Full text: Lübeckische Blätter. 1959 (119)

Für diesen Abend waren drei Standardwerke der tungen ist, wie in den führenden Dichtungen unserer Literatur ausgewählt worden: Bachs 3. Branden- Zeit, die Existenz des Menschen zwischen den burgisches Konzert, „Don Juan“ von Richard Straus WMleenschen.“ Niemand wird behaupten wollen, daß und die 7. Sinfonie von Beethoven. die fünrenden Dichtungen unserer Zeit „edle Einfalt Wenn die Darstellung des Brandenburgischen und stille Größe“ atmen. Wir wissen nicht, was Konzertes nicht ganz befriedigte, so las es wohl künftige Zeiten in den Dichtungen des Euripides daran, daß eine größere Besetzung für dieses Werk sehen werden, wir wissen auch nicht, ob sein Werk keinen Gewinn bedeutet. Es verliert an Durchsichtizern etwa jahrzehntelang begraben sein wird, da man keit, es büßt seinen kammermusikalischen Charakter nichts mehr mit ihm anfangen kann. Wir werden ein, was an diesem Abend durch das schnelle Tenpo, und wir können nie wissen, ob Ernst Buschors vor allem im letzten Satz, noch begünstigt wurde. Übersetzung wirklich ,griechischen Geist, grie- Alter Aufführungspraxzis gemäß übernanm der chisches Licht“ „atmet“, wie es im Programm heißt. Dirigent selbst den Cembalopart, beschränkte sich Obwohl wir vieles im Werk des Euripides als aber nur auf das Continuospiel, onne die Möglichr uns im tiefsten fremd empfinden, rührt uns heute keit der Improvisation zwischen den Sätzen zu seine Kunst doch an. Bekennen wir uns aber zu dem nutzen. Goethewort, so dürfen wir daraus den Schluß zie- Durch scharfe Tempi zeichnete sich auch die Ger hen: wir können uns nicht in den Geist des Euripides staltung der Beethovensinfonie aus. Dieses Werk, und in den Geist seines Publikums zurückversetzen. das vom rhythmischen Element lebt, steigerte sicha Wir können sie nur so sehen und insoweit auffassen, nach dem dunkel gefärbten, in den Streichern ber als es Söhnen unserer Zeit möglich ist. Darum sonders klangdichten Allegretto zu einem rauschr- dürfen wir auch versuchen, uns diese Dichtung mit haften Abschluß im Finale. Zwischen beiden Werken den Mitteln unserer Zeit zu eigen zu machen. Ihre hörten wir den „Don Juan“, bei dessen Wiedergabe Wirkung auf uns ist nicht davon abhängig, daß wir wir alle Vorzüge der meisterlichen Gestaltung von die kultisch bestimmten Formen der antiken Auf- Karajans und seines Orchesters erleben durften. führung festzuhalten oder vielmehr zu erneuern Muß es noch geschrieben werden, daß die ber versuchen; denn das eine, worauf es letzten Endes geisterten Zuhörer Herbert von Karajan und den ankommt, können wir doch nicht in unsere Tage Berliner Philharmonikern Ovationen bereiteten, wie übertragen: den Glauben an die religiösen Grund- sie nur wenigen Künstlern zuteil werden? lagen der Dichtung und damit in unlösbarem Zu- Orchesterkonzert der. Musikakademie sammenhang die Vertrautheit mit den kultischen Eh Zeugnis der intensiven Arbeit lests die yfuzit- Es; n. dsr Arftahru s. t des Versuchs der. Mor- akademie mit dem letzten Konzert des inter- tsrinih; sit Priztrzt § d semesters ab. Unter der Leitung Kurt Schu- sz!zternpunns. tz. Stri ten EN. Ihdem m a ch er s bot das Orchester der Akademie, das Aufführun Ea No 1:1 ; zelnen ft zer an Ucan in einigen Instrumenten noch von den Lehrkräften tsrhtrphtin Bs Fegquen wei:erentwickelt - nenere un ü in ansprechendes sinfonisches k ber bringt das Programm — snterstutet §erse: SM s Hsu rsctenae Musikfreunde mtr O. zich sow. Stil dor g icchlschen: Aritkührunx nzerer Fat 152%). versteht es, durch [~ überbrückende Gesensotr . Fp'schen derm sss! tuit SCC S g S fassung verständlich zu machen, so daß den Studen- ; ?. . â ten hier beste Orchestererzienung geboten wird. So r u Zu nas Zit;t 11.9 oper. Isds k n alle Beteiligten mit dem Erfolg des s l; : tqante: . uus sein: die l CEL Zunge in dem Mundausschnitt der Gesichtsmasken. der Ouvertüre „Die Geschöpfe des Prometheus“ von Auch der tänzerischen Entfaltung des Chors sind zu Beethoven und der Sinfonie mit dem Paukenschlag 2nge Grenzen Fe7ogen. ". . 735 von Haydn, die gewiß Probleme für ein Orchester Mit dem „Hippolytos“ ist die Bühne „Der Morgen- mit sich bringt, gelangen sehr ansprechend. stern“ dazu übergegangen, das gesprochene Wort Zwrischen beiden Werken stellte sich E1 g in Fanz auszuschalten und die Dichtung im Gesang Roth mit dem Klavierkonzert d-Moll von Mozart Und im Sprechgesang erstehen zu lassen. Der Ein- vor, die ihre pianistischen Fähigkeiten beweisen Iruck vieler Szenen war ungewöhnlich stark und konnte. Die musikalische Gestaltung zwar kam noch Haächhaltig. Die Rollen stellen an die drei Schau- etwas zu kurz, eine Einschränkung, die aber mit spieler, unter die sie aufgeteilt sind, und nicht wachsender Podiumssicherheit gewiß aufgehoben Weniger an den Chor sehr hohe Anforderungen. wird Wenn diese erfüllt wurden, so ist das nicht zum Dem Dirigenten, der Solistin und dem Orchester wenigsten einer geradezu Eisernen Schulung Zu wurde verdient herzlicher Beifall gespendet. verdanken. Auch die Kraft und Schönheit der Hans-Jürgen Wille Stimmen verdienen hervorgehoben zu werden. Dieser hohen Leistung ist es auch zuzuschreiben, „Hippolytos“ von Euripides ~ Eine Aufführung der daß wichtige Wesenszüge der euripideischen Dich- Bühne „Der Morgenstern“ tung erschütternd deutlich wurden. Der „Hippolytos“ „Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im ist das Werk eines Pessimisten. Die Menschen sind Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten ein Spielball der von leidenschaftlichem Haß und sich bespiegeln.“ Trotz dieses aus tiefem Verzicht leidenschaftlicher Liebe erfüllten Götter. Aber diese geborenen Wortes Faust-Goethes sucht der Menscn WMleenschen bewähren sich darin, wie sie ihr furcht- den Geist der Zeiten immer wieder zu erfassen. Der bares Schicksal ertragen. Oder vielmehr die Männer Welt der alten Griechen näherzukommen, bedient er bewähren sich. Phaidra dagegen will nur ihre sich dessen, was die Vergangenheit ihm hinterr äußere Ehre rein erhalten, von ihrer Leidenschaft lassen hat. Jede Zeit deutet das kulturelle Erbe Für ihren Stiefsohn darf die Welt nichts erfahren. früherer Zeiten wieder neu und anders. So faßt die Darum flüchtet sie in den Tod, darum versucht sie, Gegenwart die Welt der Griechen anders auf als die Schuld durch eine gemeine Intrige dem Hip- es die Goethezeit unter Winckelmanns Einfluß getan polytos zuzuschieben, wohl wissend, daß sie dadurch hat. Erstaunt fragen wir uns, wie jemand, der entsetzliches Unheil über Hippolytos und Theseus ~ um nur ein Beispiel zu nennen – des Euripides heraufbeschwört. Um nichts besser aber ist die „Hippolytos“ kannte, von „edler Einfalt und stiler Amme. Das Weib an sich ist minderwertig, ist ein Größe“ sprechen konnte. Im Programm des „Morgen- Verderb für die Männer. Die Göttin Aphrodite ist stern“ dagegen heilt es: „Das Thema seiner Dichr um nichts besser als die menschlichen Frauen. So I7
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