Full text: Lübeckische Blätter. 1956 (116)

das einzige Band sei, so gelte es zu zeigen, daß ein daß es helfend und werbend auch auf Ostberlin evangelischer Gottesdienst hier dasselbe sei wie in und Mitteldeutschland ausstrahle. Zugleich sei man Berlin. Er halte hier im Schleswiger Dom dieselbe bemüht, dadurch der befreundeten Welt den Glau- Predigt wie in der Marienkirche in Ostberlin. Dureh ben zu erhalten, daß es Sinn habe, der einge- das Bewußtsein, ein freier Christenmensch zu sein, sei schnürten, von Seen und Wäldern abgeschlossenen man auch frei bei dem äußeren Druck, den eine fremde Großstadt und zumal ihren Kindern zu helfen. Die Macht ausüben könne. Dann verfalle man nicht in den HSehulen Berlins, auch viele von kirchlichen oder pri- verhängnisvollen Pessimismus, daß doch nie etwas aus vaten Trägern unterhaltene, die Universitäten, für die der deutschen Wiedervereinigung werde. Der deutsche man eine eigene freie Rechtsform geschaffen habe, die Osten lerne das Warten auch aufdie Wiedervereinigung. Bibliotheken, die Bühnen, die Orchester usw., alles „Die kleinen Leute Gottes, die um die Freiheit wissen, diene auch zugleich den Ostberlinern. Von den 15000 warten diesen Augenblick ab.“ Im Wissen um ihre Studierenden der beiden Hochschulen kämen 4200 aus Verantwortung bete die evangelische Kirche für die Ostberlin und der Sowjetzone, die Freie Volksbühne Regierungen aller Länder und aller politischen Systeme habe 90000 Mitglieder, 24000 davon aus Ostberlin und in dem Glauben, daß sie es „bald sehr nötig haben zu den Randgebieten der Zone. Hier gelte nicht Befehl wissen, daß ein Kreis von Menschen um ihre Erleuch- oder Verbot, hier fänden sie, was sie drüben entbehr- tung bittet.“ ten, die Möglichkeit persönlicher Wahl und die Luft Merkwürdig war es zu beobachten, wie das Wort der Freiheit. von den ,„kleinen Leuten Gottes“’ bei den Gesprächen Noch einige andere aktuelle Fragen schnitt Prof. des Tages immer wieder aufklang. Tiburtius an, so das Problem der Aufführung Bert Am Nachmittag verstand es dann Prof. Dr. Tibur- Brechts, die er bei aller Anerkennung seiner Bedeu- tius noch einmal in seinem Vortrag „Die Weltstadt als tung für das zeitgenössische Drama in Westberlin als Kulturlandschaft“, die Gedanken und Herzen seiner völlig undiskutabel bezeichnete, weiter die Frage west- großen Zuhörerschaft auf die entscheidenden Zukunfts- deutscher Künstlerbesuche in der Ostzone. Er befür- fragen Berlins zu konzentrieren. Er gab einen um- yvweortete sie im Interesse der Bevölkerung, empfahl fassenden Überblick über alle Gebiete der Westberliner aber strenge politische Zurückhaltung und warnte da- Kulturpflege. Wenn überall dort von einer Landschaft vor, sich für propagandistische Zwecke wie durch Ein- gesprochen werden könne, wo der Mensch allem bau in Rundfunksendungen, milbrauchen zu lassen. Wachstum mit Ehrfurcht begegne, dann dürfe dieser Der Redner schloß seine Ausführungen mit einem Begriff auch auf Berlin in seinem kulturellen Wieder- eindringlichen Appell an die Zuhörer, wo irgend die aufbau angewandt werden. So habe Berlin bei seinen Möglichkeit bestehe, im Sommer ein Berliner Ferien- Bauten eine gewisse Rangfolge entwickelt, erst kind bei sich aufzunehmen und ihm einige Wochen Schulen, dann Theater, erst Krankenhäuser und dann der Erholung in unserm schönen Land zu verschaffen. repräsentative Bauten. Bei allem, was in Berlin geplant Diesen Appell möchte ich auch an unsere Leser und gebaut, was auf kulturellem Gebiet überhaupt, weitergeben mit dem Ruf, den er abschließend an uns neu geschaffen werde, habe. man immer im Auge, alle richtete: „Helft uns!“ Paul Brockhaus „„Liebe und Ehe in christlicher Sicht“ Ein vieldiskutiertes katholisches Seminar in der 0zD Nicht nur für professionelle Skeptiker war es ein wahrung und Triebumleitung in der Zeit vor der Ehe. Phänomen: 13 Wochen lang füllten junge Menschen, Die VorbedingungenverantwortungsbewußBter im heiratsfähigen Alter die Aula der OzD und beschäf-. Gattenwahl umriß eine junge Mutter: Gesundheit- tigten sich Mittwoch für Mittwoch 19 Vorträge hindureh liche Voraussetzungen, praktisches Können, Harmonie mit Problemen um ,,Liebe und Ehe in moderner christ- der geistigen Anlagen, des Temperaments und der licher Sicht‘‘. Erst waren es 150, dann 300 und schließ- Interessen, Geduld und Respektierung der persön- lich bis zum Schlußreferat am 21. 3. rund 400, die lichen Würde. – Die allen Bekenntnissen bewußten auch zur Zeit der harten Frosttage + immer wieder Schwierigkeiten religiöser Divergenz der Part- erschienen und in gespannter Konzentration aus- ner entwickelte ein Seelsorger: Gefährdung der Her- harrten und mit erstaunlicher Offenheit disku- zensgemeinschaft und des Familienzusammenhalts, bierten. Vorbildspaltung in der pädagogischen Aufgabenver- Im Rinführungsvortrag am 4. 1. hatte ein Ordens- teilung der Eltern. + Ein Arzt erläuterte die biolo- geistlicher die bekannten mannigfaltigen Zerfalls- gischen und geistigen Wesensunterschiede der erscheinungen der religiös entwurzelten Ehe Geschlechter mit dem Hinweis auf die notwendigen dargelegt: In rein materialistischer Denkweise be- Polgerungen für das Uheleben. — Die historischen und ß butt 1 Larum. M zt nu Lt vi Leben, erschreckende Scheidungsrekorde u. a. m. , entwickelten ein Kirchenrechtler und ein Jurist. ein dunkles Bild, aus dem sich die Forderungen nach Mieder waren es ärztliche Ausführungen, die in das prophylaktischen Maßnahmen und damit auch die MWissen um die organischen Funktionen, die physi- Themenstellungen für das Seminar ergaben. schen Vorgänge beim Vollzug ehelicher Hingabe ein- Zwei Referate deuteten zunächst aus der Sicht des führten, um Sinn und Zweck der Ehe zu erfüllen und Priesters und des Arztes den Begriff Liebe –~, im Dienst neuen Lebens am Schöpferwerk teilzu- Sexus, Uros und Agape in ihrer rechten Konkordanz, nehmen. — Ein geistlicher Pädagoge deutete den pro- zeigten die Notwendigkeit disziplinierter Selbstbe- videntiellen Sinn der Ehe und die speziellen Er- I 0(0)
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