Full text: Lübeckische Blätter. 1957 (117)

der Romantiker. Zwar überzeugt Kaltenmosers schlichter Wem ist mit dieser Ausstellung gedient ? Dem Künstler, Realismus., doch ist der Ausdruck, besonders bei Sandhaas, der Besseres geschaffen hat, sicher am allerwenigsten! 1 aufgesetzt und unverbindlich M bleiben „„ Studien’. Es ist gut. sich zum Schluß eines Wortes von Barlach zu Zusammenfassend dürfen wir feststellen, daß diese Aus- erinnern: stellung, obwohl die Grenzgebiete des Klassizismus, der „Es gibt eine gespickte und gepolsterte Wirklichkeit und Spätromantik und des Biedermeier allzu breit vertreten eine andere, sozusagen abgeschabte, unansehnliche, der als sind, in ihrem Kern Meisterwerke zeigt, die mit zum Besten einziger Pomp und Pathos Selbstverständlichkeit und gehören, was in Deutschland gezeichnet wurde. Aber auch Notwendigkeit wortlos innewohnt. Ihr, die ihr die Dinge unter den übrigen Blättern wird man Liebenswertes und uauspolstert, wißt nichts von dem Adel der Einfachheit, ihr Schönes entdecken, was die Fülle dann wieder vergessen setzt der Wirklichkeit solange zu, bis sie die Backen auf- läßt, so daß die Ausstellung sicher als künstlerisches bläst und in Trompetenstößen Laut gibt.“ Ereignis im Gedächtnis bleiben wird. P. Kleinschmidt Eschenburgpark und Musikakademie : Stadthallen-Studio: Werner Luft und Gerhard Prof. Fritz Behn. Ausborn. Obwohl durch nachdrückliche Äußerungen in der Tages- Der als Kunstschriftsteller bekannte Dr. Werner Luft presse der Fachkritik in der Diskussion um die Plastiken zeigt uns eine Kollektion skurriler Federspiele. Ausgehend von Prof. Behn quasi das Wort entzogen wurde, um end. von der Motorik des Handgelenks und dem spröden, lich das „gesunde Volksempfinden“’ sprechen zu lassen, splitterigen Strich der Rohrfeder, an den Expressionismus erlauben wir uns einige Anmerkungen. in Herward Waldens Sturm erinnernd, entwickelt Luft aus Der Künstler ist mit einer stattlichen Anzahl von graphischen Strukturen eine teils groteske, teils nur kari- Werken in unserer Stadt vertreten, von denen einige durch katurhafte Schemenwelt, die in den besten Beispielen durch ihre saubere Handwerklichkeit und schlichte Haltung dzrugespitzten intellektuellen Witz und temperamentrvolle Freunde gefunden haben. So überzeugen in dieser Aus. Handschrift besticht und belustigt. stellung eben solche Arbeiten, die, wie die Kleinbronzen, Jedoch ermüdet die Gleichartigkeit der Strichführung entstanden zwischen 1910 und 1920, und einige Porträts und der Dynamik vieler Blätter. Auch fehlt es häufig an der letzten Jahre (Pius XII., Maugham, Spengler), in ein. formaler Spannung, und die erfundene Schemenwelt ist in facher Anlehnung an die Natur eine klare plastische Kon. einem konventionellen NMlusionsraum angesiedet, der sich zeption und eine Vertiefung in das Wesen der Modelle nicht recht mit dem Figurativen zur Einheit schließt. Farbe erkennen lassen. Hier handelt es sich um solide Arbeit auf oder Spritztechnik sind außerdem Zutaten, die der schla- dem gesicherten Grunde der Tradition. Niemand wird genden graphischen Wirkung nur abträglich sind. Der diese Qualitäten verkennen. Wortwitz der Titel fesselt häufig mehr als der damit ge- Leider sind solche Werke durchaus in der Minderzahl. meinte Formwvitz. L Der Gesamteindruck, besonders der größeren Tierplastiken Sicher wäre es für den Künstler gut, sich einmal von im Park, wird dagegen von naturalistischer Kleinlichkeit anderem Iaterial zu anderer Dynamik und damit auch zu einerseits und leerer, pseudo-expressiver Arabeske anderer. neuen Formen anregen zu lassen. ö seits bestimmt. Als typische Beispiele mögen hier ein Ebenfalls aus den Gegebenheiten des allerdings sehr Gorilla und der gelbe Zementguß einer Antilope stehen. andersartigen Materials entwickelt sind die zartfarbigen Bei vielen anderen Werken finden wir eine Koppelung von gegenstandslosen Aquarelle des jungen Gerhard Ausborn. Naturalismus und ornamentalem Schwung. Natur und Jedoch bleibt ihre Wirkung ganz im Bereich von Artistik angestrengter Stilwille wollen aber nie zu einer Einheit und Ästhetik. Nicht abzusprechen ist diesen Blättern ein verschmelzen. Die Themen scheinen nicht aus plastischer starkes Gefühl für Flächenspannung und imaginärer Vorstellung geboren, sondern wirken illustrativ (Wildeber, Räumlichkeit, jedoch führen einige Blätter zur völligen spielender Panther u. a.). So kommt der Bildhauer kaum Auflösung des Bildbegriffs und hinterlassen nur die Er- zu einer raumgestaltenden Lösung, die schon vom Grund. innerung an einen aparten Reiz. Jeder Elan, der einst von riß der Figur abzulesen wäre, sondern alle forcierte Dyna- der gegenstandslosen Malerei ausging, fehlt. Statt dessen mik bleibt in der Fläche, womit eines der „seit Jahr. finden wir edles Kunstgewerbe. : tausenden gültigen Hauptgesetze‘’, wie der Künstler selbst Wesentlich stärker berühren Ausborns Farbsechnitte in seiner Eröffnungsrede sagte, nicht erfüllt ist. (Holz und Linol), die bei dichterer Struktur und konzen- Ein besonderes, zweifellos wichtiges und immer wieder ktriertem Bau wirklich neue Bereiche erschließen. Farbiger umkämpftes Problem ist das der farbigen Plastik. Klinger Bildraum und stempelartige Zeichen sind in Beziehungen und andere Künstler scheiterten daran. Wahrscheinlich gesetzt, die suggestiv wirken. Auch ist Ausborns Form- fehlt es unserer Zeit an der notwendigen Unmittelbarkeit vorrat hier ungleich viel reichhaltiger als in den Aquarellen. und Naivität, wie andere Epochen und Kulturen sie hatten. [vt hiztsr sinigos Yotizztuites. o l.. set z:: i i inen rea- ozentenklasse a; . ? . eben. r 22. q sich bleiben, kann die Stärke dieser Arbeiten kaum beein- der Rezensent bei farbigen Köpfen der Assoziation des trächtigen. Scharfrichterschwertes nicht entziehen, abgesehen davon, Mulik daß alle etwa vorhandenen plastischen Werte hier von der Theater und Mu Farbe eingeebnet werden. Bei unrealistischen Themen Til] Eulenspiegel in Mölln wie der ,„„Schmerzensmutter“ und dem ,Kruzifixus“’ ist ; heint, sind am alten Markt- cCc$U [SS E G c tc co 1.3. 2 : athos dieser Figuren dadurch noch peinlicher wird. pla:z J. quest tiste für die Zuschauer wieder be- Tritt man aus diesem Raum zurück in den Park, s0 schaffenen Platz, die Gerüste für o icht aber wollten wir erfreut eine große ,. Schreitende‘’ durch die oben ange- seitigt. Auk einen nachträglichen eric! ZsUhes vir ü ät. wt i . nicht verzichten, zumal da sich um das Festspiel eine le [tm Lz s; hren d j tur.! rr. hats Diskussion entwickelt hat und sogar der Staatsan- siknliche Bogenschütze‘ das für den Geschmack Ertrüg. "rt t ru u. sein Stück so aufgebaut, dal er eeInc . E Y menschliche Gegenwelt zur Natur, auch wenn sie sioh der mit clem f: Tode. Gegen eine solche lockere Naturformen bedient. Es ist stillos, beide Bereiche zu ver- ziemlich yur.tiriertsn D'ode. § w . LN car zich mischen. Rin naturalistischer Gorilla unterm Baum ist Folge von Bildern ist bei seinem solchen ! ipio! V sckl|; S :. iehts einzuwenden. Leider aber sind die einzelnen Szenen grechröektieh. sbonso wie ein aus dom Buschwerk herer, '§P 7u lang godehnt, unc es mangelt ihnen n dor inneren gepflegten Park. Bei der ins Wasser watschelnden Ente Spannung, zst ds: itmectath der Hrots Vertu you ron [t iet dure h die Aufstellung das Niveau der ster: t)! Lu! werden. Dabei erzählt Til] ausführlieh & 165
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