Full text: Lübeckische Blätter. 1961 (121)

wurde. Er sprach über die Situation des Christen- Holstein nur noch eine im Norden unseres Landes menschen in unseren Tagen. Es war kein leichter gibt. Unsere Helferinnen waren sehr interessiert, Beginn für unsere Helferinnen, aber es zeigt ihre manchem ist hier eine ganz neue handwerkliche Aukgeschlossenheit, wie sehr sie den Worten des Kunst aufgegangen. Referenten folgten. Vielleicht dark man als den Panzäch hesuchte ch éinige das Grab Ernst Kernsatz seiner Ausführungen das von ihm ge- g h auf dem "Friedhof „ E COE ters in brachte Luther-Wort anführen: „Wenn morgen die rc gcn Mustin liegt. Es ist tis e t.. Grab- Welt untergeht, würde ich heute noch mein Apfel- stätte die von r Circus Klosterschüler“, der päuwnchen pflgneen.* . auch in der Nische von St. Katharinen steht, über- Der erste Nachmittag war dann der freien Ge- schaut wird. Wir erfuhren von Frau Faethen, daß staltung vorbehalten. Am Abend wurden unter Lei- nur wenige Menschen, darunter sein Sohn Nikolaus, tung von Fräulein Longuet fröhliche Spiele gemacht, dem toten Barlach im Jahre 1938 das Geleit gegeben bei denen alle, wenn auch nach einigem Zögern, mit haben, einem Künstler, der uns heute Lebenden großer Freude mitmachten. trotz aller seiner Schwere soviel Kraft durch das Am nächsten Morgen strahlte die Sonne, und der yon ihm Geschaffene schenkt. waldumkränzte Ratzeburger See lag in herber Schön- Sur Nachimittagdkafkce trafen-:-noch : weitere heit vor uns. Gegenüber der trutzige Dom mit Helf y. d use ; Er zu. VBtrceoske Gf seinem Klosteranbau ließ bei jedem das Gefühl der G E se am B i s E Dr. Dankbarkeit aufkommen, solche Stunden der Er- Esau ad des Kaffectakcl hatten wir in der Halle holung und Rüstung verleben zu dürfen. ; : des tHcimes auf Anregung einer Helferin eine Nach der Kaffeetafel gab Frau Faethen eine Ein- ¿(chöne Musikstunde mit Werken von Bach, und an- führung in die Welt von Ernst Barlach, denn am ;chließend plauderte ich über die Entwicklung un- Vormittag sollte das kleine Museum yon Ratzeburg serer Gemeinnützigen Gesellschaft, ihre Ziele und von denen, die dazu Lust hatten, besichtigt werden. heutigen Aukgaben. In den kurzen Worten, die Frau Faethen gab, er- ; p. : stand das Bild dieses Bildhauers und Dichters vor Nach dem Abendbrot kamen wir in der Halle, in uns, der in dem Haus, in dem jetzt das kleine der ein wärmendes Kaminfeuer brannte, zu einer Museum untergebracht ist, von 1878 bis 1884 gelebt kleinen festlichen Abschiedsstunde zusammen. hat — sein Vater war dort als praktischer Arzt tätig. Die beiden Leiterinnen, die von Anfang an diese Nach der Einführung durch Frau Faethen ging es Einrichtung unserer Gesellschaft aufgebaut und be- dann mit dem Motorboot zur Dominsel und von treut haben, nämlich Frau Brinkmann und Frau dort in das Barlach-Museum, wo wir uns mit dem Zimmermann, scheiden auf ihren verständlichen Werk Barlachs noch weiter beschäftigten. Wunsch nach 7 Jahren aus dieser Arbeit aus. Die Am Nachmittag gab es ein Referat von Frau Vorsteherschaft hat diese Wünsche respektieren Minke, einer Psychagogin, darüber, wie die Helferin müssen, so schmerzlich für alle Teile das Aufhören das Vertrauen von Kindern in fremden Familien beider Leiterinnen ist, weil sie weiß, welche Ar- gewinnen kann. Es gab schnell eine lebhafte Aus- beitslast damit verbunden ist. Das mögen zwei sprache, die von Einzelfällen zur allgemeinen Be- Zahlen zeigen: In der Zeit vom 1. 10. 1955 bis trachtung überging und eigentlich darin gipfelte, 30. 9. 1960 sind 1591 Familien von unserer Fa- dak es heute notwendiger ist, die Eltern, als die milienhilfe in 33 307 Einsatztagen betreut worden, Kinder zu erziehen. also jede Familie durchschnittlich 21 Tage. Man Dieser zweite Tag hatte alle recht müde gemacht, möge sich diese Zahlen in Ruhe überlegen und sich denn man dark h vergessen, daß die meisten vergegenwärtigen, was €s heißt, aus der doch kleinen Unserer Helferinnen schar, : über: 60;!jeinige: schon Zahl der Helferinnen immer die für den jeweiligen 70 Jahre alt sind. So gingen alle ’früh schlafen. Haushalt und Fall passende herauszufinden. Die Einige Helferinnen SO c. als wir schon in Gesellschaft hat deshalb auch die Arbeit von Frau unseren Zimmern waren, als Gute-Nacht-Gruß: Brinkmann und Frau Zimmermann durch Ver- Guten Abend te Nacht“ und „Der Mond ist leihung ihrer Denkmünze in Silber besonders ge- ukgegangen.t 159 würdigt und anerkannt. Gegenüber war der Dom angestrahlt und leuch- Auch für die Helferinnen ist dieser Abschied tete trutzig in den Nachthimmel. schwer, das hat sich aus diesem Abend, an dem Auch am Donnerstag strahlte die Sonne vom leider Frau Zimmermann wegen Ahwesenheit von Himmel. Bald nach der Kaffeetafel stand ein Bus Lübeck nicht teilnehmen konnte, gezeigt. Es war vor der Tür, der uns nach Ziethen in die Para- rührend zu hören, mit welchen Worten eine Hel- menten-Werkstatt von FräuleinHildebrandt brachte. ferin, die schon seit Anfang an diesen Dienst leistet, In dem alten Pfarrhaus in Ziethen, versteckt in beiden Damen im Namen der Helferinnen ihren einem schönen Garten, ist diese Werkstatt unter- Dank aussprach und der allein anwesenden Frau gebracht, sie wird in Kürze in den Dombotf auf der Brinkmann wunderschöne Blumen als Dank über- H ominsci übersiedeln. Fräulein Hildebrandt gab uns reichte. Es war ebenso schön, daß alle Helferinnen eine kurze, aber sehr lehrreiche Einführung in die dann zu der neuen Leiterin kamen und ihr ihr Arbeit ihrer Werkstatt, von der es in Schleswig- Vertrauen für die Zukunft aussprachen. 195
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