Full text: Lübeckische Blätter. 1960 (120)

den rechten Ort dafür in den weiträumigen Ge- neuen Kultursenators vorsichtig (wie er jedenfalls bäudeteilen des St.-Annen-Klosters. Sie wurden da- glaubte) sondiert. Dann zog er aus einer kleinen für umgebaut und seit 1915 ist das Museum für portekeuilleartigen Mappe + unsere dickbauchi- Kunst- und Kulturgeschichte nun dort – das gen Aktentaschen trugen wirkliche Herren damals St. Annen-Museum. noch nicht – den Aufsatz zur Museums- oder Sein erster Direktor war Professor Dr. Karl Kunstpolitik, den er am Abend vorher am Schaefer, (der einem ehrenvollen Ruf nach Köln Schreibtisch im wunderbaren Burgtorhaus verfaßt kolgte). hatte. und seine beiden nächsten Mitarbeiter muß- Sein zweiter Direktor wurde am 1. Mai 1920 der ten ihn begutachten. Viel Zeit blieb nicht für ein damals noch nicht 30 Jahre alte Dr. phil. Carl solches Geschäft. denn die Sitzung des Denkmal- Georg Heise. rates drängte, in dem der Museumsdirektor eine Erlauben Sie mir, daß ich, der ich die nahezu gewichtige Stimme hatte. und dann wollte ja 14 Jahre seiner Tätigkeit in Lübeck noch Schüler. auch das Geld zusammengebettelt sein, das der Student und Referendar war, über ihn, den jüngsten Witwe des eben verstorbenen jungen Malers eine und erst 30. Inhaber der Denkmünze unserer Ge- Berufsausbildung auf zwei Jahre hin ermöglichen sellschaft in Gold zu Gehör bringe, was ich über sollte.“ ihn in dem in diesem Jahr anläßlich seines 70. Ge- Es ist dieses wohl nicht nur ein sehr treffendes burtstages herausgegebenen Buche „Der gegenwär- gRild von Ihnen, sondern damit auch schon gesagt. tige Augenblick“ las. was wir Ihnen, sehr verehrter Herr Professor, was „Vor einem Menschenalter war das Verwaltungs Ihnen die Stadt Lübeck zu verdanken hat und was gebäude des Lübecker St.-Annen-Museums ein nicht vergessen werden soll. kleines, nur zweistöckiges – längst aufgegebenes Nicht nur die Ergänzung und der Ausbau der — Häuschen aus dem Frühklassizismus mit gelb- kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlung im St.- braunem Anstrich. Eigentlich war es nicht viel Annen-Museum unter Wahrung ihres lübischen mehr als ein Puppenhaus. Darin amtierten der Charakters ist Ihr Verdienst, sondern wir verdan- Direktor, eine Museumsobersekretärin, eine ken Ihnen das Behnhaus. Dieses Haus, in dem jetzt Schreibhilfe und der wissenschaftliche Assistent ~ jyjele festliche Empfänge der Stadt Lübeck statt- das war der gesamte Stab! Von hier aus wurde finden, das ein repräsentatives Schmuckstück Lübecks die mittelalterliche wie die moderne Kunst re- ist, erwarben Sie als Heim für die Gemäldesamm- giert. Aber so unendlich viel Gutes und Kluges lung, die aus dem Museum am Dom herausgenom- dort auch für die Bewahrung und Pflege, für die „yen und von Ihnen vorbildlich ergänzt wurde. Vermehrung und wissenschaftliche Erschließung Und Ihr besonderes Verdienst war es, daß Sie der alten Kunst geschah t yrie der Ankauf des den Ankauf des Behnhauses ermöglichten, ohne Un- Behnhauses, die Einrichtung dt? Katharinenkirche terstützung des Staates oder der Gesellschaft, nur als Museum lübischer Plastik, die Aufstelluum Jyrch Sammlung unter privaten Kunstfreunden. einer topographischen Abteilung im Schabbelhaus. T crduskt die Stadt Lübeck, daß dicses die groke Nazateh ét-Ausstellung yon 1926 ~ in kKleinod in wirtschaftlich schwerer Zeit vor Verfall jener Zeit, die man heute gern die „goldenen jnd anderweitiger unsachgemäßer Verwendung ge- zwanziger Jahre“ nennt, schaute man aus Deutsch p.cttet ist. Innen verdanken wir den Neubau des land auf dies kleine gelbe Häuschen nicht als att Ausstellungshauses im Garten des Behnhauses. eine Pflegestätte der mittelalterlichen Kunst und Ihnen verdanken wir die unvergeßliche Ausstel- Geschichte der stolzesten Hansestadt, sondern als lung der Werke der mittelaltenlichen . Lübecker auf ein Hauptquartier im Kampfe um das, Was hlastik anläßlich der 700-Jahr-Feier Lübecks und damals die moderne Kunst war. Denn in diesem damit die Einrichtung der Katharinenkirche für Mu- Hause waltete Carl Georg Heise seit 1920 als LetzitezWeckE. Direktor der Lübecker Kunstsammlungen und sein Sie verstanden es, diese wundervolle gotische Temperament, sein leidenschaftlicher Bekenner- Kirche raus threin Aschenputtel-Dasein, EU sal mut, sein Drang, andere zu überzeugen und Ge- Lager- und Ausstellungsraum führen mußte, heraus- kährten zu werben, brachten Lärm und streit in zuholen und wieder künstlerisch lebensfähig zu die Stadt, die damals noch nicht einhunderttausend "~ chen. Und Sie waren es, der erkannte, daß die Einwohner zählte. O leeren Nischen der Fassade an der Königstraße für Es bildeten sich Parteien im Kampfe uy en die Barlachschen Figuren der gegebene Raum waren. Expressionismus, der s0 leidenschaftlich gekührt Picienigen von 115, Us derezis schon in Lälreck wurde, dak es bis zu juristischen Nelikten, bis waren, wissen noch von dem Streit um diesen Plan. zur Zerstörung moderner Kunstwerke hat . wissen noch von den flammenden Zeitungsprotesten. Wenn Carl Georg Heise spät am Morgen ins Jissen noch davon, wie die Unterschriften gesam- Verwaltungsgebäude gestürmt katz. üzt kör zem melt wurden gegen die vermeintliche Verschande- Temperament viel zu eng erschien, §0. hatte. en lung der Katharinenkirche und der Königstraße. tien Teit j sites r! "zr rt Es war zu außerordentlich, es war zu ungewöhn- r hatte schon beim r eimer .: qe . an die Vitrinen vorgesprochen, die Kartons für die ugs h 19 sehon. yz wan reren zur f Glasfenster in St. Agidien schon tm Atclier des 1933 entfernte man sie als entartete Kunst und Künstlers angesehen oder wegen der Wahl des 5 24
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