Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

Da sollten wir es als unsere Pflicht ansehen, allo solohe deutschen Sprache gewesen ist, nicht nur weil er einen guten Möglichkeiten immer wieder zu untersuchen, ob sich denn nicht DTeil seiner wertvollen Arbeitskraft der Gemeinnützigen Ge- tloch eine als glaubhaft und annehmbar erweise. Prof. Dr. kellschaft und insbesondere diesen Blättern gewidmet hat. Hermann Heimpel hatte schon am II. Juni 1955 vor dem Gern hätte ich diese Gelegenheit ergriffen, einiges dazu zu Kuratorium ,„Unteilbares Deutschland‘ vor der Illusion ge- sagen, aber in den „Lübecker Nachrichten“ ist das bereits warnt, die Unteilbarkeit unseres Vaterlandes statt bloß als mit so trefflichen Worten geschehen, daß hier nur einiges Forderung für eine geschichtliche Tatsache auszugeben. tiber das Werk selbst gesagt werden soll. Deutschland ist nur dann unteilbar, enn wir es wirklich Hermann Stodte selbst äußert sich in seinem Vorwort über wollen und zur Durchsetzung dieses Willens zu jedem Opfer gjijo Schwierigkeiten, die einer Übersetzung des Nibelungen- bereit sind. . liedes entgegenstehen, wenn diese wirklich das Original so- Ich sehe bewußt davon ab, diese Opferbereitschaft dureh weit ersetzen soll, wie das bei einer Übertragung überhaupt Bedingungen einzuschränken. Früher galt als höchste Opfer- möglich ist. Das heißt: Die Übertragung soll dem Kunstwerk bereitschaft die, das eigene Leben hinzugeben. Diese Bereit- Nibelungenlied wirklich gerecht werden. Es liegt ja die alte schaft erlebten wir nochmal erschütternd im Aufstand der Übersetzung von Simrock vor. Sie kann wohl Studienzwecken Sowjetzonenberölkerung am 17. Juni 1953. Doch lehrte ge. dienen, aber sie zu lesen ist wahrlich kein Genuß. Nun steht rade der Ausgang dieses Aufstandes, daß es für einen Erfolgs dzwar das Mittelhochdeutsche dem Neuhochdeutschen ziemlich heute nicht so sehr auf die Sterbensbereitschaft ankommt als nahe, so daß auch der Nichtphilologe manches verstehen kann, auf die Fähigkeit und Kraft, durch lebendigen Einsatz fried- niemals aber soviel, daß er das Epos wirklich im Original liche Wege für die Wiedervereinigung zu öffnen. lesen könnte. Gerade auf der engen Verwandtschaft des Da erscheinen mir sechs Reden von besonderer Bedeutung, Mittel. und Neuhochdeutschen beruht eine große Schwierig- lie im März 1956 während einer außenpolitischen Woche des keit. Für die meisten Wörter gibt es die entsprechenden neu- Auslandsinstitutes Dortmund zum Thema ,Die Wieder. hochdeutsehen Wörter, aber sie haben ihre Form geändert, vereinigung Deutschland als Aufgabe der Deutschen zud der und Rhythmus und Reim verbieten daher ihre Verwendung. Weltmächt‘“’ gehalten wurden und nunmehr als Broschüre Oft aueh haben sie ihre Bedeutung gewandelt. So kann r. B. (132 8, etwa DM 3,) vom Auslandsinstitut zu beziehen sind. der Diehter des Epos auch die rächende Kriemhild guot Alle Redner, die den verschiedensten Parteien und Geistes.. nennen; denn das bedeutet aueh ,,aus edlem Hause‘ und richtungen angehören, eint ein gewisser Gegensatz zur offi. ;;vornehm erzogen‘, der Übersetzer aber kann die wilde ziellen Ostpolitik mit der Überzeugung, daß zwischen Ost und Rächerin nieht die gute Kriemhild nennen. Dies nur als ein West ein eigener deutscher Weg gefunden werden müsse. Beispiel für viele. Auch die Wortstellung im Mittelhoch- Zn den Redn hö der CDU der frühere Berli deutschen folgt anderen Gesetzen als unser Deutsch. Der zs IC r dier; Prof 3 z : sesli und or. dor SPD Heis Vert gestattet mehr Freiheiten, sigt anch. daß siele Si ben ©icclCccCGlco r N E SO : Dr Hej s us ra Uster. : os he Prof. Dr. Walter. Nibelungenstrophe hohe Anforderungen an das Gefühl des Meder e ur Ö t rs L Gre fss Freien st Ges; Übersetzers kür Klang und Rhythmus stellen. Wer eine Berlin. der V; itenpatet ropa . Brockmällar. bekannt durgts mittelhochdeutsche Dichtung wirklich erneuern, d. h. in ihrem Potter Buck. s treurstsr am Morgen des Atomzeitalters‘’ und Grundbestand erhalten und doch künstlerisch genießbar Dr. Hlei L§ Sakingiclar. Ve; s der. dor DBemakrgtisch machen will, muß nicht nur ein geschulter Philologe sein, er P. :; Jure E sansi k: z rz zor . r. ss O Ìcgen mul auch über dichterische Qualitäten, insbesondere ein Ü: er: s rss m sressan: ! Faun 3 er per ng true hochentwickeltes Gefühl für alle feinen Werte der Sprache ric ns gr Zuse ki per En, F1§ C 1099 Freter yorn! ren qhesitzen. Selbstverständlich ist, daß er auch ein Organ für sq. E sicher enen . SO O tton UM: e ger su! sse den rein stofflichen Inhalt und die inneren Werte der Dich- weder ein einfacher Anschluß an den Westen noch an den tung haben muß. Y Ö Dsten die Lösung bedeuten kann, sondern nur der mutige Diese Gaben nun waren in Hermann Stodte in besonderem Beginn eines eigenen neuen Lsbeas zwischen diesen beiden Wlaße vereinigt, und so war er es, der diese Übersetzung, oder Ef ] sagen wir mit ihm selbst, diese Erneuerung des großen deut- Freisclensh- jeht fü i sioh wid. hende Auf. schen Epos schaffen konnte. Sein Werk ist nieht das Nibe- han; ens g ss tur.uns zr ct uu Fsrrechs nc lungenlied und kann es nicht sein. Zusammenziehungen und .:. Wir können sie tf er, nur erfüllen durch eine guete Fürzungen waren notwendig; sber wie viele große Kunst- Hiaohbarschattlichs Ostpolitik ohns Abksalr voti n werke vergangener Zeiten bedürfen soleher Kürzungen um Meder stellt wissenschaftlich klar, daß es für uns nur die Alter- fror Mirkung äls Kunstwerk villen! + f ti ibt Es nt dio. Militärigeltc:: Bind t Freuen wir uns, daß uns dieses schöne Werk und damit das f re gi. eucoer q u di Mies e Bincung is rss neuhocehdeutsche Nibelungenlied wieder geschenkt ist, und p. fs R Tees N qcer:0 . h J Erroremign Vs. t " danken wir dafür dem Manne, der es in unermüdlicher Arbeit P züs Sh r zt eregws Xe! Sen rur n gerte E: in voller Hingabe an seine große Aufgabe geschaffen hat. Be oder östlichem Vorzeichen oder aber als etwas Drittes möglich, das wir — vorbereitend — uns zu erarbeiten suchen müßten. Unt ier A it Napol ~–Denkwärdigkeiten Heinemann schildert die „Dritte Kraft‘‘ als Weg zur deutschen ? grrter . gen m rapo gon. T f re u. K:::Ff; Wiederrereinigung, wobei er besonders Nehru als Vorbild Koehler Verlag Stuttgart, 400 S., L. DM 17.50 hinstellt. Brockmüller stellt den heutigen west-östlichen Ge- gensatz dem im Mittelalter herrschenden Prinzip der Einheit Diese in nener, erweiterter Ausgabe mit acht Kunstdruek- gegenüber. Individualistisches und kollektivistisches Men- tafeln erschienenen Erinnerungen des Großstallmeisters Napo- schenbild entspringen nach ihm derselben Wurzel und können leons gehören ohne Zweifel zu den historisch wichtigen Memoi- beide erst durch den Begriff der gemeinschaftsverpflichteten renwerken. Caulaincourt hat auch in den schlimmsten und Person überwunden werden. Schneider schließlich zeigt, das mit Arbeit und unerhörter Verantwortung überlasteten Tagen Jie Saar frei wurde nur durch ihr unbekümmert-mutiges mit bewunderungswürdiger Beharrlichkeit seine Aufzeichnun- Deutscehtumsbekenntnis, vor dem alle kläügelnden Bedenken gen über die Gespräche mit Napoleon immer sofort, solange versiummen müssen: Erst über Gesamtdeutsohland führt der die Erinnerung noch frisch und ungetrübt war, gemacht. Der Weg zu Europa! Hans Wittmack Sechönfärberei ist er unter keinen Umständen zu zeihen, da er bei aller Bewunderung für die Größe des Kaisers sein ausge- sprochener Gegner war, auch seinem Herrn gegenüber nie Büchertifch U uu Ur u . tore ws Kopf gewesen. Sein Amt brachte es mit sich, daß er fast immer Das Nibelungenlied. Nach dem Urtext erneuert von zur engsten Umgebung des Kaisers gehört hat, darüber hinaus Hermann Stodte. 2. Auflage. W. Kohlhammer ueitweise überhaupt der einzige Zeuge höchst bedeutungs- Verlag. 307.8. Gre voller Zeitpunkte im Leben des Kaisers gewesen ist. Das gilt insbesondere für die berühmte Schlittenfahrt Napoleons nach Hermann Stodtes Übersetzung des Nibelungenliedes ist in oder vielmehr während der Katastrophe in Rußland im Jahre 2. Auflage erschienen. Ich zeige das mit besonderer Freude. 1812. Wiehtig für die Beurteilung Napoleons ist es, daß Cau- an, nieht nur, weil der 1939 verstorbene Verfasser mir dienst- laincourt offenbar keinen Augenblick daran gezweifelt hat, lich und persönlich besonders nahegestanden hat, nicht nur daß der Entschluß Napoleons, sein Heer zu verlassen, unbe- weil er ein wahrer Schulmeister und zugleich ein Meister der dingt richtig gewesen ist. Auch der mißeliickte Selbstmord- )52
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.