Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

Auch Goethe, Bürger, Jean Paul, Shakespeare und Byron Neben den Landschaften zeigen Stilleben ~ auch sio nicht : gaben ihm Anregungen. Unter dem Einfluß der deutschen sachlich arrangiert, sondern poetisch begriffen ~ im klaren, Nic Romantik schrieb er seine berühmten ,„„Balladen und Roman. festen Rhythmus ihrer Gesamtform die offensichtlich an als zen‘ (1821). Unter ihnen betindet sich auch eine Parallele zz Cézanne geschulte Meisterschaft des Künstlers. Mit feinem grra Bürgers „Lenore“. Sein melancholisches Gedicht „Die HEinfühlungsvermögen sind einige Porträtköpfe (besonders das mus Ahnen“ ist eine Ahnenfeier und verwendet den Seelenkult, einprägsame Fischerbildnis) erfaßt. ger wie er im katholischen Polen stellenweise am Tage „Allerseelen“ Es ist, im ganzen gesehen, eine sehr stille, in sich ruhende, [ geübt wird, indem man den Toten Speise und brennende g,,heile‘“ Welt, die uns in diesen Bildern entgegentritt: nicht kon. Lichter auf die Gräber stellt. das dynamische „Werden“, welches das Gesicht unserer zert Von nun an fattert über seiner Poesie das romantische und Gegenwart prägt, sondern ein gleichsam zeitloses, fast schon Tele nationale Band. Sein Kampt für die Freiheit brachte ihn in unwirkliches „Sein’, nicht Aufruhr und Auseinandersetzung. ey Gefahr, so daß er gezwungen war, sein Vaterland auf immer zu sondern sanfte Verzauberung. G. Lindtke bed verlassen. Petersburg, Moskau, Odessa waren Stationen auf Iati seinem Lebenswege. Die gewaltigen Natureindrücke in der Ko Krim reranlaltten ihn zur Abfassung der Krim-Sonette. Von Theater und Musik a Rußland fuhr Mickiewiecz über Italien und Deutschland nach ! J [Ma. Paris, das ihm zur zweiten Heimat wurde. In Berlin stieß ihn Lüheeker Konzertspiegel träg Hegels kalte Logik ab. Auch Goethes erhabene Ruhe wirkte Januar II Sca: abkühlend auf den gefühlvollen Romantiker. : Der Verein der Musikfreunde beging in der zweiten Hälfte c Als im Unabhängigkeitskrieg von 1830/31 Polen der russin ges Januar die 60. Wiederkehr des Tages seiner Gründung. us schen Übermacht erlag, wobei die führenden deutschen Diehter HAnläßlich dieses Jubiläums, das durch das Erscheinen der pu Ü auf der Seite seiner Freiheitskämpfer standen, flüchtete die Hrinnerungsblätter von Otto Anthes akzentuiert wurde, fand Sat: geistige Elite des polnischen Volkes in die Emigration; Mickie. jim Kolosseum ein Festkonzert mit dem Stuttgarter Kam- sive wicz wurde ihr Führer und Tröster. Die dureh einen neuen merorchester unter seinem Leiter, Professor Karl Mün- Ros Teil ergänzten „Ahnen“. wurden das heilige Buch der Ver- cdhinger, statt s triebenen. In der Fremde schrieb er auch „Herr Thaddänus'‘, Im Zeichen. dss „Mozartjahres‘’, besser des 200. Geburts- unc das, wie die „Ilias‘‘ und der „Don Quichote‘, zu den größten tages von Mozart, der ganz in der Nähe lag, hatten die Gäste K Epopöen der Weltliteratur gehört. Rs wird demnächst im guys Württembergs Landeshauptstadt ihr Programm bis aut sche Rowohlt-Verlage in neuer Übersetzung erscheinen, und es ist das einleitende Concerto grosso Nr.6 g-moll von H ändel, gar die letzte bedeutende Schöpfung des Dichters und zugleich der dessen Wiedergabe zwar musikaliseh durchglüht war, stili- Has erste große Roman in polnischer Sprachs. stisch jedoch Ergebnisse der Händelforschung ignorierte, wur Seine nationalistischen Landsleute enttäuschte er dadurch, auf den Salzburger Meister konzentriert und damit wohl ihr tenl daß er Literatur nicht vom polnischen Standpunkte aus las, gchönstes Reisegepäck mitgebracht. Das wurde schon bei der met sondern die slawische Literatur als eine Einheit behandelte, Begleitung des Konzerts für Klavier und Orchester sun wobei er sogar dem russischen Gegner Gerechtigkeit wider. Hs-dur (K.V. 271) sichtbar und hörbar, die dureh die tonlich sein fahren liel. Politisch forderte er die Beseitigung aller Privi- ßkehlanke und dynamisch lebendige, zarte, in einem wohit Fro legien, die durch Geburt und Geld bedingt waren. In seinem tgyenden Kontrast zu der auf großen, etwas derben Klavierton & Denken vereinigt er Vaterlandsliebe und Weltbürgertum. abzielenden Darbietung des Solisten Conrad Hansen stand. kon Anußerlich war er mit seinem weißen Haar und den mäücden Wieviel deutlicher trat die Reife dieses Kammerorchesters für We! freundlichen Augen, aus denen tiefes Leid sprach, eine ge- die Wiedergabe Mozartscher Musik bei dem Divertimento kon winnende Persönlichkeit. Am Abend seines Lebens begann er hP.dur (K.V. 136) in Erscheinung! Klarheit und Glanz des ode: seinem Sohne die polnische Übersetzung ron Goethes „Her- Tons, Beseelung der Melodie, Prägnanz des Ausdrucks und kröt mann und Dorothea‘ zu diktieren. Über dieser Arbeit starb Präzision des Zusammenspiels schufen großartige Eindrücke muse er am 26. November 1855. Im Jahre 1890 wurde er in Wawel, ùund verstärkten die Vorstellung einer Qualitätssteigerung des schr der alten Königsburg zu Krakau, feierlich beigesetzt. Kammerorchesters seit seinem letzten Besuch in Lübeck. Sie sss In der Weltliteratur gilt er als der größte Dichter und Seher gctrhielt ihre weitere Bestätigung in der abschließenden A-dur- 1 slawischer Zungs. Prof. Dr. Georg Willers Sinfonie (K.V. 201), in der man die Durchgeistigung und (K. Beseelung des dargebotenen Klangbildes, den Adel des bac Streichertons und die Geschliffenheit des Zusammenspiels als sent Auslstellungen hohes Kunsterlebnis genoß. Die hinzutretenden Bläser lich Stadthallen-Studio : Otto Niemeyer-Holstein w:: ive ut tmp) tt 14 em orlorevs!s (!! Dem Begriff „Romantik'“ haftet im modernen Sprach- konnten ebenso herzlichen wie stürmischen Dank des roll be- Z. gebrauch leicht etwas von dem abschätzigen Beiklang des setzten Hauses entgegennehmen. U Welt- und Wirklichkeitsfremden, des Schrullig-Verträumten Wenige Tage später gab Monique Haas, auf Einladung Kü oder Sentimentalen an. Wir zögern daher, das Wort mit dem des Vereins der Musikfreunde, im Kolosseum einen Klavier- U Schaffen eines zeitgenössischen Künstlers in Verbindung zu abend, der einen neuen Glanz auf den Jubiliumsmonat; warf. °te bringen - es sei denn, die romantische Grundhaltung paarte Die französische Meisterpianistin vermittelte nicht zuletzt tas sich mit einer so vollendeten malerischen Zucht und Kultur, einen positiven Klangeindruck von dem neuen Steinway- *. wie wir sie in den Bildern von Otto Niemeyer-Holstein erleben. Flügel des Vereins der Musikfreunde, den uns Conrad Hansen qe Gleichrviel, ob es sich um den vollen und breiten Vortrag der schuldig blieb. Das Instrument besitzt vom Baß bis zum IK Gemälde, oder die ganz lichte, fast durchsichtige Farbgebung Diskant einen ausgeglichenen, einheitlich klaren, edlen, herben s der Aquarelle handelt: jeder Pinselstrich ist mit jener Sorg. Ton. Es eröffnet dem Spieler riele Möglichkeiten zu piani- fals und Gewissenhaftigkeit hingesetzt, die zu allen Zeiten stischer Nuancierung, bleibt im hauchzarten Piand klang- schon den wirklichen Künstler von den ,„genialischen‘“ Rampen. schön und zeigt sich auch den Belastungen stärkster Vorte- figuren unterschieden hat. Mäßig im Vormat, enthalten diess klänge (Prokolieff) gewachsen. Unter den elastischen, schwung- Bilder dennoch eine freie Räumlichkeit, die sie eroß und be. voll Tasten schießenden Händen der Monique Haas erwies deutsam erscheinen läßt. sich seine befriedigende Qualität. Besonders in den Landschaften, die sowohl Eindrücke aus Die Tastenkunst von Monique Haas ist fesselnd. In den bild- & der engeren Heimat als auch Reiseimpressionen von südlichen haften Klavierstückehen von Rameau und Couperin ent- Gestaden wiedergeben, steckt immer etwas von einem Lied. gzückte die gestochene Klarheit der stilgerechten Reproduk- Dem ernsten, verhaltenen Balladenton der Gemälde steht das tion, in der Waldsteinsonate von Beethoven (op. 63 seidige Fließen der Aquarelle wie eine frühlingshaft anmutige C-dur) die großartige Sicherheit in der Erhellung der Struktur Melodie gegenüber. Durchaus dem Gegenständlichen ver und der geistigen Substanz (trotz reichlichen Pedalgebrauchs!), pflichtet, begnügt Otto Niemeyer-Holstein sich keineswegs in den Images von Debussy die Hintergründe aufdeckendse mit dem mehr oder minder exakten Abbild der optischen Prägnanz des musikalischen Ausdrucks, des besonderen Organs Wirklichkeit, sondern verwertet die Eindrücke zur Steigernmg der Künstlerin für den style debussyste, und in der von . und Erweiterung seines inneren Bewußtseins. Es kommt ihm clementarer Kraft erfüllten Sonate (Nr. 7) von Prokofieft nieht darauf an (wie Dürer es formuliert hat), ein Stück aus wurde man von der physischen Potenz und der Fähigkeit der der Natur herauszureißen, sondern behutsam in sie hinein- schlanken, liebenswürdigen Französin zur klavieristischen Dar- . zuhorchen, um aus ihr ein Echo des eigenen Gefühls wahr- stellung eines ekstatischem Barbarismus verwundert erfaßt. zunehmen. Thematisch zieht ihn vor allem das Meer an, in # Das Künstlertum der Monique Haas ist von dem ehrlichen dessen weite Unendlichkeit morsche Buhnen als Fragmente Dionst am Werk bestimmt. Es sucht keine Effekte am Vlügel, ; mensohlicher Sehnsucht wie Ohnmacht. hineinragen. um ein Selbstporträt zu geben. Die musikalische und tech-. . .
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