Full text: Lübeckische Blätter. 1957 (117)

oder einige Hafenmotive, die in der selhst erarbeiteten Sehr. (Aachen und Bayreuth) und Dohnanyi, beschieden ist. weise gestaltet sind, obwohl man eingestehen muß, daß die Wallberg hatte aber nicht nur die Chance, sondern auch die Stärke der Malerei von Rickers nicht erreieht wird. Das Befähigung zu diesen hohen Aufgaben. Das bewies er in der mag daher kommen, daß Rickers, der seinen farbstarken Durchführung des erlesenen, jedem Geschmack Rechnung Bildern häufig ein spannungsrvolles lineares Gerüst gibt, tragenden Programms des 3. Sinfoniekonzertes. Der „Don hier dieses an der Malerei, d. h. in Verbindung oder in stän-. Juan“ von Richard Strauß gab bereits eine gute Vor- diger Auseinandersetzung mit der Farbe entwickelte Ger stellung von der dynamisch-bewegliehen und rhythmisch- rüst, verselbständigt. Schwarz- und Grautöne reagieren bestimmten Art seines Dirigierens. Wallberg verfügt über da. anders als Farbklänge. eine Fülle von ausdrucksreichen Gesten und weiß diese mit Einige Farbblätter entstammen einer ganz anderen Welt. Ökonomie zu gebrauchen. So gelingen ihm orgiastische Par- Sie sind zusammengefaßt unter dem Titel „Mechanischer tien ebenso gut wie zarte, Iyrische Kingebungen. Das Städ- Zirkus‘. Dieses und verwandte Themen sind bekannt aus tische Orchester, verstärkt in allen Gruppen, entwickelte der Bauhauszeit (Schlemmer) und von den Konstruktivi-. unter Wallbergs Impulsen glanzvolle Festlichkeit in Klang sten der zwanziger Jahre. Inzwischen hat jedoch die Tech. und Elan. nik ihre romantische Faszinationskraft verloren, sie ist Ausdruck elementarer Musikalität des jungen Pro- einerseits alltäglich-brauchbar, andererseits lebensbedro. kofietf war dessen 3. Klavierkonzert C-Dur op. 26. hend geworden, so daß aus unserer Situation dieses Phäno- Hans HRrich Riebensah m, dessen Beethoven-Zyklen men sicher künstlerisch anders bewältigt werden mülßte.. uns noch in leuchtender Erinnerung sind, bändigte die Imponierend an dieser Ausstellung ist die ganz offenbare wild-däimonischen Tonfluten des an rhythmischen und mo- Arbeitsintensität des Künstlers. Bei seiner spontanen Pro- torischen Energien reichen Klavierkonzerts mit Bravour duktionsweise mülste aber die Auswahl der als ausstellungsn-. und technischer Perfektion. Die Vielschiehtigkeit des zwei- reif betrachteten Arbeiten strenger sein. Auch die in der ten Satzes gab ihm gut genutzte Gelegenheit zu klanglicher bildenden Kunst üblich gewordenen Variationen, früher der Nuancierung. Sie stellte hohe Anforderungen an die geistige Musik vorbehalten, wirken sich nicht immer günstig aus, Elastizität, an die Kunst der Verwandlung und Einfühlung Ia man sich allzu leicht über die Vorläufigkeit einer Lösung in die poetische Substanz und deren groteske Varianten. mit der Hoffnung auf die nächste oder übernächste hinweg. Mir leugnen keineswegs die sich im 3. Satz reprüsentierende tröstet. Es verliert auch eine Aussage an Verbindlichkeit, Formkraft des Komponisten, fanden jedoch den Klavier- wenn es möglich ist, die gleiche Linie N UL und unsere Bewunderung galt dort mehr gleiche Fläche dunkel oder licht erscheinen zu lassen. H. R. Riebensahm, der mit dessen Ansprüchen an die Diese Bedenken sind notwendig; sie sollen aber nicht Virtvosität glänzend fertigwurde. den hohen optischen Reiz dieser Linien- und Tonwertkom- S8chuberts 7. Sinfonie, die der „himmlischen Län- positionen einschränken. Peter Kleinsehmidt gen“, führte die Hörer zurück in die Welt der Poesie, der Besinnlichkeit und melodischen Schlichtheit. Ihre Schön- Theater und Mucsik hy: ihr Frieden gaben dem Konzert den verklärenden usklang. Lüheeker Konzertspiegel In 45 dem Gastdirigenten und dem Solisten geltenden November stürmischen Beifall wurde das Städtische Orchester mit Aus früheren Jahren kennt man in Lübeck den Hambur- Herzlichkeit einbegrifken. ger Pianisten Detlef Kraus als eine besonders im Tech- nischen starke Künstlerpersönlichkeit. Seine Beethoven- Arleccehino – Busoni; Renard – Strawinsky; Gian ni programme haften noch im Gedächtnis der Hörer. Wenn S8chicehi – Puccini die Konzerte von Kraus in Lübeck spärlicher geworden Mit diesen drei „„Einaktern“, dem „theatralischen Ca- sind, so blieb ihnen doch ein nicht kleiner Stamm von Hö- priccio‘’ Busonis, der ,„burlesken Pantomime’ Strawinskys rern treu. Man behauptet wohl nicht zuviel, wenn man dem und „komischen Oper‘ Puccinis ist ein abendfüllendes Büh- in diesem Monat stattgefundenen Klavierabend nachsagt,. nenprogramm aufgestellt worden, das vielleicht nieht von daß er die Treue dieser Hörer gestärkt hat. jedermann goutiert wird, das aber jedem etwas bringt. Ein In der Mitte eines von Mozart bis Brahms reichenden Programm, das mit schmerzloser Ironie dem Menschen an Programms, in dem ausschließlich deutsche Klavierkoeme. den Kragen geht, seine Schwächen glossiert und dabei ponisten zu Worte kamen, stand als gewaltigste pianistische nichts anderes im Schilde führt, als dies in amüsanter und Leistung von Kraus die Fantasie C-Dur op. 15 von unterhaltsamer Weise zu tun, so, wie das die alte italieni- Franz Schubert. Man kennt sie unter dem Namen sche „Commedia dell’ Arte‘ getan hatte, die das Leben be- „Wandererfantasie“. Die Keimzelle des in edlem, klas- wulst „in einem Zauberspiegel oder in einem Lachspiegel zischen Maß gebauten Werkes ist aus Schuberts Lied „Der reflektierte‘. Wanderer‘ entnommen (,,Die Sonne dünkt mich hier so Der moralische Zeigefinger bleibt also unten. Der Zu- kalt‘). Detlef Kraus vermittelte in hinreißender, durch schauer soll nieht gebessert, sondern nur zum Lachen Klarheit und Ausdruckskraft sich auszeichnender Darstel. über sich selbst gebracht werden. Als Abonnent einer Vor- lung die Dramatik, Poesie und den tänzerischen Schwung stellung, im gewärmten Parkett sitzend, kann er also auch der Sätze der Fantasie. Für die innere Weite und den vir. nicht böse werden, wenn er sich zufälligerweise auf der tuosen Elan einiger Pe trarca-Sonette von Liszt bewies Bühne selbst begegnet. er ein hohes Mal von Zuständigkeit. In den das Programm Ihn wird es vielleicht verwundern, daß Busonis Arlec- beschließenden V ariationen über ein Thema von Paga- chino nicht in den ihm bekannten Bahnen des „Verismus'“ nini von Johannes Brahms entfaltete Kraus schließlich Verdis oder des „Gesamtkunstwerks‘“ Wagners wandelt, eine imposante pianistische Brillanz, die eine Woge stürmi. daß Strawinskys Renard die Tierfabel vom Reineke Fuchs, , schen Beifalls herauslockte. der den Hahn zweimal überlistet und schließlich von Bock r. Das 3. Sinfoniekonzert empfing seine Auszeichnung und Kater zusammengeschlagen wird, in der Form einer V durch den Gastdirigenten Heinz Wallberg und den Soli- Pantomime anbietet, die von vier Sängern im Frack in R sten in Prokolieffs 3. Klavierkonzert Hans Erieh Rieben- ,,harten“ Tönen kontrapunktiert und erläutert wird, falls ra sa hm. Christoph von Dohnanyi hatte bereits bei der Kon. überhaupt noch eine Erläuterung hierzu nötig wäre. Doch de zertplanung den Chefdirigenten des Philharmonischen wird er mit geschürftem Ohr hören, dal Busonis feinsinnig de Staatsorchesters Bremen zu einer d charakteristisch instrumentiertes Werk in der sym- de der jüngere den um acht Jahre älteren und erfahreneren. pathischen Ausgeglichenheit von Wort, Ton und Gebärde ur Die sich darin ausdrückende Selbstlosigkeit M. Ml Strawinskys burleske Pantomime trotz der unge- ren Generalmusikdirektor in menschlich sympathischem wöhnlichen Verknüpfung von Tanz und Konzert und trotz ih; Licht. Heinz Wallberg hatte die Chance, die Münchener der ganz und gar nieht schmeichelnden Musik eine erfri- ur und die Berliner Philharmoniker zu dirigieren und die Bam- schende, vielleicht etwas ernüchternde Wirkung ausübt. Der berger Sinfoniker auf Konzerttourneen zu führen. Die Gianni Schiechi Puccinis schließlich versetzt ihn wieder Laufbahn des 35 jährigen Westfalen zeigt eine steilo Auf. glücklicherweise ( ?) in die ihm bekannte Welt der buffones- wärtsentwicklung, wie sie nur wenigen, u. a. Sawallisch ken Parlando-Oper des Schlages von Verdis Valstaff. Rr »30
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.