Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

alle völlig erschöpft sein werden. Meine Arbeit macht Das ermöglicht ein enormer Stab von Schülerinnen, Tri mich zur Zeit besonders glücklieh, denn ich vertrete die wirklich gut sind. Die Schule ist ausgezeichnet und Ma die Säuglingsschwester, die Urlaub hat. Erst im vielseitig, zur Zeit geht die Ausbildung nach dem kön August werde ich ganz auf dieser Station bleiben. Kxamen an NVachschulen weiter: Labor, Röntgen, hie können. Da ich ja nun nach Ablauf eines Jahres schon Apothele + alles mit Schwestern besetzt ! P11 im Dezember fortmüßte, würde ich nur noch ein Die Gehälter sind unseren angeglichen. Eine liel Vierteljahr dort tätig sein können, und darum möchte Schwester mit meinen Dienstjahren hat ein Gehalt mö ich Sie bitten, noch ein weiteres Vierteljahr hier-, von 1100 8. Davon werden 300 S abgezogen, weil f;! bleiben zu dürfen. Auéh mit der Heimreise würde es Wohnung und Verpflegung zur Hälfte von der Schwo: ] besser passen, denn da man etwa dreiviertel Jahr vor ster selbst bezahlt werden. Mein erstes Gehalt waren wu der Heimreise buchen soll, ist es jetzt schon etwas knapp 600 8 (zwei Paar Schuhe) bares Geld. Im Ur- ger sPät. Vielleicht würde ich mit diesem Wunsch nicht. laub gibt es nur das Verpflegungsgeld, 8 S pro Tag. ma allzu viele Pläne durchkreuzen ? Ein 13. Monatsgehalt wird zur Hälfte im Sommer, zur sch Am 17. Mai fliege ich mit einer Schwester aus dem Hälfte Weihnachten ausgezahlt. Im allgemeinen ist tor Münchener Mutterhaus nach Japan für vier Wochen. hier alles x-mal teurer als bei uns. Eine Straßenbahn- sch Meine Anschrift bleibt die hiesige, denn in Japan! fahrt hin und zurück macht 3,90 8, eine Karte für die ern haben wir kein Standquartier. : . Ssûtaatsoper 4. Rang 25-30 8, Tagesfahrten in die Ra Ihnen danke ieh für die Versetzung hierher, sie yeitere Umgebung ohne Essen (Semmering, Wachau) va. wird mir fürs ganze Leben viel geben. Es ist nur rich 10-60 s, Gesellschaftsfahrten für drei bis vier Tage Dr tig, nieht zu spät Einblicke in viele menschliche! (Großglockner, Salzburg) mit Übernachtung und Voll- dei Schwächen zu gewinnen .. .~ verpflegung 350450 Ss, !/; Butter 4,40 S. Ich hoffe, die Schwester Gisela: |. rw. ;5M| - ... die ersten drei Wiener Wochen sind vorüber, MWiens ist vor einigen Monaten fertig geworden. es soll h allmählich habe ieh mich in das Neuartige hinein. sphantastisch eingerichtet sein. u Fr gefunden. Ich bin gar nicht so schnell damit fertig ...... die ganze Innenstadt scheint ein einziges scl geworden. Aber alle haben sich Mühe gegeben, mir den Museum zu sein. An jeder Straßenecke steht ein Denk- zen Anfang leicht zu machen. Das Haus selbst hat mir in mal, jedes fünfte Haus erinnert an einen großen Mann, étùh der ersten Zeit Atembeklemmungen gebracht: die und natürlich gibt es Kirchen in allen Stilarten, manch- u! Möbel stammen aus der 1880er Zeit, sie sind sehr mal auch alle Stilarten in einer Kirche! Schlanke SOT hübsch, aber doch muß man sich erst daran gewöhnen. gotische Türme stehen neben prunkvollen Kuppel u Die Fragen der Wohnkultur sind doch anders gelöst bauten. Der Stephansdom hat früher sicher das Stadt- die als bei uns daheim. bild beherrscht. Jetzt verschwindet er etwas, und un In den Patientenzimmern ist alles neuartig und ziemlich unversehens steht man plötzlich davor, oder ger zweckmäßig eingerichtet. Im Operationssaal arbeitet besser gesagt darunter, denn vor diesen gotischen die eine zweite deutsche Austauschschwester. + Erstaun- Gotteshäusern fühlt man sich doch sehr winzig. E!! licherweise habe ich den Eindruck, daß die Wiener gar Auf künstlerischem Gebiet wird hier so viel geboten, da. nicht so gesellig sind, wie man das bei uns annimmt. daß ein halbes Jahr Aufenthalt nicht ausreicht. Das Va Zugänglich werden sie erst, wenn sie „a Viertele: reichhaltige Theaterprogramm, Konzerte, Vorträge n getrunken haben. und dergleichen mehr bieten die Fülle. Bis jetzt bin Mi Im Rudolfinerhaus hier liegen nur 1. und 2. Klasse ich nur einmal im Burgtheater gewesen. Das Stücl Se Patienten, die sich ihre Ärzte mitbringen. Es ist ein war zwar gut besetzt, Paul Hartmann, Käte Dorsch, ja! privates Unternehmen und erhält sich ohne staatliche aber sehr ahstrakt. In Zukunkt werde ich wohl doch A oder städtische Zuschüsse. die bewährten Dichter vorziehen! + Neben den vielen In Neuartig war mir auch das Verhältnis von Patient, alten Bauten stehen aber auch moderne Hochhäuser, fun und Schwester. Der weitaus größte Teil der Kranken und breite Geschäftsstraßen sind entstanden. Beides St, sieht in der wirklich guten Pflege nur eine Art Be- paßt zusammen, ich habe schon oft an unsern Kohl- ge) dienung, die er für sein Geld verlangen kann. Viele markt denken müssen ! ' G nehmen sich nicht einmal die Mühe, sieh die Namen Die außen liegenden Bezirke haben niehts von der leo der Schwestern zu merken. Natürlich gibt es Aus- spruchhaften Schönheit Wiens an sich. Die Straßen de nahmen. Zu diesem unpersönlicherem Verhältnis trägt find eintönig und grau, die Häuser tragen deutliche kü auch die Arbeitseinteilung bei. Hier hat nicht, wie bei Spuren der vergangenen schweren Jahre, die Menschen kal uns, jede Schwester bestimmte Kranke zu versorgen sind im Durchsehnitt noch ärmlich gekleidet, es sieht Se sondern täglich andere, und morgens andere wieder. sus wie in einer polnischen Kleinstadt. Die Bedeutung kü wie abends. Heute verteilt der Medizin, morgen jener. mancher Morte kann ich nur enträtseln, weil ieh Ich kann nach den ersten 14 Tagen + in der letzten polnisch kann. Die ehemalige Donaumonarchie mit alf Woche hatte ich Nachtwache - noch nicht übersehen,| ihren tschechischen, ungarischen und polnischen Unter pri ob das eine althergebrachte Sitte ist oder eine Not- tanen ist unvrerkennhar .... ste wendigkeit. Wir haben hier übrigens jede Woche f" zwei Tage frei. Das ist ein wirkliches Geschenk ! 50 Jahre Erziehungs- und Pflegeheim Vorwerl In Das Rudolfinerhaus hat viel erreicht: Kine Nacht- [u wache beginnt immer am Sonnabendabend und endet Am 30. Juni dieses Jahres kann das Erziehungs Bi am Sonntagmorgen der nächsten Woche. Anschließend und Pflegeheim Vorwerk auf ein 50jähriges Bestehen Fr! sind fünf Tage frei! Kaum zu glauben! Die Stationen purückblicken. Zu einer Zeit, als die großen Kasernen . sind blendend besetzt. Ich’ arbeite auf einer Station] an der Schwartauer Allee noch nicht standen, leuchtete Y mit 25 Betten f mindestens 10 oder 12 Schwestern; der rote Backsteinbau hinüber zur Landstraße. Ab- 1 [Jie Qeburtenstation mit 20 Betten£.14 Schwestern! seits vom lauten Verkehr liegt die Anstalt an der H | 52
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.