Full text: Lübeckische Blätter. 1957 (117)

wiedergeben, was das Auge erblickt — freilich ein dureh mit Beharrlichkeit und der anspruchsvollen Leistung der und durch künstlerisch empfindendes Auge! beiden ersten Abende fortgesetzt werden, was zugleich der Leider läßt die offensichtlich von Sparsamkeitsrücke MWiederauferstehung des Ansehens Lübecks als einer sichten diktierte Ausstattung . noch manchen Wunsch ,,Stadt der Orgeln“ dienlich wäre. offen. Die Photomontage auf dem Buchdeckel wirkt wenig Johannes Brenneke pflegt auch in diesem Jahre attraktiv, um nicht zu sagen: langweilig; der Einband seine Programme aus dem weiten Umkreis der historisch erweist sich für ein Taschenbuch als zu wenig strapazier. wertvollen europäischen Orgelmusik aufzubauen, ihnen fähig, und auch die Klischees entsprechen keineswegs eine Buntheit der Formen, Geschlossenheit der inneren immer den Anforderungen an moderne Reproduktionen, und äußeren Ordnung zu geben und sie mit dem Glanz und zumal wir das Büchlein doch vor allem in die Hand des der Vielfalt der Farben des kostbaren Jakobiinstruments fremden Besuchers wünschen. auszurüsten, die den Hörer immer wieder entzücken. Mit Auch der Einheimische wird durch den Text auf so der an ihm zu rühmenden verantwortungsbewußten manches Kleinod hingewiesen (kennen Sie z. B. das Ill. musikalischen Sauberkeit und Strenge der Darbietung er- horn-Stift ?), und nicht wenigen werden die Bilder über-. füllte er in seinen ersten Orgelstunden einen schönenDienst, haupt erst ins Bewußtsein heben, wie schön, wie reich an an der Größe und Würde der Werke von Bach, Buxtehude, Kunstschätzen ihre Vaterstadt sei. Möge das Büchlein Böhm und Bruhns. dazu beitragen, diesen Reichtum, der doch für alle da ist, Den 250. Todestag von Buxtehude, zu dessen Gedächtnis recht vielen auch wirklich zum geistigen Besitz werden zu in diesen Tagen das Lübecker Buxtehudefest stattfindet, lassen. Li benutzte Walter Kraft zu einer Gedenkstunde in St. Marien, der eine kurze Gedenkfeier an der Grabstätte Ö M . Buxtehudes im nördlichen Seitenschiff vor der Totentanz- Lübecker Führer, Heft 2 – St. Marien von grgel und eine Ansprache des Hauptpastors von St. Marien, W. Stier. Dr. Lewerenz, eingefügt war. Die künstlerische Persön- In 2. Auflage ist obiges Heft erschienen. Wie bisher ist lichkeit des Organisten Walter Kraft als eines der Virtuo- es für den Besucher der Marienkirche ein so brauchbarer sität und dem Klangkontrast hingegebenen Musikers von Führer, wie das bei dem geringen Umfang des Heftes hohem Rang prägte sich in der Wiedergabe zweier Oha- überhaupt möglich ist. Für die Zuverlässigkeit der An. connen, des Präludiums und der Fuge in fis.moll und gaben bürgt schon die Person des Verfassers. Zeichnungen E-Dur aus. Lisa Schwarzweller verlieh der Feier- und Skizzen verdeutlichen noch den Text. Sicherlich wird stunde mit dem beseelt gesungenen ,Klaglied‘, der das Heftchen auch von vielen Fremden, die unsere Marien- schlicht-innigen Trauermusik Buxtehudes, das Gepräge kirche besichtigen, gern benutzt werden, und später wird es serines würdigen und ergreifenden Totengedenkens, wobei eine gute Stütze der Erinnerung sein. Be die Zahl der Strophen hätte gekürzt werden können. Marienchor und Mitglieder des Lübecker Kammermusik- kreises brachten Buxtehudes Trauermusik für seinen Vater, eine kontrapunktische Studie von hohem Reiz, Veranstaltungen ga Kluge spielte in St. Aegidien ,, Gotische Verband Deutsehe Frauenkultur e. V., Ortsgruppe Lübeck u. 23.6 22 Shogi '. GE N t: Veranstaltungen im Monat Juni 1967 Schlick miteinbezog. Meister, die die Musikwissenschaft Ringeführte Gäste der Renaissance zuordnet. Uns scheint aber diese Frage zu allen Veranstaltungen willkommen unwesentlich zu sein, nachdem Manfred Kluge seine Werkbeispiele von Machaut, Dufay, Obrecht, Schlick Donnerstag, den 13. Juni 1957, um 16.00 Uhr: und Josquin mit einer sie alle stilistisch einheitlich zu- 10. Literarische Arbeitsgemeinschaft „Erna gktammenschließenden Ausdeutung als großartigen Zeit- Frentzel“ ~,,Humor und Witz der Dialekte‘ im gpiegel vor seine Hörer hingestellt und mit den reichen Fürstenhof Travemünde. Abfahrt Hbf. 15.00 Vhr. Mitteln der Scherer-Orgel (1625) in St. Aegidien zu Leben Wanderlustige fahren 13.37 Uhr ab Hbf. Straßen- und kcyryeckt hat. Lisa Schwarzweller erwies sich auch hier Eisenbahnfahrkarten 1,20 DM. als berufene Deuterin der ,„Ars nova‘’, insbesondere der Der Vorstand: Margret Creydt, verhaltenen Expression des bezaubernden ,, Flos florum‘* Lübeck. Gartenstraße 21, Tel. 26782 von Guillaume Dufay, wobei ihr Elisabeth Otte und Günther Hellwig auf Baßgamben stilbeflissen assistierten. Der Besuch des Radio-Sinfonie-Orchesters Ber- lin, des früheren RIAS-Orchesters, gestaltete sich im sheater und unh rs gr t Leun . 2233 hu . 1: Lübecker Konzertspiegel UU CLI UI Z U. Mai des exzellenten Orchesters und vor allem auf die Persön- In alljährlichem, dem Kalender angepaßten Turnus lichkeit des Dirigenten Lorin Maazel. Als Siebenund- begannen, von der Gunst der Witterung leider nicht mit gzwanzigjähriger ist er bereits mit einer fast zwanzig- Wohlwollen bedacht, in den zentral gelegenen Lübecker jährigen Dirigentenerfahrung gesegnet und heute von Kirchen die Orgelkonzerte. An ihrer Spitze steht die einem Ruhm umgeben, der dem der ersten Dirigenten der „Stunde der Orgelmusik“ die Johannes Brenneke WMelt nahezu gleichkommt. Wir fanden, daß sich diese in St. Jakobi regelmäßig Ende April oder Anfang Mai ,,Vorausmeldung‘’ in dem Lübecker Konzert vollauf be- beginnt und in wöchentlichem Abstand fortsetzt, bis stätigte. Das von ihm auswendig und ohne Stab dirigierte Walter Kraft sie im Juli als Abendmusiken in St. Marien Programm war an sich schon fesselnd, da es, mit der weiterführt. So war es bisher. Man könnte für die Zukunft kleinen C-Dur-Sinfonie von Mozart (KV. 200) beginnend, eine Einbeziehung von St. Aegidien in diese Regelverr. mit einem Werk des modernen Italieners Petrassi, mit anstaltungen für möglich halten, nachdem dort der junge dessen 4. Konzert für Streichorchester, einer den Geigen: Organist Manfred Kluge das kirehenmusikalische Amt des klang genießerisch ausbreitenden und verherrlichenden Kantors und Organisten übernommen hat und bereits in Musik, bekannt machte, und Gustav Mahlers I. Sinfonie zwei Orgelstunden seine Zuständigkeit dafür mit der Kenn. D-Dur, ein zu Unrecht vergessenes Werk des großen marke einer ausgeprägten künstlerischen Individualität Klangregisseurs und Ekstatikers, zu Gehör brachte. nachgewiesen hat. Der Kreis seiner Hörer war noch klein. Wieviel mehr erst gewann dieses schöne Programm dureh Er dürfte nach Lübecker Erfahrungen zunächst noch klein die spannungsgeladene und überlegene Darstellung bleiben und sich erst nach unbestimmbarer Zeit zu einer Deutung Lorin Maazels und des hervorragenden Gast- erößeren Hörergemeinde weiten. sofern diese Orgelstunden drchesters! | 42
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