Full text: Lübeckische Blätter. 1960 (120)

ihm sagen soll, ob das Buch etwas für ihn sei oder So beobachtet, so fragt Jünger. Und nun setzt er sein nicht: er wird alsbald dazu bewogen, das Werk zu Werkzeug an, gent den Dingen „auf den Grund“ kaufen und daheim neben seinen geliebten Dosto- und entwickelt Gedanken über „Geld und Macht“ jewskij zu stellen. Sein Auge nämlich fällt un- Immer wird der Grund nur strichweise freigelegt, weigerlich auf den markanten Satz: „Bourjaily ist und dem Leser bleibt es unbenommen, selbst weiter ein Dostojewskij der Generation, die offiziell im zu arbeiten, auch sich zu fragen, ob er Jüngers Weg zweiten Weltkrieg mündig wurde.“ Nun, es ist nict von der Beobachtung zu dem, was dahinter liegt, nötig, Dostojewskij gegen diese Behauptung in mitgehen kann. Das ist nicht in jedem Falle möglich; Schutz zu nehmen, aber die Frage ist doch, ob der denn es handelt sich nicht nur um logische Deduk- Verlag seinem Autor guten Dienst tat, als er inn tionen, vielmehr häufig um Intuitionen., die sich neben den großen Russen stellte – denn wo bleibt der Möglichkeit des Beweises entziehen. Bourjaily, wenn man ihn e r n s th a f t mit Dosto- Der Aphorismus ist eine Form, die Ernst Jünger jewskij vergleicht? Angemessener ist schon der mit bewußter Kunst pflegt. Die Thematik dieses Hinweis auf Scott Fitzgerald, den nüchternen Ber- Buches ist dem Leser seiner früheren Bücher be- obachter und realistischen Beschreiber der amerika kannt. So anregend und oft geistvoll die Sgraftiti nischen Nachkriegsjugend, am besten aber wäre es sind, gerade bei dem Kenner. des Jüngerschen Wer- wohl, Norman Mailer mit seinem „Hirschpark“ zu kes meldet sich doch ein Bedenken: Dieses Buch nennen, wenn man überhaupt vergleichen will. führt nicht weiter, der Leser empfindet gerade Bourjaily ist zweifellos ein begabter Schriftstellee, wegen der bekannten Themen das Fragmentarische der in epischer Breite spannend und anschaulich zu der aphoristischen Form, und er hat den Wunsch, erzählen versteht, er ist frei von jeglicher Sentimen- Ernst Jünger möchte aus den vielen Strichen und talität, ein nüchterner, kühler Beobachter, der das Punkten, die zum Grunde der Fläche zu dringen Verhalten seiner Mitmenschen sachlich registriert suchen, möchte aus den vielen Sgraffiti ein Sgraffito und in klarer, kunstloser Prosa wiedergibt. Alerr zu bilden suchen. Daß auch dieser Singular kein dings scheint ihm lediglich ein ganz Destimmter geschlossenes System ergeben könnte, versteht sich Bereich menschlichen Vern: Itens interessant und bei der Jüngerschen Thematik von selbst. Be darstellenswert zu sein, und da müssen wir nun doch ernsthafte Bedenken anmelden. Was am An- g¿chleswig-Holstein-Kalender 1961. Ka rl] Wachholtz fang noch als eine sozialkritische Darstelluns der J er t oz eu ~ 33 HA amerikanischen Großstadtjugend erscheint, die nicht erlag, leu j e.ts ! ;; mehr Herr über ihre Sexualtriebe ist (,, .. . Wir _ Mer sich mit der Landschaft und Kultur Schles wissen ja nicht, was wir tun. Wir sind wie die wig-Holsteins auf unterhaltsame Weise vertraut Vierjährigen, die mit einer geladenen §czirottuts wshen Ysctis. bietet dor. u uerr In 15 atreont spielen. Wir sind wie jene religiösen Fanatiker, die ene, ] [§, t . Güiezentreit glauben, sie könnten mit Klapperschlangen kertig- Schleswig-Holstein-Kalender eine gute Geles If: s f; Ich i rlaufe des Ro- Er gibt auch diesmal einen vielseitigen reizvollen [.:: 155 qruuput zich. iu Lerleut s Krei- Einblick in die Kultur und Natur unseres Landes. Sen um ein einziges Thema, das immer und immer Sachkundige kunst- und kulturgeschichtliche Text- wieder mit monotoner Ausführlichkeit und unnö- erläuterungen sind den 53 sorgfältig gewählten tiger Realistik behandelt wird: , „Miss Dorothy ist Wochenbildern, bei denen auch Lübeck tc)! je Nummer 205. Dir gefällt mein Zählen nicht, ingi gessen ist, beigefüst. : B. Tagebuch? Aber ich will dir was sagen, Tom. [ s. . q _.; Ü g nun schon wie ein alter 125G zn: der sich Zwei schöne Kinderbücher. Der Verlag Heinrich mehr für den in seinem Leben erzielten Punkt- Ellermann hat in Lieselotte Schwarz und Dorothea durchschnitt interessierte als für das Spiel des Tages. Stefula zwei Künstlerinnen, denen man in seinen Ich interessiere mich für das Sexuelle weniger als Kinderbüchern immer wieder gern begegnet. Dies- für die statistische Seite der Angelegenheit. Mir mal sibt es ein unzerreilbares Leporello-Bilderbuct bleiben noch rund zehn Jahre, bis ich 45 bin, und kür die 2—5jährigen: „In einem teiney H z: bis dahin möchte ich gern 350 Treffer in mein Tage- (5,60 DMI). In inm können die Kleinen auf ortgine é buch eintragen ...’ ,Das wären also ungefähr 15 im Meise an Hand von lustigen farbenfrohen Bildern Jahr’, meinte Tom.’ Ja. Und ich mach's mir selber die Zahlenreihe von 110 lernen. : schwer; weiß eigentlich nicht, warum. Nehme nicht Das andere „Das Dorf der verschwiegenen Wün- alles, was ich kriegen könnte, also keine leichten sche“ (6.80 DAM) von David Fletcher, aus dem Eng- Treffer, nein. Nur Mädchen, auf die ich wirklich lischen von Cläre von Gruner übersetzt, erzählt für Äus bin ..... Mädchen von 7-11 J ahren die aufregende und phan- Arme Generation, deren „Dostojewskij“ nur tastische Geschichte von zwei kleinen Mädchen, die dieses Thema kennt! He. sich mit einem Zauberer, dem „Herrn Mond“. ein- lassen, wobei es nicht onne Gefahren und Abenteuer Ernst Jünger, sgrattiti. Brust Klett Verla, Stuttgart. abgeht. wer Porothes Stokuls aus §§n Iron (ps: ; inen 14,2 DMI. us LZ; ; i.. m .7 i s] 69.5 ;; der auf die Grundfläche aufgetragen .tw snk Heu s; L ' §9u sie tv er 11921 ist, ritzt der Künstler seine Linien ein. Sgratfitto ist tumuct n csken Humor auch für diese phanta- also eine künstlerische Technik, sie ist das Mittel, Mu che Geschichte den richtigen Ton getroffen haben um ein Bild zu schaffen. Wenn Ernst Jünger SEIN stsck L:St P. B. neues Buch Sgraffiti nennt, so gilt der damit aus- § gesprochene Vergleich nur für die Technik. Was Jünger sieht, hört, liest, beobachtet, das ist es, woran Veranstaltungen er sein Denken und seine Phantasie als Werkzeug ansetzt. Jünger will +- und hier gilt der Vergleich Museumsabend nicht menr – kein Bild schaffen, sondern die ber 1960, 20 Uhr Grundtläche, das was hinter Gn seze!enst ST ut Uttvocr ger 14. DEZ}. Friedrich Matz hörten, Beobachteten liest und 1 m Bedeutung s10t, . . k irag über Meisterwerke der hie und da freilegen. Ein Beispiel: „Wie kommt es, einen .Lichthitderror rs Lr act §r Susis daß ein massiver Reichtum, die Gewalt über viele griechischen Plasti j ner.geu r. re tnarius Millionen, den Verfügenden so leicht verdächtis, kationen des berühmten : ’10 en IC rritôt Ksar. tlßlich. z i i ä sische Archäologie an der Unive \ icoÌocÀcíettes, ...:. H J I7
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.