Full text: Lübeckische Blätter. 1961 (121)

Städte zerfallen und neu erstanden, es deutet sich überstehen. Ich sehe eine eminente Bedeutung in auch in dem Bewußtsein der Völker Europas ein den unserem Verband wie allen an internationalen Wandel an, der die geschichtlich gewachsenen Ver- Organisationen angeschlossenen deutschen Frauen- schiedenheiten vielleicht angleicht und überwindet. verbänden gegebenen Möglichkeiten für die deut- Ob sich mit diesen Wandlungen auch das voll- sche Nachkriegssituation: nämlich für das geteilte zieht, was Spengler zu Beginn des Jahrhunderts und doch unteilbare Deutschland. für die Lebens- als „Untergang des Abendlandes“ vorausgesagt notwendigkeit eines friedlich geeinten Europas, hatte, ist noch nicht übersehbar. Aber sicher ist, aber auch für unseren unerschütterlichen Glauben daß der Reichtum der abendländischen Kultur von und Willen für eine deutsche Wiedervereinigung uns erhalten und weitergegeben werden muß, nicht Verständnis in der Welt zu gewinnen. Die Frauen in Archiven, wohl bewahrt für gelehrte Forschun- sind überall in der Welt zu starken, meinungs- gen, sondern in lebendiger Fülle, von unserer an bildenden Faktoren geworden, wenn auch ihre die nächste und übernächste Generation übermittelt. aktive politische Betätigung ihren Möglichkeiten Nach allem schon Gesagten dürfte deutlich sein, leider nicht entspricht und dem Wandel der an sie daß ich dies im besonderen Maße für eine von den gestellten Forderungen noch nicht gerecht wird. Frauen zu erfüllende Verpflichtung halte. : .. : s : Und hier lassen sie mich zu unserem eigensten Hier möchte ich den Ring meiner Gedanken Anliegen einige Worte sagen. In einer Zeit, in der schließen, der Familie und Beruf, Welt und Heimat das Mißtrauen des Auslandes gegenüber dem umschlossen hat. In mancherlei Beleuchtung wird deutschen Volkscharakter, der ihm extrem schwan- das Thema „Unsere Verantwortung in einer sich kend, unverständlich oder gefährlich erscheint, noch rrznâcliden Welt in den ficles Clubs unserer nicht überwunden ist, in einer Zeit, in der aber weltumfassenden Vereinigung in diesen Tagen be- gerade das deutsche Volk so entscheidend darauf handelt sein. Als cs ausgerwzhlt wurde, hat viel- angewiesen ist, um Vertrauen und Verständnis in leicht unbewußt das Bewußtsein Pate gestanden, der Welt zu werben, müssen wir Frauen hier in das Gertrud ron le Fort einmal so schön ausge- liisCrein. ikieitien..REst-Vatcrlandtallc die. vielen drückt hat: Die Frau ist der unsichtbare Pfeiler in Fäden nützen, die uns mit unseren Schwestern in der Geschichte. aller Welt verbinden. Das scheint mir kein unbil- So tragen wir vielfache Verantwortung. Ich liges Anliegen. Wenn wir heute die Kerzen an- hoffe, ich habe einiges davon deutlich werden zünden für alle Clubs berufstätiger Frauen in der lassen: Verantwortung + in echter Partnerschaft Welt, denken wir dabei in besonders herzlicher mit Menschen und Völkern. indem wir bewußt Verbundenheit ihrer persönlichen, ihrer beruf- unsere wesenseigenen Kräfte des Herzens und des lichen, ihrer politischen Lage in Freud und Leid. Gemüts neben die des Verstandes setzen; Ver- Wir sind bereit, ihre Probleme zu diskutieren, als antwortung in echter Verbundenheit mit allen seien es die unseren, wir sind bereit, uns in ihre unseren befreundeten Verbänden, um den Ge- Bedrängnis hineinzuversetzen und unsere Stimmen lahren zu begegnen, die das Glück der Menschen mit für sie zu erheben – wir dürfen, sollen, ja oder den Frieden der Welt aus neuen Konstel- müssen aber auch ihnen die Zerrissenheit verr lationen und Möglichkeiten gefährden. Wenn wir deutlichen, die mitten durch die deutschen Familien das mit allem Ernst, mit innerer Anteilnahme und geht, die Bedrohung, die wie ein Damoklesschwert freudiger Bejahung erfüllen. so wird Hölderlins über unserem Volke schwebt, die bedrückende tröstendes Wort unsere Arbeit rechtfertigen: „Wo Machtlosigkeit. mit der wir diesem Zustand gegen- aber Gefahr, da wächst das Rettende auch “ Von der Gelehrsamkeit der Frauen Von Luise Adelgunde Victoria Gottsched Ich muß mich oftmals wundern, daß der Haß Tanzmeiser gehabt. und erinnern sich zuweilen gegen die Gelehrsamkeit des weiblichen Geschlechts seiner Lehren. wenn ihnen etwa in Gesellschaft die bey vielen Leuten so gar groß ist. Man kann bei Zeit lang wird. Sie haben von der Malerey etwa den meisten Leuten ein Frauenzimmer nicht lächer- so viel behalten. daß sie auf einen mit Oele ge- licher, nicht abscheulicher abbilden, als wenn man tränkten Blatte einen Kupferstich nachzeichnen ihm den Titel eines gelehrten Frauenzimmers bey- können. Vom Französischen haben sie auch noch leget. Und es giebt unstreitig Männer, welche sich nicht alles vergessen. Die Anfangs- und Abhschieds- lieber entschließen würden. ihr Lebenlang Jung- complimente in einer Gesellschaft können sie zur gesellen zu bleiben. als eine gelehrte Frau zu neh- Noth hersagen; auch wohl einen deutschen Briet men. mit einem vôtre veritable Amie. oder tréshumble Laßt uns doch untersuchen, worinnen die Gelehr- servante schließen. Wenn sie in einem leichten samkeit unserer Mitschwestern heute zu Tage be- französischen Romane hier und dar ein Wort ver- steht. Sie sprechen ihre Muttersprache; oftmals auch stehen; so gelingt es ihnen zuweilen auch. daß sie, nicht besser, als sie diesselbe von den Mägden wo nicht den eigentlichen, doch einen ähnlichen erlernet haben. Sie haben ein paar Jahre einen Sinn des Verfassers errathen. Das Einmaleins kön- 1 1 1 :
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