Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

iu; Sachs und Ellen Lasner. Kennzeichnend für die ganze Auf. DDichterpreis der Bayrischen Akademie der Schönen Künste als Zu kührung war es, daß in der Anwendung darstellerischer solchen auffassen soll, aber sowohl die wenig geschmackvolle fen Mittel immer genau das richtige Maß gehalten wurde. Sicher. Auswahl des Gedichts als auch zwei Unterstreichungen deu- en; lich ist das allen Mitwirkenden zu danken; aber auch die teten darauf hin, daß man den Autor damit kompromittieren 1gt glückliche Hand des Spielleiters Friedrich Rieck war hier zz wollte. Sind wir schon wieder soweit, daß wir eine echte fer spüren. Der Beifall für Diehter und Darsteller war stark, und künstlerische Aussage als „entartete Kunst“ anprangern, bloß in. das mit Recht; es war ein gutes Stück, und es war eine der weil sie in unseren Schönheits- und Weltanschauungskodex h, besten Aufführungen, die die Niederdeutsche Bühne ihren nicht hineinpaßt ? Um Freunden geboten hat. Leider waren sie nicht so zahlreich . . § erschienen wie sonst. Be OPrank Thieß im ,,Lübecker Podium'ét f! Günter Rich im „Lübecker Podium“ u E fm Günter Eich, dem anspruchsvollen Rundfunkhörer als Saal der Kammerspiele. Viele Einlaßbegehrende hatten sogar us Autor einer Anzahl bedeutender Hörspiele bekannt, stellte umkehren müssen. Unter herzlichem Beifall trat der stattliche, les sieh im „Lübecker Podium“ einem großen Zuhörerkreis vor. gepflegte und in seinen Bewegungen so gewinnende Sechsund- len Im Mittelpunkt der Lesung stand sein Hörspiel „Jussuf der sechzigjährige an das Vortragspult. mt Tiger‘: Ein Mann erzählt seiner jungen Frau von seiner Frank Thieß las aus seinem großen historischen Roman Iz krüheren Existenz als Tiger Jussuf. Der Tiger wird sich seiner „Reich der Dämonen“ das Kapitel „Totentanz“, aus dem 1an Tigerhaftigkeit bewußt, frißt den Dompteur auf und flieht in Gesellschaftsroman „„Die Straßen des Labyrinths“ das Kapitel las die Stadt. Bei der großen Verwirrung, die er dort anrichtet,. „Nachtwache“. Diese Romanteile sind + so erläuterte der len kommt es zur Begegnung mit einzelnen Menschen und zu einer Dichter in einer kurzen Einführung , stofflich gesehen. größte en, Anzahl obskurer Verwandlungen. Sie vollziehen sich in der Gegensätze, aber sie sind verbunden durch das gleiche Thema: ; Öberwirklichkeit. Die Hörer hatten Mühe, dieser Lesung zu die Unzerstörbarkeit der Liebe. Ein würdiges Thema für den ich folgen, weil es sich um ein nicht immer durchschaubares Volkstrauertag, an dem die Lesung stattfand! surrealistisches Spiel handelte und weil der Autor selbst Im , Totentanz“), der die Christenverfolgung Diokletians dar- der weder die Stimmen differenzierte noch Akzente setzte. Das stellt und deutet, siegt die Tapferkeit des Leidens über die mt Publikum reagierte deshalb mehr auf den Humor, der dem scheinbar unüberwindliche Macht des Staates, über den .. Stück innewohnt, als auf die hintergründig gestaltete Hand- „kalten Haß“ eines Despoten. Das Wunder des waffenlosen m- lung. Sieges der Christen wächst als Frucht unzerstörbaren Leidens . Weit besser kamen die Gedichte an, von denen die Jussuf. und Liebens, hinter dem die Idee einer höheren sittlichen ein Lesung eingerahmt wurde. Günter Eich sagt selbst, daß er OUrdnnng sichtbar wird. Die Christen stellen die Freiheit des o- Gedichte schreibe, um sich in der Wirklichkeit zu orientieren. Gewissens und ihr Bekenntnis zu Christus über die totale em Er betrachte sie als „trigonometrische Punkte oder als Bojen, Unterwerfung unter staatliche Gebote. Der „Gottkaiser“ hr, Jie in einer unbekannten Fläche den Kurs markieren“. So be: scheitert. Er erzeugt den unendlichen Ekel sogar bei den tt Frritt qr in. seinsn Gocichton dio Fragwürdigkeit der Weit yd prouron, Urin crläbt hm Jahrs 3 E s or Ptürrzege t Schichserersleitsit § ure. ca ture der Christen, deren Glaube dem neuen Jahrtausend m die Gedichtanfänge aus (,„Ieh beneide sie alle, die vergessen den Stempel aufdrückt. So vollziehen sich zuweilen historische at- können ...“, „Denke daran, daß der Mensch des Menschen Wenden, die aller Kausalität zu widersprechen scheinen. au- Feind ist ...“). In den „Botschaften des Regens“ jedoch Die Lesung beeindruckte nicht nur dadurch, daß die Sprache scheint der Nullpunkt überwunden zu sein. Besonders be- dem Gegenstand im höchsten Grade angemessen war, sondern on- eindruckte daher das Gedicht „Die Arnimschen Gräber in vor allem durch die Gegenwartsbezogenheit. G be- Wiepersdorf‘’, in dem etwas von der anderen Welt, von Gott Auch die „Nachtwache“ macht den Gegensatz Liebe–Haß und Unsterblichkeit anklingt. transparent. An dem Auge des Sohnes, der am Sterbebett Mit freundlichem Beifall dankten die Zuhörer dem Autor. seiner Mutter wacht, zieht das Leben dieser Frau vorüber. Auch [ua Am Rande sei noch folgendes vermerkt: Am Eingang der ihr stand die Welt des Hasses gegenüber, während ihr irdisches Kammerspiele H in dem schönen neuen und akustisch ver. Dasein sieh in der Liebe erfüllte. ; Diese Liebe kann auch der 1de besserten Saale las der Dichter ~+ verteilten zwei J ugendliche Tod nicht zerstören. Frank Thieß zeichnete das Bild der alt Handzettel, auf denen ein Gedicht Günter Eichs abgedruckt UWarutter, als wäre es seine eigene, s0 behutsam, innig, verstehend. Jar war. Zwar hatte sich der anonyme Herausgeber jedes Kom- Dem Dichter wurde überaus herzlicher Dank zztes. . L pt mentars enthalten. wenn man nicht den Hinweis auf den ü ceke in len 'L6- ven nst " SESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUÜTZIGER TATIGKEIT fls: E U G § 5 K11K 17 89 F ER N R U F NR. 2 2391 sch »Ck es . [” Theaterring : mi Femißeuhitts . q9 Uke Königstr. 5, I. bz Anrecht IL Montag, den 26. November 1956. Kammerspiele, Sprechstunden: mittwochs 11.0012: j B f. . „Das Glas Wasser“’, Lustspiel von A. E. Scribe. (Telefon 22391) . Frau Brinkmann 63569 ! (Verlegung erfolgt wegen Erkrankung des Herrn Neue Teletonnnmmorn : Frau Zimmermann 43270 cht Anrecht I 15% 3. Dezember 1956, Kammerspiele, Müttersenule be- „Elektra“ von Jean Giraudoux . Sprechstunden : Dienstags und freitags 10.00-12.00 Ulr ich Anrecht Il Montag, den 10. Dezember 1956, Kammerspiele, ; mittwochs 18.00-19.00 Uhr auf „Elektra“ von Jean Giraudoux Dr.-Julius-Leber-Straße 49. Telefon 26341. der Es stehen für alle Aufführungen einige Karten zum Verkauf Erziehungsberatung ; N ar- zur Verfügung. im Hause der „Lübecker Mütterschule‘, Dr.-Julius- t: EZ Leber Stralzo 49. Teiskon 2654;; 10.00-12.00 Uhr s§ Sonntag, den 9. Dezember 1956, 11.15 Uhr, „Camera“ mittwochs 16.00-18.00 Uhr "er- (Kolosseum): „Träumerei“. < § Büro l'eil Das Leben Robert Schumanns. Wir zeigen den Film an- _ S u]ich von 9.00 his 13.00 Vhr. Fernruf 22391. err läßlich der 100jährigen Wiederkehr seines Todestages im Hess: u8 Ilschaft: Spar- und Anleihe-Kasse zu Lübeck 1er, Juli 1956. Konten der Gesellsc [. tpk. Hamburg 1 15682. ths Zusätzliche Karten sind zu haben. (Konto-Nr. 1). Vosts I43
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