Full text: Lübeckische Blätter. 1954 (90)

Grundlsätzliches zur konfirmation Mie alt sollen Konfirmanden sein? Unter diesem über sie herabfleht, ehe sie zum erstenmal zum Abend- Haupttitelbringt derBisehofvonSchleswig, D. Wester, mahl gehen. im „Sonntagsblatt“ vom 28. März 1954 grundsätzliche Und doch ist damit der Sinn der Konfirmations- Erwägungen zur Konfirmation. Ur willsichnieht mitder handlung noch nicht zureichend umschrieben. Denn Äußerung eines Kirchenältesten abfinden: „Wirhätten wo das Wort Gottes verkündigt und gehört wird, da die Konfirmationsprazis der Kirche im Jahre 1945 än- geht es immer zugleich auch um den Glauben d. K: dern müssen, jetzt ist sie schon wiedereinerunheilvolen um die dankbare Bejahung alles dessen, Was Gott Säkularisierung zum Opfer gefallen.“ Kleine Korrek- uns in seinem Worte zusagt. Aber es ist doch etwas turen helfen nicht. „Denn die entscheidende Ursache anderes, ob die Konfirmanden in einem Gelübde, d. h der Konfirmationsnot ist nieht dieses oder jenes in einem einmaligen besonderen Akt, über ihr fig; Merkmal unserer Konfirmationspraxis, sondern das fFerneres Leben entscheiden oder ob sie auf das An- uns überkommene und zur Herrschaft gelangte allo gebot der Gnade Gottes dankbar und froh Antwort gemeine Konfirmationsverständnis.“ Die römisch geben, wie wir es Tag für Tag tun sollen. Luther katholische Kirche sieht in ihrer ,„confirmatio“, der kannte Gelübde eigentlich nur bei der Übernahme „Firmung“ „eine notwendige Ergänzung der Taufe, von Ämtern und Pflichten in einem begrenzten irdi- sozusagen einen Akt, der sicherstellen soll, daß der schen Raum. Im übrigen gab es nach seiner Meinung mit der Taufgnade versehene Christ nun auch tat- nur ein einziges Gelübde, die Taufe. Dies aber legt sächlich den erforderlichen Gesinnungswandel voll- nicht der Täufling, sondern Gott selbst ab, indem er zieht und sich zu einem christlichen Leben bereitet. sich uns mit allen seinen Gnaden und Gaben ver- ... Nach Luthers Meinung bedarf die Taufe keiner pflichtet. Ergänzung, sondern gilt für das ganze Leben. Getauft Wer nun in der Konfirmation die Glaubensent- zu sein genügt bis zum Tode‘. Wohl aber erwies sich scheidung sieht, wird die jungen Menschen lieber in eine Unterweisung als Vorbereitung auf das Abend- Höherem Alter konfirmieren oder ihnen die Ent- mahl als erforderlich. Ihr sollten der Kleine Katechis- scheidung ganz überlassen. Wer aber mit der Er- mus und die christliche Unterweisung dienen. Das kenntnis Ernst macht, daß die Gabe der Taufe keiner „Katechismusverhör vor dem ersten Abendmahlsgang Ergänzung bedarf, sondern lediglich nach der Ver- sollte nicht den Intellekt prüfen oder den persönlichen kündigung und Unterweisung verlangt, wird sich Glauben erforschen, sondern es ging lediglich darum, überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, die Konfirmation daß sie im Glauben‘ der Ohristenheit unterwiesen in ein früheres Alter zu legen. Denn es geht bei ihr seien. Darum kannte die Konfirmation der lutherischen nicht um die ,Reife‘, sondern um den Glauben, d. h. Kirche in ihren Anfängen auch kein Gelübde“. Erst um die Bereitschaft, „wie ein Kind“ dankbar hinzu- die Pietisten sahen ,in der Konfirmation eine Möglich- nehmen, was Gott uns verheißen hat. Dann aber ist keit, aus der großen Gemeinde der getauften Kirchen- ernstlich zu fragen, ob ein Kind im zwölften oder christen einen aktiven Kern herauszuschälen“. Da- dreizehnten Lebensjahr zu einem solchen Ja nicht dureh aber gab man der Konfirmation ,„einen völlig bereiter ist als in der sogenannten Reifezeit. Zwar neuen Sinn und überforderte sowohl die Handlung bleibt unseren Kindern die kritische Auseinander- wie vor allem die Konfirmanden selbst‘. Infolge dieser setzung der Unterscheidungsjahre in keinem Fall er- Wandlung wurde jetzt ein Gelübde gefordert, „d. h. spart. Doch es dürfte einem jungen Menschen leichter der Verspruch, mit dem ein Mensch über sein ferneres fallen, später zu dem Angebot der Konfirmation Leben verfügt. Dabei übersah man, daß sich der zurückzukehren, wenn seine erste Begegnung mit Mensch in den Dingen des Glaubens niemals ganz in Mort und Sakrament in seiner Erinnerung ein Posi- der Hand hat und daß der Glaube täglich eine neue tivum darstelll. Wäre es nicht denkbar, daß das Aufgabe ist, die nicht für alle Zeit vorweggenommen Kiünd für die gläubige Annahme der Gnade Gottes werden kann. Dieses Mißverständnis der Konfir- gq,,reifer“ ist als der junge Mensch mitten in seiner mation aber wirkt bis heute nach. Es hat zwangs- Sturm- und Drangperiode ? läufig zu dem Urteil geführt, dals unsere Konfir- Eine Vorverlegung würde die Konfirmation auch manden weder vor noch während noch nach der Kon- sonst entlasten. Mit der Schulentlassung fällt sie firmation reif genug seien, als daß man so Großes von schon in vielen Fällen nicht mehr zusammen, und ihnen fordern könne. So erscheint dann die Kon- auf die langen Hosen und das damenhafte Aussehen firmation als eine große Lüge, und die Kirche, die an kommt es ohnehin nicht an. So würde die Rückkehr ihr festhält, als unglaubwürdig. zum lutherischen Konfirmationsverständnis auch einer Mir können dem nur dadurch wehren, daß wir ent- ,„Entbürgerlichung“ der Konfirmation dienen, ohne schlossen zu dem ursprünglichen lutherischen Kon- die wir den Bann kaum werden brechen können, der firmationsverständnis zurückkehren. Das bedeutet jetzt auf ihr liegt.“ zunächst, daß wir den Konfirmandenunterricht für . wichtiger halten als die Konfirmation. Der eigent- Die Schriftleitung hofft, daß obige nur unwesent- lichen Konfirmationshandlung aber würde schon eine lich gekürzten Ausführungen den einen oder andern zureichende Bedeutung gesichert sein, wenn in ihr die Leser dazu anregen werden, in diesen Blättern selbst Gemeinde für ihre Kinder betet und Gottes Geist Stellung zu nehmen. 49
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