Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

reines elegischen Linienflusses bedarf es, um Verinnerlichung und Beseeltheit auszu- drücken; wie bei einer Ode von Hölderlin birgt die festgefügte, „eherne“ Form die Tiefe des Gefühls. In der „Badenden“ wie in der „Rückblickenden“’ finden wir die Strenge des tektoni- schen Aufbaus nun wieder ins Anmutige gemildert: in einen ruhigen Fluß der Mas- sen, eine lebensvolle Schwellung der einzelnen Körperglieder es sind die letzten Früchte jener glücklichen und reichen Pariser Jahre. Es folgt die Zeit des. Weltkrieges, die Rückkehr nach Deutschland - und für den Künstler ein jäher Absturz aus seinem Höhenflug, ein Erlahmen, Sich-wieder-Auf- raffen und ein verzweiflungsvolles Suchen nach neuen Aussageformen. Geradezu ein Symbol für den Zusammenbruch der eigenen, wie der Menschheitshoffnungen ist die ergreifende, ganz unpathetische Figur des „Gestürzten“. In raumgreifender Wölbung des Rückens, die Glieder wie Verspannungen dünner Streben, sucht der Gestürzte vergebens sich anzustemmen gegen ein Schicksal, dem er doch nicht zu entrinnen vermag. Vornehmlich in diesen Berliner und Züricher Jahren entsteht die Reihe der Porträt- köpfe, die ohne zu psychologisieren, Seelisches bewahren, nicht preisgeben und im Bildnishaften immer noch der großen, überpersönlichen Form verpflichtet blciden. Nach wie vor entstehen auch Gemälde, die meist den Charakter flüchtig andeutender Untermalungen haben und fast wie Meditationsübungen wirken, dem Geist von Marées verwandt + dazu unzählige Zeichnungen und Skizzen, Einfälle und Bild- vorstellungen in hastiger Niederschrift festhaltend, sowie Radierungen, in welchen er seiner Hinneigung zur ausdrucksvoll bewegten, „schönen“! (bisweilen ins Orna- mentale abgleitenden) Linie ungehindert nachgeben kann. Die Plastiken der letzten Jahre erreichen ein Außerstes an Vergeistigung, freilich auf Kosten der durchgestalteten Form. An ihnen läßt sich ablesen, wie eine heroische Willensanstrengung zu erzwingen versucht, was die schöpferische Kraft mehr und mehr verweigert. se Da ist der „Kopf eines Denkers‘“, Fortführung und Übersteigerung der bereits im rs Haupt des „Emporsteigenden Jünglings‘’ vorgebildeten Sich-Zergrübelns einer ins ie Rizsenhafte deformierten Stirn + steingewordener Intellekt. Daneben, gleich ks einem gellenden Aufschrei, die extatisch aufsteigende Schräge eines weiblichen Torso. Knapp und ernst, mit verschwimmendem Umriß, gleichsam gesichtslos, pn die innig aneinandergeschmiegten „Liebenden Köpfe‘), deren einer beim anderen n- Zuflucht sucht. Das alte Thema „Mutter und Kind‘ findet nun seine endgültige ne Fassung, die fern jedem Naturalismus das Unsagbare des mystischen Ineinanders re zweier Wesen beschwört. Der strenge, an ägyptische Skulptur erinnernde Aufbau gr. der „Betenden‘“’ aber vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, daß die lebendige er Vestaltungskraft hier an einer Grenze angelangt sei. Finnende (1913/14) m Die späteste Großplastik, der „Sitzende Jüngling“), soll dem Schmerz um die gefal- er lenen Freunde Ausdruck geben. Auch sie ist in einem tieferen Sinne ein Selbstporträt in des verzweiflungsvoll erschöpften, ausgeleerten Künstlers. Schwer lastet der jochartige Bogen der Schultern, alle Höhentendenz ts niederzwingend. Zerstückelt ist der Kontur, in ein wirres, richtungsloses Gestänge verwandelt die sonst so bestimmte Klarheit der N, Gliedmaßen. Die Form ist nicht mehr entmaterialisiert, sondern entkräftet + übrig bleibt nur die erstarrte Ausdrucksgebärde. ks sk en Es in .; 'ie 1~ :N> ch de 18> rn ler re- te :m ht in ty ck n. Der Garten mit der „Badenden“ (1914) und dem ., Sitzenden Jüngling“ (1918)
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