Full text: Lübeckische Blätter. 1957 (117)

an diese Stunde improvisierte Professor Köhler gewandt erkennung der imponierenden technischen Leistung Be- auf der Kemper-Orgel, derweilen die Gäste zur „Geist. denken gegen ein Werk, das uns allzu stark an einer für lichen Chormusik“ schritten, die Thea Schmidt mit unsere nördliche Kulturzone nicht mehr erweckbaren ihrem Musikkreis in der Vorhalle des Heiligen-Geist. Gregorianik orientiert schien – es war je länger je mehr Hospitals zu Ehren von Dufay (Teile aus der Messe ,„Se la für den Zuhörer eine Zumutung, dem ständigen Fluß einer face ay pale‘) und Pepping (Komm Gott, Tröster“ und (vom ,„„Chor der Apostel“ zudem noch aus zünktig mittel- der 100. Psalm) veranstaltete, oder nach Travemünde ualterlichem Missale intonierten) Psalmodie zu folgen, deren fuhren zur Chor- und Orgelmusik, die Luise Lahrs, überlange, der Bibel entnommene Texte in ihrem beson- die rührige Organistin der St.-Lorenz-Kirche, mit dem deren Sinngefüge sich so doch nicht erfassen ließen. Die Kirchenchor und Instrumentalisten durchführte. Dort auch für die künstlerische Entwicklung gültige Erkenntnis, hörten sie die innige Chorkantate ,,Die Zeit meines Ab daß historische Prozesse irreversibel sind, daß Mittel- schieds ist vorhanden’ von Bruhns, Buxtehudes Präludium alterliches nicht darum modern und original wirkt, weil es und Fuge fis.moll und die Bach-Kantate (Nr. 93) „Wer bei den meisten in Vergessenheit geriet, schien hier nicht nur den lieben Gott läßt walten‘’. in einer sorgsam sor. genügend Raum zu haben. Zudem legte sich zumindest bereiteten Wiedergabe. die Frage nahe, wie es um das Verhältnis der geschickt Des öfteren ist von Solisten und leitenden Persönlich- hineinkomponierten machtvollen Architektur von St. keiten des Buxtehudefestes die Rede gewesen. Nicht am dWarien und die künstlerische Substanz des Werkes selbst Rande, sondern mit Dank und hoher Anerkennung sei nun bestellt, soi. Als Beitrag zu einem Fest, das dem Gedenken der namentlich nicht alle zu nennenden Mitwirkenden ger dan einen protestantischen Kirchenmusiker galt, war diese dacht. Sie haben durch ihren Idealismus bestens der Sache Uraufführung immerhin ungewöhnlich. f. ganz besonders die Chöre. Ihrer uneigennützigen In einer Orgelstunde in St. Marien bot der Kopenhagener reitschaft ist es zu danken, daß das Vokalwerk Buxts- Organist Finn Viderö am letzten Tage Einblick in das viel- hudes in beträchtlichem Umfange ausgebreitet werden estaltige, formenreiche Orgelschaffen Buxtehudes mit, konnte. Brälucien und Fugen, Choralbearbeitungen, einer Choral. Die Länge des Berichts über die ersten Tage des Buxte- fantasie, Canzona, Canzonetta, Toccata und Passacaglio hudefestes mag in dessen Einmaligkeit dieses Festes sein» d-moll. + In zwei Chormusikveranstaltungen traten dann Erklärung finden. Es ist, verständlich, daß dadurch die zum Abschluß des Buxtehudefestes die Lübecker Knaben- anderen Veranstaltungen etwas in den Hintergrund ge. kantorei unter Georg Goebel und wiederum Bruno Grus- rückt worden sind, was gar nichts mit deren Bewertung nicks Sing- und Spielkreis hervor. Zu beiden Konzerten in zu tun hat. St. Jakobi trug Johannes Brenneke an der kleinen Orgel Zum Abschluß möge eine Wurdignng des 8. Sinfonie. Werke von Buxtehude, Bruhns, Böhm und Bach bei. Dis konzerts Platz finden, mit dem Christo ph von Doh. Kantorei hatte mit Buxtehudes Kantate „Nun danket alle nanyi die Abonnementskonzerte des städtischen Orche- Gott“’ und Bachs ,Erschallet, ihr Lieder‘ zwei Werke sters beendete. Mit ihm hatte der Generalmusikdirektor vorbereitet, in denen die natürliche Frische und der herbs den erwarteten Durchbruch zur Moderne vollzogen, und Klang der Knabenstimmen unter der energischen Leitung zwar so kompromißlos, daß man überrascht war: mit Georg Goebels zu freier Entfaltung kamen; mit stilge- einem der Zwölftonmusik verbundenen Werk von Hans- rechten solistischen Leistungen fügte sich das Vokalquartett Werner Henze, den ,, Quattro poemi“ (1955), einem (Lisa Schwarzweller - Sopran, Olga-Ilonka Jontsch - Alt, von kraftvoller Musikalität durchströmten, dicht ge. Günther Pods - Tenor und Henneke Gülzow - Baß) dem arbeiteten Opus, das dem Orchester (und Hörer) unge. gut durchgefeilten Ganzen ein. wohnte und ungewöhnlich schwierige Aufgaben stellte. Abschluß und zugleich doch Höhepunkt dieser inhalts- Mit Schumanns Klavierkonzert a-moll, von Erik reichen Tage bildete Grusnicks Abendmusik, in der nach Then Berg (München) ohne markante Profilierung dar. den Buxtehude-Kantaten ,,Gott hilf mir“ und „Nimm von geboten, und Tschaikowskys 6. Sinfonie h-moll uns Herr, du treuer Gott“’, deren ausdrucksvoller, durch- (Pathétique) betrat man dann wieder altbekannten Boden. sreelter Ernst von den durchsichtig, gelöst musizierenden Besonders in dem letzten Werk, in dem Todesahnungen Chören, Solisten und Instrumentisten vorzüglich getroffen des Komponisten hörbar werden, in dem aber auch das wurde, innerlich alles auf das festlich-erhabene Magniticat Lebensblut des Slawen kraftvoll pulsiert, konnten sich Bachs hindrängte. In den ausgezeichneten Solisten Dirigent und Orchestergruppen günstig entfalten. Rin Ingeborg Reichelt (Sopran) Lotte Wolf.Matthäus (Mezzo- schöner Abschluß des qualitativ nicht ganz einheitlichen sopran), Ursula Boese (Alt), Johannes Veyerabend (Tenor), Konzerts und damit der Saison. Erich Wenk (Baß) und Ernst Max Lühr (Baß) hatte Bruno G. Goebel Grusnick verläßliche Kräfte gewonnen; ihm als dem inspirierenden Leiter und Initiator des Buxtehudefestes gebührt unser aller Dank und ungeteilte Anerkennung. Buxtehudetest in Lühbeek Dr. Klaus Matthias (Sehlußbericht) Der Abend des vorletzten der Buxtehudetage brachte in ss kegehuen. .or At nf Fro; Ein stüet t St. Marien eine Uraufführung des Chorwerkes „„Die Go- L C PIC c keote nech com g meinschaft der Heiligen“ von Walter Krakst, eines Werkes, B ; das mit hohem Anspruch vor den Hörer trat, zunächst. Dramatisierungen epischer Werke behalten wohl immer seiner geistigen Haltung nach, dann aber auch wegen etwas Zwitterartiges, mögen sie auch noch so bülmenwirk- seiner extremen technischen Anforderungen. Die Ver- uam gestaltet sein und bisweilen sogar einen Kassenschlager teilung der vielen Mitwirkenden (24 Solisten, 4 Chöre, 12 abgeben. Angefangen von Hebbels „Nibelungen“ bis zu Bläser, Glocken und Orgel, zu denen die an den Chorälen der jüngsten Bühnenbearheitung von Kafkas ,„Prozeß“ beteiligte Gemeinde noch hinzukam) auf den gowaltigen hat keine einzige von ihnen sich dauernd auf dem Spielplan kerzenerhellten Raum von St. Marien, vom hohen Chor- behaupten können - ein Beweis mehr für die Tatsache, umgang, von Seitenemporen bis hinab zum Altarraum, daß die Vigengesetzlichkeit einer Kunstform sich nicht un- sollte die , Vereinigung der gesamten Christenheit im gestraft aufheben oder verunklären läßt. Hier nun handelt Sinne einer großen Gemeinde + in die himmlische Personen es sich um ein womöglich noch heikleres Unterfangen: um GG cm hen urn ;: 21:5. %[~) ERNI qu gere Frank“ er. war der erste Eindruck von dieser mit technischen Hilfs.. wehrt man sich bei aller teilnehmenden Ergriffenheit nur mitteln ermöglichten kompositorischen Ausnutzung der schwer eines Gefühls der Indiskretion. Diese Aukzeich-: Akustik in st. Marien sehr stark und überfallend (das nungen eines I14jährigen Kindes, das gleich einem ger: rahmenbildende mächtige Alleluia um die Kernstücke der hetzten Freiwild allos Grauen eines jüdischen Hmigranten- „Abkehr“ und „Umkehr“ !). Trotzdem regten sich im Ver. schicksals durchstehen und inmitten einer Gruppe von lauf dieser fast zweistündigen Aufführung bei aller An. ,„,Untergetauchten“’ zwei Kriegsjahre auf dem Hinterboden 150
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