Full text: Lübeckische Blätter. 1960 (120)

deutigen Satz beginnt: „Der wahre Zweck des Men- der größten und wichtigsten Hochschulen Europas. schen ist die höchste Bildung seiner Kräfte zu einem freilich nicht mehr „Universität des Mittelpunktes“. Ganzen. Zu dieser Bildung ist Fr ei h eit die erste natürliches Zentrum eines großen, einheitlichen Kul- und unerläßliche Bedingung . . .“ turkreises, sondern gefährdeter Vorposten der freien Schon 1948, zwei Jahre nach der Eröffnung der Forschuur. Cv lehrer. wuksmpkirp, elek. det „Humboldt-Universität“, war der geistige Terror s0 gtencha! Lu ts d zes “s ver g. ajer rox. u groß und die planmäßige Sowjetisierung der Hochr gJersetzen muß. Das Siegel der Universität trägt die schule so weit fortgeschritten, daß ein großer Teil Worte Veritas - Justitia Libertas, d in alien der Professoren und Studenten unter öffentlichem jhren Hörsälen und Instituten hat das Wort Hegels Protest die Universität verließ und im Westen Ber- wieder eine Heimstatt: „Das Reich des Geistes ist lins, in den Forschungsstätten der ehem. Kaiser- Jas Reich der Freiheit. Alles, was das menschliche Wilhelm-Gesellschaft in Dahlem, eine neue, freie Lehen zusammenhält, was Wert hat und gilt, ist Universität gründete. Aus dem Nichts heraus ger geistiger Natur, und dies Reich des Geistes existiert wachsen, von ähnlichen freiheitlichen und geistigen allein durch das Bewußtsein von Wahrheit und Energien erfüllt wie ihre Mutter-Universität in den Recht ... Der Mut der Wahrheit, der Glaube an Jahren Humboldts und Hegels, wurde die Freie die Macht des Geistes. ist die erste Bedingung jedes Universität Berlin zur legitimen Nachfolgerin der Studiums; der Mensch soll sich selbst ehren und sich 1945 geschlossenen Friedrich-Wilhelm-Universität. des Höchsten würdig achten .. ¿t Heute ist sie mit über 12 000 Studenten wieder eine Dr. Henschel lber eine bautechnische Beobachtung am Predigerhaus Bei Wiederherstellungsarbeiten an der stehenge- soviel weicher als Naturstein sind. Sie sind eine bliebenen Wand des Predigerhauses wurde unter ganz seltene Ausnahme bei einem plastischen Ma- anderem auch der alte Verputz eines gotischen terial wie dem Mauermörtel, und eigentlich nur an Bogens entfernt. Er platzte gelegentiich in kleinen Stellen wie den erwähnten zu erwarten. Bei der Fladen ab, und dabei kamen einige von den senk- Kellenform kann man, geschichtlich betrachtet, ver- rechten Mauerfugen zum Vorschein, die seinerzeit schiedene Möglichkeiten erwägen. Werkzeuge wer- bei der Errichtung des Gebäudes sehr glatt ger den über sehr lange Zeiträume hinweg wenig oder strichen waren, und an denen der Mörtel deshalb gar nicht verändert. Das steinzeitliche Beil z. B. nicht gehaftet hatte. Das Bild dieser „ungestört“ ist in seiner Anfertigung primitiver als das Hand- gebliebenen Fugen war willkommen, da sich von beil unserer Tage, aber die Idee, an einen Stiel ihm eindeutiger als es bisher möglich war, fest- einen geschärften Körper von einer gewissen Schwere stellen ließ, wie die Behandlung der Fuge vor sich zu befestigen, und damit Dinge zu zertrennen, 15t ging. genau die gleiche. So würde durchaus zulässig sein Wichtiger erschien aber, daß in gleicher Weise anzunehmen, daß es die Mauerkelle in der Form, an drei Stellen weitere senkrechte Fugen freigelegt in der es sie in der Normandie und in England wurden, die eindeutig erkennen ließen, daß beim heute gibt, dort beim Bau des Predigerhauses auch Bau des Predigerhauses ziemlich langgestreckte, schon gegeben habe. Man ist ferner versucht, anzu- spitze Kellen benutzt worden sein müssen, wie wir nehmen, daß die Kellen samt den Maurern von sie gegenwärtig nicht mehr haben. Die bei uns be- dort hierhergezogen wurden. denn wären diese Kel- nutzten Kellen paßten jedenfalls in die Abdrücke len in Lübeck voll bodenständig gewesen, 50 nicht hinein, mit Ausnahme einer kleinen, spitzen. hätten wir sie mit großer Wahrscheinlichkeit heute die eigentlich nur zu kleineren Ausbesserungsar- noch. beiten genommen und „Englische Kelle“ genannt Man kommt dem wahrscheinlichen Gang der wird. Diese „Englische Kelle“ hat allerdings im Entwicklung etwas näher. wenn man die geschicht- kleinen genau die gleiche Form wie die in England lichen Vorgänge des frühen Mittelalters in Nord- (und in angelsächsischen Ländern) gebräuchliche westeuropa mit in Betracht zieht. Und da sind es Mauerkelle. Neben den erwähnten gibt es ~ nach besonders wohl die drei Jahrhunderte von 800 bis Kenntnis des Verfassers – eine ähnlich langger 1100, auf die man sein Augenmerk richten muß. streckte Kellenform, die auch in die Abdrücke In diese Jahrhunderte fallen die Wanderungen und passen würde, nur noch in der Normandie. Heerzüge der skandinavischen Völker, die meistens Man darf sagen, daß es sich hier um ein merke mit dem Sammelbegriff „Wikinger“ bezeichnet würdiges Zusammentreffen von verschiedenen Fak- werden. Ein paar Daten über die damaligen un- ten handelt, das zum weiteren Forschen reizt. Zur ruhigen Zeiten mögen angeführt werden, um zu nächst sind einigermaßen zuverlässige Spuren der zeigen, um was für zerstörende und aufbauende Bearbeitung meistens selten. Sie sind am ein- Kräfte von seltsamer Dynamik es sich handelte, und deutigsten beim behauenen und nicht verwitterten welche Reaktionen sie hervorrufen mußten. Stein, also etwa im Innern eines Gebäudes. Sie Im Jahre 793 wurde der erste urkundlich fest- sind weit schwieriger an Ziegeln zu entdecken, die gehaltene Überfall auf das Kloster Lindisfarne, aut 22
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