Full text: Lübeckische Blätter. 1955 (91=115)

Theater und Musik starken Streichungen das Verständnis gefährdet ist, wenn der Aida, Oper von Guiseppe Verdi s; 411 59/1 vießt rothwr gut karrit ( §dizor Dauer Mit einer sorgfältig vorbereiteten und von den Mitwirkenden kann dem Publikum heuts anscheinend nicht mehr zugemutet hingebungsvoll und leistungsstark durchgeführten Aicda-Auf- srerden. Das ist bedauerlich; denn auch der einsichtigste führung öffneten sich für die neue Spielzeit in der Becker- Spielleiter yzed dadurch genötigt, mehr zu streichen, als dss grube die Türen des Großen Hanses Stück eigentlich vertragen kann. Das gilt z. B. für die 2. Szene Die fruchtbare Erregung der beginnenden Vaison, ‘das des 2. Aktes, das große Gespräch zwischen Carlos und dem Lübecker Debut vieler neuer Opernkrätfte auf und hinter der Marquis. Auch andere Szenen konnten zu wenig susgespielt Bühne, die künstlerische Verantwortung der alten Kämpen werden, die Vorhänge folgten zu schnell aufeinander. unseres Theaters, diese und wohl auch noch andere Faktoren Die Kürze der Szenen hatte aber leider noch eine recht trugen dazu bei, der ersten Premiere des Opernhauses den bedenkliche Folge. Auch die Pausen müssen dann so kurz Glanz zu geben, der den die Introduktion einer neuen Spiels e möglich sein. Und so kommt man dann zu dem Einheits. reit ziert. bühnenbild. Wir kennen es schon von der Hamlet-Auffüh- Die Regie von Dr. Werner Kelch, dem neuen Oberspiel- rung. Wie sah es beim „Don Carlos‘ aus ? Ein ziemlich un- leiter der Oper, zeigte Merkmale eines wohldurchdachten detinierbarer Raum mit etwa halbkreisförmigen Stufen links Gesamtplans. Sie schuf orientalische, sakrale und humanitär.. zum Hintergrund, jeweils ausgestattet mit dem für die Szene persönliche Atmosphäre und prägte durch riehtunggebende erforderlichen Mobiliar, das sich meist sehr wenig königlich Anweisungen an Solisten und Gruppen die Gestalten und ausnahm. Die hintere Hälfte der Bühne war überbaut, so formte die Situationen des Spiels. In seiner Konzeption daß sich kurze Szenen auch dort abspielen konnten. Dazu spielten die Gruppen des Chores und des Balletts eine nicht aber kamen noch Einzelheiten, deren Zweck dunkel blieb. unbedeutende Rolle. Man sah sie belebt und sinnvoll ins Weshalb muß das Gemach des Königs vom Hintergrund durch Spiel eingreifend. Die Bühnenbilder Adolf Striplings ver- ein Gitter abgetrennt sein, hinter dem die erschröcklieh gewapp- diehteten die orientalische Atmosphäre durch R E Wachen in steinerner Ruhe sitzen ? Die Verhandlungen stische Bauten und Bilder, Pflanzen und Schmuck. Jedoch ihres Königs, von denen sie jedes Wort verstehen können, tat ihre Fülle der Großzügigkeit und Weite des Geschehens machen offenbar keinen Eindruck aut sie. In dem nun wirklich und der Musik Verdis einigen Abbruch. Die durch sie ent- streng vertraulichen Gespräch mit Marquis Posa schließt standene erdrückende räumliche Enge stellte die Mitwirkenden der König höchsteigenhändig die Tür, damit niemand durch vor schwierige Aufgaben. das nun geschlossene Eisengitter etwas vernehme. Ganz G. R. Lessing erzielte dureh intensiven Einsatz seiner unmöglich war die Anordnung der großen Szene zwischen dynamischen Persönlichkeit eine klangschöne und dramatiseh Ehilipp und dem Großinquisitor. Der König aut der unteren belebte Wiedergabe der Musik Verdis. Seine überlegene Bühne, der Großinquisitor hoch über ihm in einer Art Kälig Führung von Orchester und Bühne trat besonders in den sitzend. Ist das symbolisch zu verstehen ? Dann ist dieses Massenszenen spürbar in Erscheinung. Symbol jedenfalls sehr überflüssig. Ehe sieh der Zuschauer Die Besetzung der Hauptpartien war ausgezeichnet. Die an diese merkwürdige Situation gewöhnt hat, ist schon ein junge Amerikanerin Frances MeCann sang die Aida. Sie Teil der Szene abgespielt. Eine Kreuzung zwisehen einer hat dafür die Stimme und musikalische Ausdruckskraft in realistischen und einer reinen Stilbühne, die nur die notwen- hohem Maße. Endlich einmal ein rein-dramatischer Sopran, digsten Requisiten zu enthalten braucht, ist verfehlt. bei dem es nichts zu überhören gilt! Das aus ihrer ameri- Nun aber die Aufführung selbst. Ohne Zweifel hat der kanischen Schule stammende Brustregister ist zugunsten Regisseur Ilo von Janko das umfangreiche Werk sehr ge- der voix mixte schon fast ganz abgeschliffen worden. Man schickt zusammengefaßt. In der starken und leidenschaft- versteht ihre deutsche Sprache gut. Line gewisse Sprödigkeit lichen Bewegung der Gestalten kam zum Ausdruck, daß der der Stimme im Iyrischen Ausdruck sähen wir gerne gemildert „.Don Carlos‘ noch tief im Sturm und Drang wurzelt. Das Sie spielte mit starker Vitalität und einer durch alle Ältes [Vempo wurde richtig gehalten, nur daß zuweilen — gelegent- gehenden Kontinuierlichkeit eine fanatisch liebende, tierhaft- lich auch beim Marquis Posa — die besonders leidenschaftlich wachsame Aida und war selbst im Sklavenkleid ganz stolze, und schnell gesprochenen Partien sprechtecehnisch nicht ein- edelblütige Königstochter. wandfrei durehgeführt werden konnten. Ihre Gegenspielerin Amneris fand eine stimmlich ebenbür- Maximilian Schell gab dem Prinzen Carlos alle J ugendlich- tige Darstellung dureh Helga Jeneckel. Die Sängerin be- keit und starke Leicdenschaftliehkeit, aber auch Nachgiebig- sitzt einen voluminösen, klangschönen Alt und dazu die keit gegenüber den wogenden Gefühlsausbrüchen und jeder Fähigkeit, ihn wirkungsvoll in den Dienst der Verdischen Einwirkung von außen her. Zu wünschen bleibt eine straffere Kantilene einzuspannen. Mit starkem, aus tiefliegenden Disziplinierung der Sprache. Aus seinem Spiel wurde so recht Zonen kommendem Temperament und mit Sicherheit weiß deutlich, wie unfertig dieser Jüngling noch ist, wie reeht der sie bei der Gestaltung der Pharaonentochter die seelischen König hat, ihn nicht an die Spitze des Heeres zu stellen, Akzente zu setzen. mag auch dieser Entschluß nieht nur aus diesem Grunde Hermann Rohrbach gab dem Äthiopierkönig AMmOonasrao gefaßt sein. Ulrieh Matschoß war männlicher, gereikter, und dureh seinen sonoren Baß und eine tretfsichere Darstellung doch vor allem in der Szene mit König Philipp vall herrlicher, die Züge des leidenschaftlich aufbegehrenden, nach Feiheit jungmännlicher Begeisterung. Helmuth von Schevens Philipp dürstenden Fürsten der Wüste. Hans-Heinrich Hagen fehlte es wohl an königlicher Haltung und trotz allem immer fand als Radames im jubelnden Hymnus und im schmerz- vorhandener Größe. Er erschien manchmal zu sehr als ein vollen Gesang Töne, die aus dem Herzen drangen. Georg mensehliehes Wrack. Andererseits hatte Helmuth von Scheven 8chnapka, der neue Baßbuffo, war auch in der Würde des ihn sehr innerlich erfaßt, das Tragische, das diesen königliehen ägyptischen Königs von eindringlicher Wirkung, Heinz Finck Despoten umwittert, trat deutlich hervor. Mensehliehe als Bote der Schlacht eindrucksvoll, Jan G bur — mit einem Regungen sind ihm nieht fremd, aber er unterdrückt sie, er warmtimbrierten, für seine Partie jedoch zu kleinen Baß — als will und kann nichts anderes sein als der König. Da er sich Oberpriester von geheimnisvoller Fremdheit. Edith Vogt- über menschliches Mal erhebt, ist sein Schicksal unaus- Thiekes geptlegter Sopran war die berufene Stimme der weichlich: alle betrügen ihn. Sie betrügen ihn, weil sie nieht Priesterin. Die Chöre Dr. Cöthels sangen auch im Pianis- anders können: Elisabeth und Carlos und Posa. Und so simo sauber und präzisso. Das Orchester einschließlich der erfüllt sieh das Schicksal des Königs in der letzten Szene. Es Gruppen auf der Bühne spielte diszipliniert. und mit Leucht- siegt der Despot, aber als Knecht einer amoralischen Kirche. kraft. Eine vollendete Leistung bot Katharina Schmitt als Königin. Der Beifall war stark und anhaltend. Nie zerbrach das jugendlich starke Gefühl, die königliche G. Goebel [Würde oder — mehr noch als das – die frauliche Tugend. Vielversprechend war Johanna Aust als Eboli. Sympathisch Don Carlos – Dramatisches Gedicht in 5 Akt berührte es, daß die Prinzessin bei aller Liebesleidenschaft von Friedrich Sehiller (t en niemals als „Buhlerin“’ erschien, sondern immer Dame blieb. Der „„Don Carlos‘ enthält zahlreiche wirkungsvolle Szenen hi; jet. ua sr s.; t qq und für den Schauspieler eine Fülle reizvoller Aufgaben. Alba Scher ct und hager vor, doch schadet es niehts, Carlos, Philipp, Elisabeth, Posa, Domingo, der Großinquisitor, wenn er einmal anders erscheint. Aber war es darum nötig, die Eboli, welches Stück bietet so viele ,„große‘’ Rollen! Aber mit Hilfe des in tausend uerfalten sich ringelnden Kostüms das Stück als solches! Es ist eines der längsten Dra i i i Lust § iß: Hans es gibt, es ist in seinem Aufbau m etnkcitlicte uncl ns Spie se pero Ur F es ile wu: H in der Intrigen ist so verwickelt. daß bei den nun einmal notwendigen CGewalt hat, aber der spanische Grande mußte in den Stoff. und 1 7 &
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