Full text: Lübeckische Blätter. 1958 (118)

möglicht als Voraussetzung für den späteren Einbau sechnittes fertigzustellen, um im Winter 1958/59 das eines Ranges mit etwa 140 Plätzen und für ein Kolosseum, wenn auch mit provisorischem Eingang, Gesellschaftszimmer. für Veranstaltungen zur Verfügung zu haben. Der Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, han- Innenausbau des ersten Bauabschnittes erfolgt im delt es sich um ein Bauvorhaben, was für die Gesell. Winter 1958/59. Im Frühjahr 1959, nach Be- schaft in bezug auf den Umfang als einmalig zu endigung des ersten Bauabschnittes, wird, voraus- bezeichnen ist. Die Vorsteherschaft ist daher auch gesetzt, daß zu diesem Zeitpunkt die Finanzierung an diese Aufgabe in vollem Bewußtsein der großen gesichert ist, mit dem zweiten Bauabschnitt be- Verantwortung herangegangen. Inzwischen wurde gonnen. Die endgültige Fertigstellung des gesamten bereits mit den Bauarbeiten begonnen mit dem Ziel, Baues ist zum Herbst 1959 geplant. bis zum Herbst den Rohbau des ersten Bauab- Werner Dalstein Zur Frage Petrikirche Ganz so neu, wie es gegenwärtig erscheinen stätten, allein schon auf dem Vorwerker Friedhof, könnte, ist das Problem Erhaltung oder Abbruch aber auch in anderen Stadtteilen. Wer kennt alle der Petrikirche nicht. Aus verschiedenen Anlässen, diese Stätten und wann kommen wir einmal zu der die hier nicht aufgezählt werden sollen, ist das einen oder anderen ? Meistens wohl nur, wenn wie- Schicksal der Kirche in kleinerem oder größerem der einmal der entsprechende Gedächtnistag her- Kreise besprochen worden. Allerdings sind solche gekommen ist und die zuständige Behörde oder Erörterungen wohl kaum allgemein bekannt gewor- Körperschaft zu einer Feier einlädt. Erfreulicher- den. Um Gegenstand allgemeiner Erörterung zu weise gibt es aber auch Ausnahmen, und nicht ein- werden, fehlten zweierlei, ein klarer Zweck, dem die mal wenige, die zum Teil viel tiefere Bindungen Kirche dienen könnte, wenn sie als Gotteshaus nicht verraten, als das laute Getriebe des Alltags vermu- mehr benötigt werde, und die Mittel, das Bauwerk ten läßt. Noch nach vierzig Jahren stellen Ange- zu sichern, etwaigen neuen Zwecken entsprechend hörige hier und da zu dem Gedenkstein des vor im Innern herzurichten und später zu unterhalten. vierzig Jahren Gefallenen ihr persönliches Erinne- Als die Lübecker Bürgerschaft vor einigen Jahren rungszeichen in Form einer einzelnen, schlichten den Wiederaufbauplan für Lübeck genehmigte, Blume, unbeirrt um den Wall des blühenden Rho- wurde über die Kirchen der Altstadt nichts gesagt dodendrons, wie er auf dem Ehrenfriedhofe steht. — wenigstens nicht in der Sitzung der Bürger- An anderen Stätten ist es ähnlich, oder unsere schaft. Soweit erinnerlich, sah der Plan die Erhal- Gärtner pflegen gewissenhaft, wie z. B. auf dem tung der Kirchen in städtebaulicher Hinsicht vor. Vorwerker Friedhof, Gruppen von Gräbern, die Soweit man aus dem bisher rings um die Kirche ihre Bedeutung haben, um die von uns niemand vorgenommenen Wiederaufbau und der Anlage der mehr weiß. Unter den vielen Besuchern, die St. Straßen schließen darf, ist die Erhaltung auch jetzt Marien im Laufe des Jahres hat, finden sich ständig noch vorgesehen. Vom Markt aus gesehen muß Gruppen, die weniger von dem erhabenen Bauwerk man zudem ebenfalls annehmen, daß dem hohen beeindruckt sind, als von der Kapelle im Südturm Verwaltungsgebäude und der Marienkirche in der mit den zersprungenen Glocken. Wäre dort mehr Nordwestecke des Marktes ein hohes Dach und ein Raum, ließen sich dort Stühle hinstellen, dürfte hoher Turm von St. Petri wie ehemals vorhanden manch einer, und nicht nur der „Flüchtling“, dort ~ in der Südwestecke gegenübergestellt werden eine Weile schweigend verbleiben. müßten. Auf ein solches Gleichgewicht im Innern Aus solchen Beobachtungen heraus, die jeder für dürfte es ebensosehr ankommen wie auf die Sil sich selbst auch machen kann, darf man vielleicht houette, wie man sie von außen sieht (die außerdem den Vorschlag machen, die St. Marien nahe Kirche durch den Gasometer und das Hochhaus der Papa- am Südende unseres Marktes zu einer Gedächtnis- geiensiedlung zum Teil empfindlich gestört ist). stätte zu machen, in der sich all das vereinigt findet, Nimmt man also an, daß sich das Abreißen der was uns bei der Errichtung der einzelnen Stätten Petrikirche heute ohnehin nicht mehr vertreten am Herzen lag. Wie man den einzelnen Stätten ließe, so bleibt die Frage, wozu sie nach Sicherung dabei gerecht wird, in welcher Form man sie ,,er- des Bauwerks verwendet werden könnte. Die Ant- wähnt“, d. h. dort darstellt, ist eine Frage der Ein- wort darauf läßt sich aus einigen Erscheinungen gzelberatung und Planung, wenn der vorstehende unseres täglichen Lebens finden, die allerdings nicht Vorschlag überhaupt weiter verfolgt werden sollte. auf dem Gebiete des geschäftlichen und industriel- Hier mögen nur noch ein paar Gesichtspunkte len Treibens liegt. erwähnt werden, die zu dem Vorschlag führten: Mir haben in Lübeck verschiedene Gedächtnis- Die Petrikirche liegt mitten in der Stadt. Man stätten, den Ehrenfriedhof in der Israelsdorfer braucht, um zu ihr zu kommen, nicht etwa aus Allee, die Kapelle mit den zerstörten Glocken im einem Vorort in den anderen zu fahren, oder, wie Süctturm der Marienkirche, das Kriegsgefangenen- etwa bei dem Mahnmal auf dem Vorwerker Fried- Mahnmal unter den Rathaus-Arkaden, das Kriegs- hof, nach der Gedächtnisstätte zu suchen. Die opfer- und KZ-Mahnmal auf dem Vorwerker Fried- Kirche liegt, wenn auch unmittelbar am Verkehr, hof, und daneben eine Reihe anderer Gedächtnis- doch auf aner vollkammenen Verkehrsinsel. Wenn 1 52
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