Full text: Lübeckische Blätter. 1959 (119)

;o habe auch ich oft an Tischen, wo Freunde saßen, Das sehr gute Brot wurde oft nach Hause ge- mitgegessen. Das Fleisch wurde in einer großen nommen. Schüssel aufgetragen und man stach nach einer be- Interessant war es. den Verhandlungen des soge- stimmten Reihenfolge in dieselbe, um ein Stück zu nannten Redeübungsvereins im Lesemuseum in der erhaschen; man behauptete, und wohl mit Recht, daß Petersstraße beizuwohnen, wo sich die Häupter des bei diesem Stechen die Mediziner im Vorteil Liberalismus auf die gehoffte, aber doch nicht mit wären, weil sie vermöge ihrer anatomischen Kennt- Sicherheit zu erwartende politische Umwälzung vor- nisse rascher den durch die Brühe unbestimmten bereiteten. Das Haupt der Partei war Robert Blum, Umrissen der Stücke es ansehen könnten, welche Theaterkassierer, der gewaltigste Redner. den ich je derselben weniger Knochen als Fleisch enthielten. gehört habe. Einer Königin dienen Hans Heitmann Wie ein güldener Schein hob sich's über Wald seinen Ruf mehr und immer weiter aus. Bald wurde und Moor und Heide. Da verhielt der Fremde den seine Werkstatt zu eng; denn junge Künstler suchten Schritt und trank das Bild in tiefen Zügen in sich ihn auf und rechneten sich's zum Ruhm, bei ihm in hinein: da stand sie, die Stadt der Königin, die er die Lehre zu gehen. Er aber vergaß auch darüber suchte. Alle Welt wußte von ihrem Ruhm. Adel nicht, daß dies alles ihm nur sein Leben fristen und Schönheit seien ihr Schmuck, hieß es, und Weis- solle, damit endlich doch das Denkmal der großen heit und Güte ihr Reichtum. Sie wisse den Handel Königin erstehe. der er sich zugelobt hatte. des Kaufherrn zu fördern und den Fleiß des Werk- In der Stadt hatte sogleich nach dem Tode der manns und sei die Mutter aller schönen Künste. Königin ein Rat von Männern die Herrschaft über- Noch immer werde sie von einer Anmut gekrönt, nommen und gab vor, sie im Namen aller Bürger die wohl unvergänglich sei; denn sie schreite durch auszuüben – auch im Namen und nach dem Willen die Zeit, als wache sie jeden Morgen zu verjüngtem der Unvergeßlichen, behaupteten die neuen Herren. Leben auf, um Segen zu spenden nach echter Köni- Sie meinten, ihrer Weisheit genug abgelauscht zu ginnen Weise. haben., um es ihr gleich zu tun. Und weil die hohe Ihr zu dienen und ihren Ruhm zu mehren, davon Frau bei Lebzeiten zum Wohle aller einen guten hatte er schon in früher Jugend geträumt. Ihm war Grund gelegt hatte. gab nun auch ihr Andenken den manches geschenkt, was dazu helfen mochte: eine öffentlichen Dingen noch eine Reihe von Jahren Seele, die allen göttlichen Atemzügen offen war und Ansehen und Bestand. Die Regenten nahmen das als darin sich Licht und Schatten des Daseins spiegelten, Erweis ihrer eigenen unversuchten Staatskunst. Sie und dazu auch Hände, die seinen Gesichten Gestalt priesen einander als Vollender des Volkswillens zu geben wultten, in Linien und Farben wie auch in und mühten sich wohl auch. es wirklich zu sein. Holz oder Stein. Und nun, als er seiner Kunst sicher Dabei nahmen sie aber ihr Maß nur bei Menschen war, da war er aufgebrochen, um der fernen Königin ihrer eigenen Art: und darüber ging, ganz allmäh- seinen Dienst anzutragen, weil edles Werk nur an lich und ihnen selber unbewußt. gerade das ver- hohen Aufgaben zur Vollendung reift. loren, was der königlichen Zeit ihren Adel gegeben Doch schon bei den ersten Häusern der Stadt er- hatte. fuhr er, daß er zu spät kam. Sie war gestorben; es Kunst und Künstler standen bei ihnen in geringer war nur der Segen ihres Wirkens noch. der die ver. Gunst. Ihnen galten die Wagenlenker mehr. die waiste Stadt verklärte. Wettkämpser und die Seiltänzer. deren bunten Da gelobte sich der junge Meister, ihrem An- Sprüngen die Menge Beifall schrie. denken ein Bildnis zu schaffen, das so unvergänglich Als dem Meister sein karger Raum von den wäre wie ihr Name. Hintergiebeln der Nachbarhäuser und gar von Er fand eine enge Werkstatt und blieb als Bürger ihren Stallmauern allzusehr verdunkelt wurde, da in der Stadt. Tagsüber mühte er sich mit mancherlei bat er um Überlassung eines größeren. Es war je- Bildwerken und Schildereien, die ihm von Mit- doch eine Rangordnung ausgeklügelt, an der auch bürgern aufgetragen wurden, und gewann damit solche Ansprüche gemessen wurden; und das verhieß seinen Lebensunterhalt. In den Feierstunden aber seinem Anliegen wenig genug. und bei Nacht sann und grübelte er an der großen Als jedoch mit der Zeit deutlich wurde. daß sein Aufgabe, die doch eigentlich der Inhalt seines Lebens Name in fremden Städten mit Achtung genannt war, er plante und versuchte, er entwark und verre wurde. da wandte ihm der Rat denn doch eine etwas warf dann doch wieder, weil nichts von allem dem verwunderte Aufmerksamkeit zu; und eines Tages genügen wollte. was in seiner Seele um Gestaltung traten gar zwei der Herren in seine Werkstatt. rang. Er nahm sie mit aller Ehrerbietung auf. die ihr Unterdes gediehen ihm aber seine geringeren Amt forderte. Zwar musterten sie anfangs mit Be- Werke zur Ehre und brachten ihm Namen und Brot. fremden seinen fleckigen Arbeitskittel, aber all die Manches Bürgerhaus zierten sie schon und auch bunte Leinwand. die bemalten Lindenholztafeln Kirchen und Plätze der Stadt; sie reisten auch mit und die hölzernen Heiligen sahen sie dann doch mit Schiffen und Lastwagen in die Ferne und breiteten heifälligem Kopfnicken an. und hier und dort gaben I 1 7
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