Full text: Lübeckische Blätter. 1958 (118)

der Seelsorge an den evangelischen Gemeinde- lichen Landeskirchen zum Staat beitragen, ohne gliedern in der Bundeswehr zu ermöglichen. Er daß das sachliche Anliegen der Kirche auf eine bedeutet keine Bindung an eine politische Ziel- seelsorgerliche Betreuung der Angehörigen der setzung. Außerkirchliche Stellen haben auf die Bundeswehr berührt wird. seelsorgerliche Tätigkeit der Militärgeistlichen kei- Die Tagespresse berichtete unter sehr verschiede- nen Einfluß.“ Wenn dennoch ein Antrag der nen Schlagzeilen über die Synode und ihre Be- Synode, zur Überprüfung des Vertrages einen Aus- schlüsse. „Spaltung der Kirche ?“), ..Atomappell schuß einzusetzen, angenommen wurde, so waren in Bonn und Ostberlin“, „Synode endet mit Atom- hierfür zwei Gründe maßgebend: Die Möglichkeit -Kompromiß“', „Die Einheit der Kirche wurde der atomaren Ausrüstung der Bundeswehr hat eine gewahrt“. So hieß es unter anderem. Es ist nicht veränderte Lage geschaffen bzw. kann sie in Zu- möglich, mit einer Schlagzeile das Ergebnis der kunft schaffen. Folgerungen, die sich daraus für Synode zusammenzufassen. Es darf aber fest- Jie Militärseelsorge, für die Militärpfarrer und für gestellt werden, daß die Synode in Einmütigkeit der den Wehrpflichtigen ergeben, sollen überprüft Verwerfung jedes atomaren Krieges, bei allen werden. Weiter wurde festgestellt, daß in Anber- Spannungen in der Beurteilung atomarer Waffen tracht der Tatsache, daß in der Ostzone der Vertrag ihre Einheit gewahrt hat. Wir wissen, was diese dureh die ablehnende Haltung der DDR ohne Tatsache für unser deutsches Schicksal bedeutet. Wirksamkeit geblieben ist, eine Überleitung der Wir wollen darüber hinaus Gott danken, daß er Militärseelsorge in die Zuständigkeit der einzelnen durch die Zerreißprobe dieser Synode hindurch die Landeskirchen möglich ist. Eine solehe Lösung evangelische Christenheit in unserm Vaterland bei- könnte zur Entspannung des Verhältnisses der öst- einander gehalten hat. Pastor Martin Ohm Das Kolosseum zur Zeit unlerer Großväter Vor mehr als 300 Jahren, als die Stadt Lübeck seine Frau. Sie hat uns oft erzählt, wie sie, nach- noch wohlgeborgen hinter Mauer, Wall und Graben dem sie Wäschekörbe voll belegter Brote geschnit- lag, stand vor dem Mühlentor ein kleines Wirtshaus, ten, sich am Abend hinter die Theke gestellt, „Poggenpohl“ genannt. Ringsum war freies, unber Kaffee gekocht, Bier geschenkt und beides samt bautes Land, und man konnte, wie aus dem Namen ihren Broten und dem Kuchen verkauft hätte. zu ersehen ist, vom nahen Sumpf her die Frösche S dem quaken hören. Dort kehrten unsere Vorväter gern dann auch der Garten anvertraut wurde. Hinter ein, wenn sie an Sonn- und Festtagen einen Spa- der alten, kleinen Gaststube sieht man heute noch e - eit wurde der Name ,„Poggenpo . . wr geändert in „Freundschaft‘', “jelleickt u Zeichen räume, im Oberstock die Wohnräume der Familie dafür, daß sich die Menschen dort wohl fühlten und und ein kleiner Saal, in dem des Sonntags getanzt sich zu Stammtisch- und Kegelabenden zusammen- wurde. Wieder war es der Großvater selbst, der kanden. hier waltete. Er saß am Klavier und spielte trotz Der Besuch dort draußen muß recht gut gewesen eines steifen Fingers einen Tanz nach dem andern. sein, denn im Jahre 1832 entschloß sich ein unter- Dabei kam es wohl vor, daß er inzwischen einmal nehmender Mann aus der Innenstadt, Hans Hin- aufspringen mußte, um einen der jungen Leute, der rich Wilms, . Wirth in der Stadt Braunschweig, des Guten zuviel getan und anfing, sich ungebühr- untere Mühlenstr. Joh. Qu. 779“, zu seinem Besitz lich zu benehmen, mit kräftigem Schwung an die die „Freundschaft“ samt Garten hinzuzukaufen. frische Luft zu befördern. Danach konnte die 2 Jahre später verkaufte er dann dieses damals Sache weitergehen. immer noch recht bescheidene Wirtshaus „an der So war es denn kein Wunder, daß der Geldbeutel Cronsforder Allee 25‘“‘ seinem Sohn Johann Fried- praller wurde und der Großvater anfing, Pläne zu rich, unserem Großvater. Ihm sollte es beschieden schmieden, um mehr aus seinem Besitz zu machen. sein, kraft seines Unternehmungsgeistes und seiner Er hatte von dem Tivoli in Kopenhagen gehört, und Weitsicht das alte Lokal seiner Blütezeit ent- 5s0 machte er sich eines Tages auf den Weg, um es gegenzuführen und ihm den Stempel seines Namens sich anzusehen und sich Anregung zu holen. Als er aufzudrücken. Der Name „Freundschaft“ geriet zurückkam, meinte er: „„Nein, s0 groß Kann ich bald in Vergessenheit, man ging jetzt zu „Wilms“. nicht gleich anfangen, aber bauen werde ich. Zunächst bewirtschaftete der neue Wirt mit So entstand im Jahre 1867 der Spiegelsaal, so seiner Frau Haus und Garten allein. Er hatte bei genannt nach einem riesigen, goldumrahmten Velsche in Leipzig das Backen und die Herstellung hpiegel. or ust dio guury. zÜivärt. ven- gon §üigiceiten aller Art gelernt, so u t qi al schl so slaatiaci gvrwcan sin. dat in ser stadt herstellen konnte. FleißBig und tätig . Sage umging, er ruhe auf Sprungfedern. Statt 119
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