind grün, im Lampen- und Tages- Leben Erfüllt (kt gente man, gn Figuren Fritz licht unsichtbar, und wenn sie reden, hallt es hohl. Reuters); die »Sprache vielleicht täuschen vr Da sie schon tot sind, können sie sich ein unbe- Uns. aber vieles klang dech sehr nach epischer Prosa; kümmeertes P aer; leisten. Wenn das Wirtshaus im gun etnrarl urs s der dramatische Funke in die Spessart abgerissen wird und ein Patentgreitfer sie viel zu langen Dis 0gs.. - .: : : ; aus ihrer Grabkammer herausbaggert, müssen sie Pig Schauspieler bemühten sich mit sichtbarer sich wohl oder übel eine neue Heimat suchen. Spielfreude um das Wert. unc besonders 4.ttzzz Glücklicherweise gerieten sie dabei zum Film und Strauß, Gerd Bublitz, Friedrich Rieck, Heinz Never i k f Kurt Hokk E t. mann und Rudolf Höppner hatten die Lacher aut vor die klugen us . ur " gttmanng. § nsr ihrer Seite; Olly Saggau aber wurde mit der reizé % | sit Syuksch ols, unc wW353 t g jut. 15 losen Rolle der Justine gar nicht tertig, Karin Rieck Fine Lus! zu sehen. . war mehr Schauspielschülerin als Bauerntochter, Das Märchen zaubert, wenn es gut ist, mit dem und Sigrid Grünberg sang unbekümmert die (etwas Wort. Es gibt das Reale und das Reich der Wunder. gesuchten) Moritaten zwischen den einzelnen Bildern. Der Film zaubert, wenn er sich auk seine Möglich- Vielleicht hätte Robert Ludwig dem Ganzen als keiten besinnt, mit dem Bild. Im Spukschloß im Regisseur doch noch mehr Schwung und Spannung HSPessart geht es zauberhaft zu; denn hier spielt geben können: zu oft standen seine Spieler beschäf- alles mit, um die Wirklichkeit mit dem Vbernatür- tigungslos herum. Das verträgt auch die beste Korn lichen zu durchdringen: das Bild, die Farbe, das mödie nicht H Kostüm, die Requisiten, die Musik, der Ton, das Die „Heidelberger Bänkelsänger“ Pot zus aer y . rz a 3- ge: im „Lübecker Podium“ schmunzelnd, die Vernuntt. Gemeinhin bezeichnet man nur das als Dichtung, Musikfilme haben wir gehabt: dünne Handlung, was sich einen Platz in der Literaturgeschichte err prunkvolle Ausstattung, Glanz für Augen und worben hat. Daneben gibt es aber im weiten Bereich Schmaus für Ohren; Gruselfilne haben wir ger der Vulgärpoesie literarische Formen, die man zwar kannt: dürre Schemata, ausgestopft mit den Greueln verschweigt, die aber doch eine starke Ausstran- einer rücksichtslosen Phantasie, Spekulationen aut lungskraft besessen haben. die Lust am Schrecknis. Das Grusical ist eine neue Mit einer dieser Erscheinungen, dem Bänkel- Gattung. Aber dieser Film trägt seinen Namen zu sang, der früher fester Bestandteil von Janrmärkten, Recht; denn es entstand eine neue Art des Lust- Messen und Volksfesten war, nun aber ~ leider Þ- spiels, sozusagen die Kabarettform der Leinwand, der Vergangenheit angehört, traten die „Heidelo und es wäre gut, wenn sich die Nachfolger — sie berger Bänkelsänger“ vor die Freunde des „Lübecker folgen bestimmt – auk gleichem Niveau zu ber Podiums“. wegen versuchten. Originale Bänkelsänger gibt es neute kaum menr. Dieser Film strotzt von Einfällen; darin ist er Der letzte scheint Ernst Becker aus Bremen gewesen das Gegenteil der normalen Kost. Gewiß hat er zu sein, der noch 1957 aufgetreten ist. Fritz Schwächen und blasse Stellen. Es steht nicht alles N ötzold und Els b eth J and a haben es sich (weder in Wort und Witz noch in Bild und Trick) zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an diese aut gleicher Höhe. Aber wie mannigfaltig sind seine Valks-, Kunst“ wachzuhalten. „... So echt, wie es Vorzüge: die Komposition von Vorspiel, Vorspann heute noch möglich ist“, singen sie an den einfällis und Hauptstücken; die Harmonie von Musik und gemalten Tateln die rührseligen, schaurigen, derben Text (und, gelegentlich, von Tanz und Kostüm); das Lieder. Es fehlt ihnen aber der Leierkasten (ein Spiel mit den Dimensionen; die Sorgfalt in jedem Flügel der Städtischen Bühnen mußte als Instrument Detail (die uns für lange schmunzeln läßt: auf dem herhalten), die äußere Erscheinung (statt ärmlicher Nachhauseweg kichert man in sich hinein, und am und ungepklegter Gestalten, die zu den gesellschaft. nächsten Morgen, sobald ein Geringes einfällt aus lich niedrigsten Schichten gehörten, san man die der Fülle des Ganzen, kichert man wieder); der beiden gut gekleideten, charmanten Eheleute) und ein Ernst, der sich im Spaß verbirgt: denn, allen Ernstes, Publikum, das alles Gesungene und Dargestellte es geht nicht nur ums Amùüùsement, so lustig es auch noch ernst nimmt und für wahr hält. Statt der ist, ein Pferd an die Parkuhr gebunden zu sehn oder Empörung der Herzen und ehrlicher Tränen erregten mit ihrem Kopt fußballspielende Geister. Durch das deshalb die Moritaten herzhaftes Lachen und frön- einfache Mittel des Kontrastes werden wir zum liches Schmunzeln. Und von wieviel Leid, Schmerz Lachen gebracht; aber der Kontrast öffknet auch uncl Tugend sangen doch diese Lieder: „Die Braut den Blick für das wahre Maß. Im Hintergrund un- 1m Löwenkätig oder: Treu bis in den Tod“, „Der serer Gegenwart stenen die Gespenster der Ver- schauerliche Mord an einem Schneidergesellen*s gangenheit (und nicht alle sind so lustig und freund- „Die Räuberbrautsé, „Verstoßen oder: Der Tod auf lich wie die aus dem Spessart); die Ansprüche der den Schienen“!! Gegenwart werden sich rechtfertigen müssen vor _ Die Darbietungen waren im Grunde ein histor der Zukuntt. Da ist es gut, schon jetzt den Zerr- risches Kolles über den Bänkelsang, und zwar mit spiegel bereitzuhaben, in dem die Auswüchse deut- Demonstrationen. Das sollten sie wohl auch nur sein; licher als vor dem normalen Blick sich als Aus- denn um diese Vorm der Volkspoesie wiederzur waüchse zeigen. Kurt Hoffmanns Grusical ist ein erwecken, dazu fehlt in unserer technisierten, aukfr redlicher Zerrspiegel. Es ist bei allem Vergnügen geklärten, blasierten Zeit alles. besonders die ganz auch ein politischer Film (wozu hätte sonst auch primitive Mentalität. Günther Neumann seine Texte beigesteuert); in Aer wie Elsbeth Janda die Lieder vortrus und Deutschland also ein seltenes Ereignis: ridentem wie Fritz Nötzold sie kommentierte und glossierte, dicere verum. Es ist, alles in allem, einer der Filme, wie er Zeitkritik und Zeitsatire mit den alten bei denen. man sich vornimmt, ihn noch einmal zu Sängen verwob, wie er Situationskomik mit fun- sehen, weil man bedauert, daß er zu Ende ist, wenn dierter Belenrung verband, das war kurzweilig,. er zuende ist. Aber Gespenster sind ja, und manch- unterhaltsam, herzerfrischend. Der laute und lang mal ist das ein Glück, schwer totzukriegen. Ich anhaltende Beifall nötigste Frau Janda sogar noch miùöchte wetten: die Spessartgeister werden als Raum- zu einer Zugabe. Näcke fahrer weitersnuken. Dr. C. Priesemann Filt I ß
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.