Full text: Lübeckische Blätter. 1960 (120)

Theater und Mulik Seinen wirklichen Höhepunkt hatte dieses Kon- wiener Svmpyoniker ht! tt) sch. fer §s stescetitn Vechtttt Auf ihrer Deutschland-Reise gastierten die blutvollem Anteil am Musizieren, an suggestiver Wiener Sy mph onik er in einem Sonder- Ausstrahlung auf das Orchester vermißt hatte – konzert in der Stadthalle mit einem reichen Pro- hier war es nun plötzlich in wirklich großartigem gramm verbürgt großer Musik. Als Dirigent dieses. Maße vorhanden. So erfuhr man diese berühmte, Orchesters, das neben den Wiener Philharmonikern wirkungssichere Suite Strawinskys in ihrer ganzen seine eigene reiche Tradition pflegt, wirkt nun der Zwingenden Größe, als ein Werk, das mit seiner 36jährise W o1k s a n g Sa w allis ch, der bereits fesselnd neuartigen Instrumentation und dem Feuer- einen bemerkenswerten Weg zu internationaler. strom seines fulminanten Verlaufs hochreißende Geltung hinter sich gebracht hat. Man durfte dar. Wirkung übte. um diesem Konzert mit besonderer Spannung ent- Das war ein reiner, begeisternder Eindruck. Be- gegensehen. dauerlich, dals Sawallisch sich durch den großen Der Abend überraschte durch eine gewisse Um- Beifall zu einer Zugabe verleiten ließ, die gewiß als kehrung gewohnter Konzerteindrücke. Er drängte freundlichrsinniger Gruß aus der Heimat seines den beinahe absurden Gedanken auf, daß dieser Orchesters gemeint sein mochte, indessen nur ver- Dirigent kein innerlich nahes Verhältnis zur klassin stimmende Wirkung erzielen konnte. Die Wiener schen Musik besitze, dagegen um so stärker bei lielen sich nicht lumpen und spieiten Johann Strauß" Strawinsky erwarme. Es war charakteristisch für Walzer „An der schönen blauen Donau“ = eine in diesen Eindruck, daß Sawallisch bei den klassischen édler Politur gebotene Geschmacklosigkeit. Werken seine linke Hand nur wenig zu vorzeicho- Mußte das sein? Man weiß wohl, daß die Wiener nendem Modellieren einsetzte (zu dem, was Tnomas Kulturorchester und viele ihrer großen Dirigenten Mann einmal so plastisch als die „Kulturgebärden“ sich auch dafür nicht zu gut dünken; Sawallisch des Dirigenten bezeichnet hat), daß seine Gestik folgte damit also einer Tradition. Aber paßte das in dann vielmehr oft zu nervösem Vibrieren und sinn- diese Umgebung? Zu Händels kraftvoller Festlich- entleerten Ruderbewegungen entartete, während es keit, zu dem Ringen Beethovens, zu Mozarts stähler- bei der Gestaltung des Strawinsky-Werkes kaum ner Biegsamkeit? – Und auch zu Strawinskys einmal derartigen Leerlauf in der Gebärdensprache, glänzendem Raffinement? Der nach dieser Zugabe sondern allgegenwärtige Bewußtheit bei der Here verstärkt einsetzende Beifall überdeckte wohl das ausformung des Orchesterklanges gab. Dies alle. Bewußtsein von der inneren Unvereinbarkeit des erschien als äußerlich sichtbare Bekundung eines Gebotenen mit dem. Konzertprogramm. Denn die Zustandes, der ursächlichen Zusammenhang mit unstreitige Banalisierung der Atmosphäre machte dem Gesamteindruck hatte. Gewiß durfte man sich den Kontrast zwischen echter Kunstmusik und an dem makellosen, edlen Orchesterklang erfreuen, schäbig vernutzten Unterhaltungslauten ganz offen- an einem festlichen Glanz im Musizieren, wie er kundig. Und hier sollte man klare Grenzen ziehen. nur hervorragenden Besetzungen eigen ist. Die Per. Grenzen, die Gerda Buddenbrook Thomas gegen- kektion im Technischen bestach, aber freilich regte über einmal sehr energisch und treffend aufzeigt: sich das Gefühl, daß hier die eigentlich entscheiden- „In der Musik geht dir der Sinn für das Banale ab, de Arbeit in den Proben geleistet war, ohne daß das der dir doch sonst nicht fehlt . . . . und er ist das Orchester noch am Abend selbst durch die sugger Kriterium des Verständnisses in der Kunst. – Was stive Gewalt seines Dirigenten zu neuer. im Zwang freut dich in der Musik? Der Geist eines gewissen des Augenblicks schöpferisch werdender Leistung faden Optimismus, den du, wäre er in einem Buche Sespornt würde. Sawallisch wirkte dann als ein eingeschlossen, empört oder ärgerlich belustigt in Dirigent, der aus kalter Routine handelte und sich die Ecke werfen würdest. Schnelle Erfüllung jedes selbst in nur intellektuell überwachendem, reser. kaum erregten Wunsches . . . . Preompte, freundliche viertem Abstand von der Musik hielt. Besonders Befriedigung des kaum ein wenig aufgestachelten Spürbar wurde das bei Mozarts Prager Symphonie, Willens . . . . Geht es in der Welt etwa zu wie in die dadurch allzu glatt hinliet (bis auf die mit einer hübschen Melodie? . . . . Das ist läppischer Leidenschaft aufgestauten Durchführungspartien des Idealismus.“ Es muß in Lübecks Konzertpublikum letzten Satzes) – und wie dämonisch packend wonl viele Kenner von der Art Thomas Budden- könnte die Don Giovanni-Nähe zumal ihrer groß- brooks geben. Dr. Klaus Matthias. artigen Einleitung den Hörer überfallen! Ahnliches traf für die Darstellung von Händels bei Konzert- Konzert August Wenziger beginn gespieltem Concerto grosso D-Dur 0P. 6,5 zu In der kerzenerhellten Halle des Behnhauses ~ und hier war obendrein die viel zu umfangreiche musizierte auf Einladung der Lübecker Buxtehude- Besetzung (mit dem vollen Streichkörper des Sym- CGesellschaft der bekannte Gambist Au gu s t W e n - phonieorchesters) ein Problem kür sich; gewiß – die zin ger. Mammutbesetzungen speziell der englischen Händel- Mit technischer Sicherheit trug er Werke von skless bei den Oratorienauffünrungen des späten Telemann (Solosonate D-Dur), Bach und Buxte- ! Jahrhunderts eingerechnet, aber ein barockes hHude (2 Sonaten in D-Dur) vor. Es war zweisellos Concerto grosso mit 6 Kontrabässen (und ent- sehr reizvoll, diese Werke in ihrem Originalklang sprechender Besetzung der anderen Stimmen) zu zu hören, den stärksten Eindruck vermittelte die spielen, das sollte eigentlich nach den modernen Ber Gewandtheit, mit der Wenzinger sein Instrument mühungen um stilgerechte Aufführungen die Gren- beherrscht. zen des Erlaubten überschreiten und nicht mehr Musikalisch blieben die Vorträge allerdings etwas szsöglun sein! Günstig wirkte die technisch präzise krostig, sie klangen in ihrer Gestaltung gar zu ent- sertüglichteit Fon Dirigent und Orchester in der haltsam, und man hätte sich gern hier und da Ê leitung des 3. Klavierkonzerts in crmoll von (natürlich im Rahmen des stilistisch Vertretbaren) EFenoven r ». top. §alizter. den tüchtisen an einem etwas blühenderen. svannungssreicheren ; . von Vint ; ä . wislts seinen Part mit schöner t r ce: Tor ersrn tonne die Mitwirkung der Geigerin [csi i wenn auch noch nicht sehr differenziert mm Ir ma Lübcke in zwei Sonaten von Buxtehude uss ruck (~ die eminente Leistung Wilhelm Kemptkts begrüßt werden; sie spannte mit intensivem klang- s vorigen Konzert an dieser Stelle lag eben noch vollem Ton nerrliche Bögen in der. musikalischen K! ËU ser im Ohr und forderte zu unbilligem Ver- Linie, die zu Anfang und zum Schluß die Askese let Eraus). des Konzerts etwas durchbrachen. | N >
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