Full text: Lübeckische Blätter. 1954 (90)

ganz klar die Absicht des Dirigenten erkennen: metriseh zu schöner, aber langweiliger und bestätigte den sehr guten Ein- führen, den Klang zu glätten, die Form zu gliedern, das Tenpo druck der Amerikanerin, der nicht zuletzt durch eine brillante zu bestimmen usw. Die Bewegungen seiner Hände und Arme GBeigentechnik gestützt worden war, in stärkstem Maße. ~ der Körper steht fast immer ruhig + fließen aus einem G. E. Lessing war ihr mit dem Städtischen Orchester ein Zentrum, das man als physisch und psychisch gesund und Begleiter von hoher Sensibilität. In den Sweelinek-Variationen urmusikantiseh ansprechen muß. Seine Haydn-Sinfonie warder Hauch seiner feinnervigen Interpretation gleichermaßen (Nr. 89) ist sauber und schwerelos in Empfindung und gei- gzu spüren. Das Orchester war da noch frisch. Im Brahms war stiger Belebung, sein Bartok-Divertimento charmant esmäücde. Vonseiner Ersten ging keine Strahlung aus: Die Klang- und eindringlich in der Nachzeichnung der musikalischen werte des Raums wurden im Forte überspielt und im Piano nicht Idee, seine Dvorak-Sinfonie (op. 95, e.moll) beschwört den ausgenutzt. Die Ermüdung des Orchesters und die Akustik Schmerz und die Sehnsucht nach der Heimat, die der tschechi- des Saals erscheinen in den Sinfoniekonzerten noch als zwei sche Meister in seinem Gruß ,„Aus der neuen Welt‘ an seine Probleme, die zu lösen im Interesse der Hörer liegen wird. Freunde in der Heimat niedergeschrieben hat, mit erschüttern- Zwei Klavierabende fanden im März statt: Claudio der Deutlichkeit. Die RIAS-Sinfoniker folgen ihm intelligent Arrau bot erregende Virtvosität, Karl Heinz Färber das und musikbesessen. Der unwahrscheinliceh hohe Grad der Bild eines zuchtvoll geformten jungen Nachwuchsspielers. Verschmelzung in den einzelnen Stimmen, den zu beobachten Beide hatten ihr Publikum. Der Chilene riß seine Hörer in die häufig Gelegenheit gegeben war, erklärt ohne weiteres die Glut, aber auch in den Charme einer sehr persönlich erfühlten, Durchsichtigkeit und erarbeitete Schlankheit des Musizierens. von meisterlicher, fast erdrückender Technik gezeichneten Die Vorteile der Mikrophonerziehung wurden da hörbar. Auf LInterpretation; der Lübecker hielt seine Empfindung noch der anderen Seite war man erstaunt, daß die Gefahr der Ver. unter strenger Kontrolle des Kopfes. Steht er doch, mit weichlichung, des Nachlassens der Spannkraft, die dureh das frischem Hoechschullorbeer bekränzt, noch am Anfang einer Bandspiel gegeben ist, nieht, aber auch gar nicht in Erschein Lanufbahn, die ihn einen persönlichen Stil gewil} finden und nung trat. Vom ersten bis zum letzten Ton des Konzerts war bilden lassen wird. Diese Erwartung war ein fruchtbarer die Spannkraft des Orchesters unverbraucht und unangetastet Eindruck seines Debüts. vorhanden! Der 3. Abend der „Musica viva brachte keine Sen- Fricsay hatte intuitiv den Raumklang der Stadthalle sationen. Ein Dialog für Flöte, Violine, Klavier und Streich- erfühlt. Mit unbestechlicher Sieherheit hatte er die Schön- orchester von Boris Blacher enttäuschte die Kenner heit und aber auch die Gefährlichkeit der Akustik des Konzert. seiner pikanten „„Konzertanten Musik“. Hans Ulrich Engel- saals erkannt und eine beispielhafte Abstimmung des Orche. manns Elegie auf einen bezaubernden Text von Shakespeare sters im ganzen und in den Gruppen gegeben. Vom Podium erdrückte dessen poetische Schönheit durch dick instrumen- aus waren alle akustischen Probleme gelöst worden. Dort wird tierte Zwölftonmusik. Die „Kammerkantate‘“ nach gehalt- also in Zukunft der Hebel zur ,„Verbesserung der akustisehen vollen Sonetten der französischen Dichterin Louise Labé Bedingungen der Stadthalle‘’ anzusetzen sein. (um 1500) von Conrad Beck (Schweiz) erschien in der ein- Im 7. Sinfoniekonzert des städtischen Orchesters dringlichen Wiedergabe dureh die Sopranistin Hanna unter G. U. Lessing machte man die Bekanntschaft mit den Ulrika Vassal (Bonn) als Emanation glutvoller Empfin- empfindungstieken und formal meisterhaften Sweelinek- dungen des Komponisten. Als musikalischer Treppenwitz des Variationen des 1907 geborenen Süddeutschen Karl Abends gab sich des Italieners Luigi Nono Musik für Bläser, Höller, der die gleicherweise von Sweelinek, dem Amster. Klavier und Schlagzeug. Der beste Einfall war dabei Herrn damer ,„Musicus et Organista toto orbe celeberrimus‘, zu Lessings ebenso aufschlußreiche wie kategorische Bemerkung Variationen verarbeitete schlicht-innige Liedweise „Mein am Schluß „aus !“, wonach keine weiteren Geräusche zu junges Leben hat ein End‘ zum Vorwurt hat. Höhepunkt des erwarten waren. Den verschiedenartigsten, zum Teil recht mit Brahms’ Erster ausklingenden Konzerts war die Wieder. schwierigen Aufgaben des Konzerts zeigten sich die Herren des gabe des Violinkonzerts von Sibelius (d-moll op. 47)) Städtischen Orchesters (solistisch Karl Kundrat. Erich Meyer, durch Frances Magnes. Man wird der bedeutenden ameri- Fritz Arndt) gewachsen. kanischen Geigerin nieht gerecht, wenn man sie mit den Maß- In der Kirchenmusik wurde Zurückhaltung geübt. St. Aegi- stäben heimischer Virtuosen mißt. Ihre Intonation ist von dien (Botsch) brachte eine Motette von Johannes Driessier südlicher Sonne durchglüht. Sie ist unruhig, vibrierend, und stellte die Bachkantate ,. Sehet, wir gehn hinauf gen Flimmernd und für unsere Ohren nicht edel, auch nicht immer Jerusalem“ (159) in den Mittelpunkt einer Passionsvesper, in ganz sauber. Das Beethoven- oder Brahmskonzert möchte der Else Maiwald dankenswerterweise des 300jährigen Todes- man so nicht hören; das Konzert von Sibelius aber verträgt die tages von Samuel Scheidt gedachte. Der Musikkreis am von solcher Intonation und soleh nervigem, etwas robustem tsilizsnHsizt:Nospitsl (Thea Schmidt) zog Obrechts Motetten- Zugriff ausgehende Beleuchtung ausgezeichnet. Das Gegen- passion ans Tageslicht und erfreute damit die Freunde der beispiel einer ein paar Tage später gesendeten Aufführung des altniederländischen Polyphonie. Eine einsame Tat, die den gleichen Konzerts mit einem anderen Künstler war klang. Lohn in sich trägt: Georg Goebel GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNÜTZIGER TATIGKEIT F ER N RU F N R. 2 23 91 Uausahend Neuregelung der Einziehung der Mitgliedsbeiträge Am Montag, dem 12. April 1954, um 20.00 Uhr Auf vielfachen Wunsch aus Kreisen unserer Mitglieder findet auf vielfachen Wunsch eine erneute Aussprache über werden jetzt zu Beginn des Geschäftsjahres 1954/55 an alle „Die Voraussetzungen der modernen Kunst t Mitglieder Beitragsrechnungen über den Gesamtbeitrag für statt. – Die Leitung des Abends hat Herr Abraham Enns das Geschäftsjahr 1954/55 übersandt werden. übernommen. Dies geschieht, damit jedes Mitglied eine Rechnung in Der Abend wird im I. Stock im kleinen Saal oder im Ber- Händen hat und diese bei den Steuererklärungen als Unterlage ratungszimmer stattfinden. (Ohne Tee, also auch ohne Un- für die Abzugsfähigkeit einreichen kann. Jede Rechnung kostenbeitrag.) Wir bitten aber trotzdem um vorherige trägt einen Vermerk über die Abzugsfähigkeit des Beitrages. Anmeldung (Fernrut: 2 23 91). Der Rechnungsbeitrag kann im ganzen wie auch wie bisher vierteljährlich bezahlt werden. Theaterring Wir bitten, nach Möglichkeit die Beiträge auf unser Bank- Anrecht I Montag, den 5. April 1954, 20 Uhr, Kammersp. oder unser Postscheckkonto einzuzahlen. „Bärenhäuter‘“’ von Paul Willems. Bankkonto: Spar- und Anleihe-Kasse zu Lübeck. Es können noch Karten frei verkauft werden. Postscheckkonto: Hamburg Nr. 1156 82. Anrecht II Dienstag, den 20. April 1954, Kammerspiele Die Anmahnung der Beiträge erfolgt wie bisher nach Ablauf „Bärenhäuter“ nieht für Anrecht II. des Vierteljahres, wenn der Vierteljahresbeitrag nicht gezahlt 7 Q
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