Full text: Lübeckische Blätter. 1957 (117)

1 Lübeck begnügen wir uns mit einem mehr als gold, daß einem fast die Augen schmerzen; zwischen dürftig ausgestatteten Raum im Holstentor; hin- den dunkelgrünen Kiefern und Fichten zeigen die gegen zanken wir uns leidenschaftlich um Geld, Birken die überaus vornehme Farbkombination 1 Raum und Personal für ein Völkerkundemuseum. von crêmeweiß mit sanftschimmerndem, dünn auf- 1 Mit was für Booten die Pangwe im äquatorialen getragenem Altgold. Dunkelgrün, felsgrau, golden . Afrika ihren Fischfang betreiben, konnte man (und in verschiedenen Varianten, dazwischen das „„Valu- § kann man möglicherweise demnächst wieder) in Rot“ einzelner Holzhäuser: man hat das Gefühl, Ñ Lübecker Museen lernen. Hingegen besitzen wir in daß gegenüber dieser brennenden Intensität der Lübeck nicht einmal ein brauchbares Modell jenes Farben ein deutscher Herbstwald blaß und ver- Schiffstyps, mit dem die Lübecker des Hochmittel- waschen wirken müßte. alters Weltwirtschaft trieben und Weltgeschichte 1In dem stillen Garten des Malerprinzen Eugen, machten — ganz zu schweigen von all den Fleuten beim Schlößchen Waldemarsudde, starrte Rodins und Pinassen, Galjoten und Galjassen, Barken und ,,Denker‘“’ angestrengt auf ein Eichhörnchen, das Schunern, Rad- und Schraubendampfern, von auf dem Kiesweg vor den Besuchern Männchen denen und deren Fracht Lübeck und die Lübecker machte und ärgerlich mit den Vorderpfoten an dem zwischen 1600 und 1900 gelebt haben. Ganz zu ungenießbaren Buchpaket kraspelte, das wir ihm schweigen auch vom Hafenbild, vom Seemann, von an Stelle der erhofften Nahrung hinhielten. Dann Schiffsausrüstung und Schiffsausstattung, von liefen wir über Skansen zur Stadt zurück. Vorm Nautik und vom Schiffsschicksal. Irgend etwas Denkmal Karls XII. in Kungsträdgärden standen ist da verkehrt. zwei kanadische Matrosen vom Besuchsgeschwader, das im Hafen liegt. Sie photographierten den III. Djurgärden und Denkmiäler bronzenen Helden, dessen Arm überaus symbolisch Man vergißt solehe lübeckischen Gedanken, nach Osten weist; ebenso symbolisch saßen auf wenn man vom Seefahrtsmuseum aus weiter an diesem Arm drei fette Tauben und ließen sich vom dem herbstlich-glasklaren, schilfumstandenen Was- Donnern der Düsenjäger über der Stadt und dem serlauf entlangspaziert und über ein Brückehen Brausen der 36000 Autos in ihrer näheren Um- nach Djurgärden gelangt, diesem Naturpark ohne- gebung wenig stören. : gleichen, der vielleicht nie schöner ist, als an einem Vinige hundert Schritt weiter reitet der bronzene sonnigen Herbsttag. Er teilt seinen Namen mit Gustav Adolf über den Markt. Zu seinen Füßen dem Berliner Tiergarten; aber dieser verhält sich Axel Oxenstierna, beschäftigt, einer eifrigen, wenn- zu Djurgärden etwa wie eine Zimmerlinde zu einer gleich mangelhaft bekleideten Klio etwas zu dik- Donarseiche. Das Gras wird schon gelblich und tieren — vielleicht jenen Brief vom 8. Januar 1631 überall dazwischen buckelt sich der graue Fels. an den König, in dem es u. a. heißt: „Auf Lübeck Auf den Wegen raschelt das Laub. Die Ahorne mul man stets ein sehr wachsames Auge haben ... . flammen blutigrot oder in leuchtendem Dukaten- A. v. Brandt Ein Vorschlag zur Weihnachtswerbung in Lübeck Die Weihnachtswerbung, insbesondere ihre Aus- Käufer bietet (zumindest bildet er sich das ein), gestaltung nimmt eine immer stärkere Ausdehnung eine wichtige Rolle spielen. an. Sie hat sich zu einem Konkurrenzkampf nicht Rs hat sich nun in den letzten Jahren heraus- nur der einzelnen Geschäfte untereinander, son- gestellt, daß man in immer stärkerem Umfang ZUr dern der Städte gegeneinander entwickelt. Die gemeinsamen Werbung, zumindest hinsichtlich der Städte bemühen sich dabei, einmal den eigenen Ausgestaltung der Straßen selbst (Lichterketten Käuferkreis sich zu erhalten, also z. B. die Ab- usw.) übergegangen ist, um eine möglichst ge- wanderung der Lübecker Bevölkerung nach Ham- schlossene Wirkung hervorzurufen. Rs stellt sich burg zu verhindern, zum anderen die Bevölkerung nun die Frage, wie Lübeck die Hamburger Wer- der Umgebung aus dem Einzugsgebiet der Stadt bung so weit wie möglich überwinden kann, um heranzuziehen. Dabei wird die Werbung den so die hiesige Kaufkraft für Lübeck zu erhalten stärksten Erfolg haben, die nicht nur im Ausmaß und soviel wie möglich Kaufkraft des Rinzugge- der Lichtfülle, sondern auch in ihrer Besonderheit bietes unserer Stadt für uns nutzbar zu machen. das Käuferpublikum heranzulocken vermag. Es Es wird nicht möglich sein, dies haben die wird also die Werbung ihre stärkste Anziehungs- letzten Jahre gezeigt, daß die Lübecker Firmen kraft haben, abgesehen von Umfang der Auswahl die Lichtflut Hamburgs erreichen werden. Rs des Angebots und seiner Preiswürdigkeit. die „man‘ sollte also nach einem Weg gesucht werden, der gesehen haben muß. für Lübecks Innenstadt als dem Geschäftszentrum Es ist nun schwer für die Einzelhandelsfirmen eine Weihnachtswerbung ermöglicht, die durch ihre und auch für die großen Häuser Lübecks, die Wer- Besonderheit die Menschen anzieaenn. bung der Hamburger Firmen zu übertreffen, wobei Eine solehe Möglichkeit bietet sich in Lübeck natürlich die billigen Züge nach Hamburg wie die durch seine mittelalterlichen Bauten an. Voraus- größere Auswahl. die Hamburg naturgemäß dem setzung dafür ist aber, daß sich der Lübecker 205
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