Full text: Lübeckische Blätter. 1958 (118)

nutzt worden sind. Wer seine Kenntnisse bisher ließen sich von großen Künstlern wie Lukas von aus der Literatur des 18. Jahrhunderts gewonnen Hildebrandt, Andreas Schlüter, Johann Nikolaus hatte, wird auf alle Fälle durch den Lübecker Fund und Baltasar Moll, Georg Pichler u. a. prachtvolle überrascht sein. : Zinngrabmäler und Sarkophage entwerfen. Diese J ürgen Brüning hat Gipsformen nicht nur – den Entwürfe wurden durch Stiche. etwa von Kleiner, Ausführungen Halles und Sprengels entsprechend ù«Ffteffel u. a., verbreitet, und die kleineren Adligen kür Passige Gegenstände, plastische Details und versuchten, es den großen Fürsten nachzutun. In wenig gangbare Ware verwendet. Er hat sie auch der Kapuzinergruft in Wien befinden sich neben kür Gegenstände benutzt, die nach Aussagen zeitger den Schöpfungen großer Kunst auch einfachere nössischer Autoren mit anderen Formen verfertigt Särge mit Kruzifixen und zierlichen Beschlägen, wie wurden. Wennman bedenkt, daßnach Angabe von sie Brüning gearbeitet hat. Möglicherweise waren Halle ~ die Anschaffung eines kompletten Mes- sie für die übrigen Landschaften richtunggebend. singformenbestandes allein 2000 Rthlr. Kapital Immerhin sind sie — wenn auch erst in der zweiten erforderte, so wird man annehmen müssen, daß Hälfte des Jahrhunderts + der Wiedergabe im Brüning sich die Anschaffung dieser kostspieligen Stich für würdig gehalten worden. Einige Meister Formen in einzelnen Fällen überlegt hat. Verschie- der Särge sind seit kurzem bekannt. entlich dürfte es sich bei den Formen aus der Hat Brüning und haben die Zinngießer, die solche Lübecker Sandstraße allerdings auch um Abfor- Särge schmückten, ihre Modelle selbst hergestellt ? mungen zum Zwecke von Reparaturen handeln. Einige sich offensichtlich an ornamentale Vorlage- Gipsformen wurden entweder durch Abformung blätter bekannter Stecher anlehnende, erhaltene von Modellen, den sog. Patronen, oder von fertigen Vorlagenzeichnungen für Sargschmuck (in Lübeck Stücken gewonnen und die damit gegossenen Gegen- und in Mölln) bestätigen, daß die Zinngießer geübte stände anschließend wie üblich mit Hilfe der Dreh- Zeichner waren. Warum sollen sie nicht vielfach, lade abgedreht. Sandsteinformen wurden von den wenn die Begabung ausreichte, selbst Modelle kür Steinmetzen nach den Angaben des Zinngießers Sargschmuckformen geschaffen haben ? Uäufig roh gehauen und dann in harter körperlicher Arbeit scheint es sich jedoch um Abformungen zu handeln, von den Zinngießergesellen mit Hilke besonders wie der Vergleich eines Zinnkruzifixes mit ZW ei Seschmiedeter Eisen abgedreht. Eine der Lübecker genau dazu passenden Formen aus Brünings Merk- Sandsteinformen zeigt ein eingeritztes Steinmetz- statt deutlich macht. Die erwähnte Arbeitsteilung reichen,. eine andere weist noch das Zeichen eines zwischen Goldschmied und Zinngießer dürfte auch Gesellen von der Drehlade auf. Die Zinngießer eine weitere Vermutung nahelegen: daß nämlich waren im Drehen so geschickt, daß vielfach die die Zinngießer ihrerseits figürliche Modelle auch bei Goldschmiede bei ihnen und nicht etwa bei den Holzschneidern bestellt haben. Diese Bestellungen Drechslern ihre abzudrehenden Modelle für Silber- gingen auf private Rechnung. Deshalb wird man geschirr bestellten, wie wir den Angaben bei Halle in den Staatsarchiven dafür kaum Belege finden. und Warnecke entnehmen können. Nur für Gelbgießer ist eine Gemeinschaftsarbeit mit Brünings Schaffen fällt in die letzten Jahrzehnte den Holzschneidern in Lübeck gelegentlich nachzu- der Blütezeit des Zinnhandwerks. Zinn und Blei weisen. Die enge Verwandtschaft des Brüningschen waren damals u. a. auch geschätzte Materialien für Formenschatzes mit dem der Epitaphien und Altäre die statuarische Plastik – sicherlich nicht nur der Quellinus-Schule verleiht dieser Vermutung infolge wirtschaftlicher Überlegungen. Die Fürsten erhebliches Gewicht. Franz-Adrian Dreier Staatsbauschule Lübeck in Gefahr? Die gesamte Wirtschaft und unser Leben werden Vereins Deutscher Ingenieure vom Februar 1956 immer mehr durch die Ergebnisse der Wissenschaft fehlen rund 45000 Ingenieure (ohne die Diplom- unîl Forschung geprägt. Die verschiedenen Sparten ingenieure) in der Bundesrepublik. Wie sich dies der Technik werten sie aus und machen sie uns im Lübecker Raum auswirkt, beweist z. B. die Tat- nutzbar. Es gibt kaum ein Gebiet der Wirtschaft, sache, daß das Arbeitsamt Hamburg noch vor das nicht von der Technik erfaßt und maßgebend kurzem die Studierenden der letzten Semester der beeinflußt wird. Das ganze deutsche Volk ist Träger Hoch- und Tiefbauabteilung der Lübecker Staats- der Technik geworden, wobei dem Ingenieur wich- bauschule auf den großen Bedarf an Bauingenieuren tige Aufgaben zufallen. Er hat maßgeblichen Ein- im Hamburger Raum aufmerksam machte und die Fluß an der raschen Entwicklung, die uns nach dem Absolventen zu Bewerbungen anregte. Die Deut- völligen Zusammenbruch in die vorderste Reihe der sche Bundesbahn gibt Studierenden dieser Schule Industriestaaten führte. Studienbeihilfen und Unterhaltszuschüsse, um auf Die Zahl der z. Z. im Berufsleben stehenden diese Weise den Bedarf an Nachwuchsingentienuren Ingenieure reicht aber bei weitem nicht aus, um den sicherzustellen. Auch Leiter von Straßenbau- erreichten technischen Stand zu halten oder gar noch ämtern des südholsteinischen Raumes sind in zu steigern. Nach den Angaben der „Denkschrift letzter Zeit dazu übergegangen. vor den Studieren- zur Ausweitung der Ingenieurschul-Kapazität“ des den der Tiefbauabteilung Werberorträge zu halten, ~ J J:
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