Full text: Lübeckische Blätter. 1959 (119)

Behnhaus, bei dem Frau Senator Dr. Klin s m ann päischen Balletts einen Stilbruch ergeben muß, der die Gäste begrüßte, und die Hauptversammlung in für modernes Empfinden nur schwer verständlich der Aula des Katharineums mit der eindrucksvollen ist. Das Libretto von Dimitri P arlic hält sich eng Ansprache M a x St e en s. an sein literarisches Vorbild und macht es sich Den besten Beweis für die tüchtigen Leistungen streckenweise ein wenig einfach (so ist z. B. die an der niederdeutschen Bühnen aber gaben die beiden sich reizvolle Schneesturmszene unter den anders- Festaufführungen. artigen dramaturgischen Gesetzen des Balletts Die Gastgeber spielten am Sonnabend im Großen schlechtweg unmotiviert). Infolgedessen gewinnt das Haus des Stadttheaters Hans H eitmanns Kor Ballett gegenüber der Schauspielfassung kaum eine mödie „De Windfahn“, die aus den Jahren nach eigene künstlerische Dimension, m. a. W.: Das all- dem ersten Weltkriegs stammt. Der Bühnenbildner mählich schon chronische Dilemma künstlerisch über- Karl W alter hatte die beiden Amtsstuben der zeugender Ballett-Libretti, bei denen sich die Form kleinstädtischen Verwaltung nebeneinander auf der der Darstellung zwingend aus deren Inhalt ergibt, Bühne untergebracht, und das erwies sich als vorr ist auch hier nicht bewältigt. Die Musik von Kr €- teilhaft für den glatten Ablauf des Spiels, dessen simir Bar anovic ist ganz auf die Bedürfnisse Leitung in Friedrich Riecks bewährten des Balletts zugeschnitten und beansprucht keinen Händen lag. Eigenwert. Im Programmnett wird ihr das als Vor- Die quietschende Windfahne spielt wirklich mit zug ausgelegt – tatsächlich hat sie aber wohl doch und ist außerdem Sinnpild für die Hauptperson, den zuwenig Gegengewicht im Verhältnis zur Handlung, Herrn Inspektor, der mit dem jeweiligen Parteir um jene Spannung zu erzeugen, in der das Ballett wind zu segeln sucht und dabei auf ein Haar ger über bloßen Formalismus hinaus zum tänzerischen scheitert wäre. Der Gegenspieler ist der junge Erlebnis werden kann. Es geht mit dem ,„Kreide- städtische Assistent Vagelbunt, der, weil er keine kreis“ wie mit manchen verfilmten Dramen: Die Windfahne ist, auf die trügerische Aussicht ver- Übersetzung bleibt weitgenend im ästhetischen Ex- zichtet, von Gnaden der Partei hoch emporzusteigen. periment stecken und kommt nicht zu einer eigenen Das Milieu verdeutlichen die beiden Sekretäre, und Deutung der Wirklichkeit. Ein Jammer um das auch die wirkliche Liebe und die Liebe aus Kon- starke Thema, mit dem hier zwar kein Operetten- junktur spielen mit hinein. Die Frau Inspektor aber doch nur ein Opern-China hingestellt wird. Dreyer aber ist inrem Mann an Willenskraft erheb- Daß das Werk in Lübeck trotzdem eine beifällige lich überlegen. Das Ganze ist eine gemütvolle Satire Aufnahme finden konnte, verdankt es zum guten auf menschliche Schwäche und Eitelkeit, gut ger Teil seiner sorgfältigen Inszenierung und dem hin- staltet am Beispiel des gesinnungslosen Beamten. gebenden Einsatz aller Mitwirkenden. Von diesen Arthur Strauß glänzte in der Rolle des I können hier nur – ohne die Leistung anderer her- spektors Dreyer, Herr mit preußischem Tick gegen- absetzen zu wollen – einige genannt werden: Erna über den Untergebenen und katzbuckelnd – am M oh ar tanzte die Ju tang ausdrucksvoll und mit Telefon! – nach oben. Selbstverständlich ging auch feiner Emptindung, nur in den Iyrischen Partien Martha Fick s schauspielerische Leistung in der die Grenze zur Pantomime nicht immer genau ber- Rolle der Frau Dreyer weit über dilettantisches Masi achtend. Anton V uj anic bewältigte seine Rolle hinaus. Jürg en S c h w a b el traf gut den nicht als Liebhaber und Prinz souverän, und Boris Pilato leicht zu gebenden Vagelbunt. G er d B u b lit z war zelebrierte seinen Mandarin beklemmend zwischen ausgezeichnet als der phlegmatische, mit drögem Hur Pose und ungezügelter Wildheit. Eine hervorragende mor begabte Sekretär Mönkemann, während Er i c h tänzerische Gestaltung war die eifersüchtige Neben- Wilhelms den dürftigen Angsthasen Andersen bunlerin Editha Hirsch mann s. Ihr Pas de deux trefflich mimte. Ellen Erich s en war eine mit Donald Kilgour gehörte einwandfrei zu den liebenswerte Suse Krey, während Ruth Horst stärksten Eindrücken des Abends. Die Choreogra- eine echte Tochter des Enepaares Dreyer war. Eine phie war klar und bestach durch ihre rationale famose Leistung bot Hertha Sach s als reder Raumautteilung, was die technische und teilweise gewandte Hausmeisterin. Das gut gegebene gute artistische Präzision anbelangt, so setzte die Auf- Stück fand den verdienten reichen Beifall. führung Pilato' s beste Inszenierungen fort. Man Auf ganz anderer Ebene bewegte sich die Auf- kann sich allerdings nicht immer des Eindruckes führung der Bühnen Kiel und Neumünster. erwehren, als würde dabei zuweilen des Guten auch Sie gaben in „D at Sp e el vun den r i eken zuviel getan. Komplizierte Posen und technische Mann“ Friedrich Lind emanns freie, aber Raffinessen dominieren streckenweise zu Lasten wohlgelungene Bearbeitung der aus dem Jahre 1584 eines tänzerisch durchgestalteten Handlungsablaufs, stammenden Dichtung „De düdesche Schlömer“ des oder um es genau beim Namen zu nennen: die vom Johannes Stricker. Es handelt sich um das Toten- Fernsehen geforderte Bildfülle erzeugt unter den tanzmotiv. Der Tod holt den reichen Edelmann andersartigen optischen Bedingungen der Bühne mitten aus Wohlleben und gewissenlosem Handeln. eine eigentümlich staksige Hast. Dabei können dann Hier sei nur zusammentassend gesast, daß es den leicht solche Dinge passieren wie der Liebhaber, der z. T. erstaunlich hochstenenden Leistungen und der mit über der Geliebten erhobenem Bein auf die entwickelten Sprechkunst der Mitwirkenden unter Verdunkelung der Bühne wartet (so genau wollten Hans Siegles Leitung gelang, das alte Spiel zu vrir's gar nicht wissen), und die bedauernswerte ergreifender Wirkung zu bringen. j Be Ju tang, die an den Spießen der Häscher herbei- geschleppt eher eine Rückgratverletzung e) z n. vattetiaven 51:2; r R M EN Mit dem Programm des zweiten Ballettabends s e r) hielten die Mitte zwischen Realismus und Stili- stand als deutsche Erstauffünrung „Der Kreide- sierung ~ man hätte sich mehr Mut zu starken kreis“ nach Klabunds bekannter Nachdichtung eines Farben gewünscht, die sich im zweiten Teil des chinesischen Originals. Vor dem zeremoniell stren- Abends sehr glücklich machten. gen Hintergrund des alten China entwickelt sich Nach der Pause und einem Intermezzo (..Ca- eine Handlung mit starken dramatischen und upriccio espagnole“ von Rims ky Kor s ak o f f) psychologischen Spannungen — ohne Zweifel also f. §ts: die roorcrup::: t. us: der. Oper Z; ; j ü „Fürs or“ von ERA ~ tlós rst one. :s; 1§ zotse Hutayr . sch f urst Us folkloristische Werk hat seinen Ruf Jie Darstellung des bezaubernden Werkes in den als unfehlbarer Reißer seit den Tagen Fokins ~ und zeinem Inhalt so wesensfremden Formen des euroon wenn schon! Wie das hier – übrigens in einer 121
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