Full text: Lübeckische Blätter. 1958 (118)

derholt traten Schäden auf, die aber erst nach dem allerkürzester Frist erforderlichen Sicherungsmaß- letzten Winter bedrohlich wurden. Kürzlich stürzte nahmen will Bürgermeister Dr. Böttcher einen Vor- ein Deckengewölbe herunter. Nach der Darstel- schuß von 50000 DM auf die in Aussicht gestellten lung von Kirchbanmeister Overhage ist die Ruine 400000 DM vom Lande erwirken. Es besteht also aufs äußerste gefährdet. Ein südlicher Vierungs- eine äußerst bedrängte und bedrohliche Lage. In pfeiler muß in kürzester Frist gesichert werden, höchstens sechs Wochen droht die Gefahr, daß der damit nicht sein Einsturz weitere erhebliche Schä- eine Vierungspfeiler einstürzt. Auf der anderen den verursacht. Hierfür sollen sich die Kosten auf Seite scheint nocht nicht eine endgültige Klärung 45000 DM belaufen. darüber erreicht zu sein, was mit der wiederherge- In einem zweiten Bauabschnitt müßten einige stellten Petrikirche geschehen soll. weitere Pfeiler ausgewechselt, die Fundamente ge- . % sichert, das Notdach erneuert und ein Stahlbeton- ring um die ganze fünfschiffige gotische Halle Auf diese Frage wirft ein Beschluß der Kirchen- gelegt werden. Kostenpunkt: 50000 DM. leitung und des Kirchenvorstandes der Dom-Petri- Dritter Bauabschnitt: 11 Gewölbe müßten er- Gemeinde ein merkwürdiges Licht. Darin wird von neuert, 19 weitere instand gesetzt werden. Diese den beiden Gremien ausgesprochen, daß sie grund- Sicherungsarbeiten bedeuten erst die Grundlage sätzlich der Durchführung der Sicherungsarbeiten für die endgültige Wiederherstellung der Kirche und einer späteren völligen Wiederherstellung der und werden einen Gesamtaufwand von 550000 St.-Petri-Kirche unter der Voraussetzung zustim- DM erfordern. In einem vierten Abschnitt müßte men, daß fr» der X ezzruthar des suneren 1p1 164: „J. die evangelisch-lutherische Kirche in Lübeck rer î Len: sr 106. wms. 550000 DM von jeder Verpflichtung, zu der Sicherung und und die Innenausstattung 250000 DM. Livdrh.rtislhug Mr Kirche finanziell beizu. §. §§ 2. der Kirche zugesichert wird, daß auch die Vor dieser Situation stehen der Vorstand der kür die endgültige Miederherstellung notwen- Dom-Petri-Gemeinde und die Liibecker Kirchen- digen Mittel durch die Initiative der städtischen leitung heute. Sie wurden in einer Sitzung am und staatlichen Stellen beschafft werden; 2. Mai 1958 davon unterrichtet. daß das Gebäude. 8. die St.-Petri-Kirche in unbeschränktem Besitz unmittelbar einsturzgefährdet Zei uncl dureh die der Dom-Petri-Gemeinde verbleibt und daß die Auflage der Baupolizei verpflichtet, die zum Schutz Bereitstellung öffentlicher Mittel für ihre Siche- des Verkehrs und menschlichen Lebens notwendi- rung und Wiederherstellung nicht mit irgend- gen Absperrungen wesentlich zu erweitern und die welchen Bedingungen im Blick auf die künftige zur Sicherung der gefährdeten Gebäudeteile not- Verwendung des Gebäudes verbunden ist; wendigen Maßnahmen durchzuführen. 1 die Kirche ausschließlich für gottesdienstliche Der Kirchenvorstand der Dom-Petri-Gemeinde und gemeindliche Zwecke wiederhergestellt eine selbständige Petrigemeinde besteht seit der wird; . [ Bombennacht nicht mehr – und die Lübecker ?-. die Gemeinde Dom-St.-Petri und die Kirchen- Kirchenleitung stellten darauf fest, daß die Kirche leitung die Freiheit behalten, im westlichen nieht die Mittel besäße, die Maßnahmen zur bau- Teil des Kirchenschiffes den Bau eines Gemein- lichen Sicherung oder gar den völligen Wiederauf- desaales und anderer gemeindlicher und kirch- bau durchzuführen; daß die Kirche auch nicht licher Räume, die den modernen Bedürfnissen gehalten sein könne, den durch Kriegseinwirkungen der kirchlichen Arbeit entsprechen, unter einer entstandenen Schaden unter Einsatz von Mitteln zu neu zu schaffenden Orgelempore einzuplanen.“ beheben, die ihrem legitimen Zweck, nämlich der | Schaffung neuer Gemeinden und der besseren Ver- § § : sorgung der Gemeinden, entzogen werden müßten Diese von der Kirche ausgesprochenen „Bedin- Von dieser Sachlage machten der Kirch . gungen“ erwecken den Eindruck, als ginge es hier stand und die Kirchenleitung der Baupoliz euro nicht um einen so Schwerkranken, wie es die Petri- teilung mit dem Hinweis l LE 15 upoi er i t- kirche doch ist, sondern um ein beliebiges Bauwerk. lichkeit sähen, als die St.-Petri Kirche “n V O s Aber die Petrikirche ist ein Baudenkmal, das nicht preiszugeben.. ° dem l ertal! nur durch sein Alter ehrwürdig ist, wie etwa die d S % Salzspeicher. Hier geht es um ein Gebäude, dessen Gestalt und Geschichte so bedeutungsvoll ist, daß In dieser Situation ergriff Bürgermeister Dr.. seine Erhaltung in seiner historischen Gestalt jedem Böttcher die Initiative. Seinen Bemühungen ist es am Herzen liegen sollte, sofern er sich ein lebendiges zu verdanken, daß Bundesminister Lemmer 400000 Gefühl für unser Kulturerbe bewahrt hat. DM zur Durchführung der dringendsten Siche- Die Verantwortung für die Erhaltung und den rungsarbeiten an der Ruine der Petrikirche in Aus- Wiederaufbau der Petrikirche kann nicht nur eine sicht gestellt hat. Wie aus den obigen Darlegungen Angelegenheit und Aufgabe der Dom-Petri-Ge- ersichtlich, reicht diese Summe noch nieht einmal meinde oder der Lübecker Kirchenleitung oder für die sämtlichen Sicherungsarbeiten. Vür die in auch der Lübecker Stadtverwaltung sein, sondern | 26
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