Full text: Lübeckische Blätter. 1955 (91=115)

Vor der Zerstörung störter Städte mit mittelalterlichem Grundriß ist un- MMG möglich, ohne mit der Planung Hand in Hand den Sandstr280 Grund und Boden neu zu ordnen. Bei Wahrung aller liebgewordenen Tradition durfte die einmalige Ge- legenheit zur Schaffung besserer Grundstücksgrenzen beim Wiederaufbau nicht versäumt werden. Hinzu kommt, daß zum Teil auch Straßen und Plätze eine neue Gestaltung erhalten mußten. Für eine solehe Umformung der Grundstücke und Neuordnung des Grund und Bodens mußte eine Lösung gefunden werden, die sowohl die berechtigten wirtschaftlichen Forderungen und eigentumsmäßigen Ansprüche der Anlieger erfüllte als auch die verkehrs- technischen und ästhetischen Belange der Städtebauer bei voller Würdigung des öffentlichen Interesses zum Wohle der Gesamtheit berücksichtigte. U ssdsuung Hierfür konnte nur eine Baulandumlegung in Be- tracht kommen, bei der die alten Grundstücke durch Vor der Umlegun eine Änderung ihrer Eigentumsgrenzen in raum- ; ökonomisch und bebauungsmäßig vorteilhafter zu- Sandstraße geschnittene Neugrundstücke umzuformen waren. Die herkömmliche Gesetzgebung reichte hierzu nicht aus, genannt seien das Enteignungsgesetz von 1874, das Fluchtliniengesetz von 1875, das Wohnsiedlungs- gesetz von 1933, ja selbst die Lex Adickes von 1902 oder die Reichsumlegungsordnung von 1937 konnten nicht befriedigen, weil sie auf unbebautes, erst auf- zuschließendes Gelände oder auf landwirtschaftliche Grundstücke zugeschnitten sind. Rs war deshalb nur zu begrüßen, daß der Schleswig- Holsteinische Landtag am 21. Mai 1949 das Aufbau- gesetz verabschiedete, womit auf Landesebene die gesetzliche Grundlage geschaffen wurde. Besonders hervorgehoben muß aber werden, daß die stattliche Zahl der Umlegungsverträge in Lübeck (es sind bisher | ii fast 400), fast ausschließlich auf freiwilliger Grundlage geschlossen wurde. Rs ist dies das große Verdienst der Nach der Umlegung privaten Wirtschaft und der Hansestadt Lübeck, die beide gemeinsam bestrebt waren, schöpferisch an der Sanestrase Neugestallung privaten Grundeigentums mitzu- arbeiten. Die private Wirtschaft hatte Verständnis dafür, daß die Baufluchtlinien neu geschnitten werden mußten, die Straßen und Bürgersteige wurden, wo es möglich war, verbreitert, es wurden (erstmalig in Lübeck) Blockbinnenhöfe geschaffen, um den Zu- bringerdienst zu den Geschäften und den ruhenden Verkehr aus den fließenden Verkehrsstraßen zu ent- fernen. Die Stadt Lübeck hatte in kluger Bodenvorrats- politik schon vor Beginn der eigentlichen Umlegung eine stattliche Zahl von Grundstücken in ihren Be- sitz gebracht und konnte dadurch in die Gesamtmasse der neu zu verteilenden Fläche einen beachtlichen - . uung LJ eingeschrBiae Bebauung eigenen Teil einbringen, was die Verständigung mit altem Anlieger. neuem Anlieger und Stadt wesentlich oft als Kleinstparzellen, die kaum noch wirtschaft- erleichterte. Es ist in den letzten Jahren keine lich nutzbar waren. Sitzung des Liegenschaftsausschusses vergangen, ohne Die Brandnacht auf Palmarum 1942 hat nun wohl daß nicht laufend Grundstücke für die Umlegung unsere Kirchen, Kaufmanns- und Bürgerhäuser zer- angekauft oder nach Neuordnung des Grund und stört, Menschen vernichtet und unzählige Existenzen Bodens neu vergeben wurden. zerschlagen; aber der Grund und Boden blieb. Rechnerisch werden im Umlegungsverfahren die Die Aufgabe, diesen Grund und Boden der Lübecker betroffenen Grundstücke zu einer Masse vereinigt Wirtschaft so schnell wie möglich zur Wiederbebauung und unter gemeinschaftlicher Aufbringung der für den zur Verfügung zu stellen, blieb dem 1950 bei der Gemeinbedarf erforderlichen Flächen + Straßen und Liegenschaftsverwaltung gebildeten Umlegungsaus- Plätze — in zweckmäßig geformten Neugrundstücken schul vorbehalten. Ein Wiederaufbau kriegszer- an die Eigentümer wieder zugeteilt. 9
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