Full text: Lübeckische Blätter. 1959 (119)

Zu einigen Blättern aus der Graphik-Sammlung des St.- Annen-Museums Johann Christian Reinhart (1761-1847) „Landschaft mit Weiher“ lavierte Federzeichnung. – Neuerwerbuna 1958. Seit Mengs und Winckelmann um die Mitte des allen einengenden Verhältnissen konnte die Masse 18. Jahrhunderts in Rom dem Deutschtum gleich- der Künstler entzündet werden, nur hier konnte der sam geistige Heimatrechte erworben hatten, sollte Funke der Wahrheit so bald zur Flamme werden, Italien für die nächsten drei Generationen deutscher die auch ganz Deutschland bald erwärmen wird. In Künstler recht eigentlich das klassische Schicksalsland der Tat lebt hier der Künstler in einem ganz an- bleiben. Jenseits der Alpen wähnte man das Ziel deren Verhältnis; einer ist dem anderen gleich, nur aller romantischen Sehnsucht: dort blaute der Hime wer was kann, wird geschätzt . . .* Rom beherbergte mel in immerwährender Klarheit und Heiterkeit, zur Zeit der Romantik insgesamt über 500 deutsche dort fand man eine Landschaft von großartiger Künstler, deren Aufenthalt sich gewöhnlich über Ursprünglichkeit und doch wiederum gesättigt von einige Jahre erstreckte, ja, manche, wie z. B. Koch, Geschichte und heroischer Überlieferung, dort wulte Reinhart, Overbeck, von Rohden, blieben zeitlebens man sich an der Quelle aller höheren Gesittung und dort. Neben den großen Gemeinschaftswerken. den Kultur und erlebte gleichzeitig das Pittoreske eines Fresken in der Casa Bartholdy und in der Villa unverdorbenen Volkslebens ~ vor allem aber war Massimi, neben den Porträts und frommen Tafel- Italien die Heimat Michelangelos und des ,.gôtt- bildern der Nazarener bilden die deutsch-römischen lichen“ Raffael, das Land der klassischen Kunst- Landschaftsdarstellungen, vor allem die Zeichnun- schätze, ohne deren Studium jede künstlerische Aus- gen und Aquarelle, für uns das wertvollste Ver- bildung Bruchstück bleiben mußte. mächtnis jenes Frühlings der deutschen Kunst. So strömten denn die jungen Künstler, versehen Am Anfang steht die sog. „heroische“ Landschaft, mit einem karg bemessenen Reisestipendium ihres die in der Nachfolge von Poussin und Claude Landesherrn oder adligen Mäzen, in Scharen nach Lorrain und im Gegensatz zu dem objektiven ..Tat- der Heiligen Roma, um hier, wie an einem Prüf- sachenbericht“ der Vedute, das Inhaltliche in seiner stein, entweder sich selbst und die eigene Art zu tieferen, weltanschaulichen Bedeutung zu verewigen finden oder sich an das Fremde zu verlieren. In suche. Joh ann Christian Re inharts einem Brief aus dem Jahre 1818 kennzeichnet Julius „Landschaft mit Weiher“ zeigt jene urwelthafte Schnorr von Carolsfeld die Bedeutung Roms als Großartigkeit, die Abbild und zugleich Sinnbild ist eines geistigen Sammelpunktes über der Zerrissen- für die formenden, das Antlitz der Erde prägenden heit der deutschen Staaten und Stämme folgender. Weltkräfte. Deutlich baut die Zeichnung sich aus maßen: „Wir wünschen und hoffen, daß es einst einzelnen Schichten auf,. wobei die italienische Ge- nicht mehr nötig sein werde, dak der deutsche birgsnatur mit ihrem Reichtum an Terrassen- und Künstler nach Rom ziehe; in unserem Lande soll Stufenbildungen den Bestrebungen des Künstlers eine Schule sich bilden; aber wie die Sachen jetzt entgegenkommt. Zone schließt sich an Zone zu einer standen. war Rom nötig; nur hier, getrennt von einheitlich gefestigten Bildstruktur als Ausdruck eines
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