Full text: Lübeckische Blätter. 1953 (89)

also der teuerste Teil, bereits vorhanden sind. Wenn zeitweise sogar den Zutritt zu den Geschäftsräumen. ich bei den Lübecker Industrie-Firmen die nötige Das war unbegreiflich nicht nur für ihn selbst, sondern Unterstützung finde, können schon zum nächsten für jeden, der die Denkungsart gerade dieses auf- Weihnachtsfest die Glocken den alten Choral wieder rechten Hanseaten, dieses furchtlosen und originellen erklingen lassen: Lobt Gott Ihr Christen allzugleich ... Beobachters der Zeitereignisse in den letzten 20 Jahren Paul Behrens wirklich kannte. Ur hat dies alles schließlich überwunden, die Firma Georg Schmidt-Römhild f neu aufgebaut, in der Vaterstadt wieder so gewirkt, Am 28. November 1952 starb nach schwerer Krank- vwie es seiner EHrziehung und Gewolmheit entsprach. heit, im Alter von 69 Jahren, der Verleger Georg Aber wer ihn kannte, wußte, wie tief ihn jene Schläge Schmidt-Römhild. Die Vaterstadt, zahlreiche getroffen hatten und daß er der Alte wohl im Geist, Körperschaften und Vereinigungen, Tusk. Uctzürs Ge- aber nicht in der körperlichen MWiderstandsfähigkeit sellschaft, verlieren mit ihm einen der Treuesten. Rr mehr war. So hat auch er sich in einem Kampk ver- war einer von denen, an die man unwillkürlich zuerst. zehrt, der nicht zuletzt dem Wohl seiner Vaterstadt dachte, wenn man einen ,galten Lübecker“ des echten, galt. Ehre seinem Andenken. v. B. guten Schlages suchte, für eine gemeinnnützige Auf- : gabe oder für ein Kraft und Zeit forderndes Ehren- Nachruf für Lehrer i. R. Wilhelm Kersten amt — sei es in einer städtischen Körperschaft oder Am 31. Oktober v. J. verstarb im 86. Lebensjahr in seinen Berufsvereinigungen, im Roten Kreuz oder Lehrer i. R. Wilhelm Kersten, Mitglied der Ge- im Kreiskriegerverband, im Lübeckischen oder im sellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit Hansischen Geschichtsverein oder sonst an anderer seit 1907. Der Verstorbene war Altmärker und kam Stelle. Ur war immer da und ohne viel Aufhebens nach Lübeck zunächst an die Reimannsche Realschule. bereit: weniger um zu repräsentieren, als um Arbeit Seit der Begründung des Lübecker Lehrerseminars zu leisten, die nötig war. gehörte er dann der Seminarübungsschule (Marien- Aus vielen und bekannten Gründen wird die Zahl schule) an. Hier machte er sich besonders durch den dieser Besten des alten hanseatischen Typs immer Aufbau des Handfertigkeitsunterricehtes verdient. Für kleiner; um so schmerzlicher muß Georg Schmidt- diese Aufgabe hatte er sich die erforderlichen Kennt- Römhilds Tod empfunden, um so dankbarer aber auch nisse der verschiedenen handwerklichen Techniken, seiner gedacht werden. wie Papparbeiten, Buehbinden, Holz- und Metall- Seine große Liebe gehörte dem Beruf, in dem er arbeiten, auf Kursen in Leipzig und Nas (Schweden) die älteste in Lübeck bestehende Firma leitete. Diese erworben. In zahlreichen Kursen für Lehrer aller Liebe zur „Schwarzen Kunst“, zu Buch und Druck Sehulgattungen gab er seine handwerklichen Kennt- mit ihren kulturellen, technischen und wirtschaft- nisse weiter und warb auf diese Weise für das Ver- lichen Möglichkeiten, umfaßte insbesondere auch deren ständnis für den heute als Gemeingut geltenden Werk- Geschichte, der er mehrere gründliche Untersuchungen unterricht. gewidmet hat; sie erweiterte sich schließlich ganz Seine handwerklichen Neigungen, verbunden mit selbstverständlich auch zur Freude an der Geschichte seiner Naturliebe und seiner Freude am Wandern, Lübecks und ihrer Zeugnisse. Das war naheliegend führten ihn auch zur Photographie, die neben der kür den Inhaber dieses Hauses, das seit Jahrhunderten WMetallarbeit zu seinen privaten Liebhabereien gehörte. amtliche und nichtamtliche Druckschriften dieser Er war einer der Mitbegründer der Photographischen Stactt herausgebracht hat. Der Reihe der von ihm Gesellschaft, um die er sich in 25jähriger uneigen- liebevoll gesammelten Lubecensien hat er manches nütziger Mitwirkung große Verdienste erwarb, und Stück aus der eigenen Tätigkeit hinzugefügt: so die deren Vorsitzender er seit 1926 war. Seiner Mit- Veröffentlichungen des Staatsarchivs und des Ge- wirkung war nicht nur der Zusammenschluß der schichtsvereins und das Lübecker Heimatbuch von Photographischen Gesellschaft mit dem Verein für 1926 — wohl das wertvollste und geglückteste kultur- Lichtbildkunst zu verdanken. Er gehörte auch dem geschichtliche Sammelwerk, das in und über Lübeck Vorstand des Verbandes deutscher Amateurphoto- je erschienen ist; noch vor wenigen Monaten erörterte graphen-Vereine (Gau Niedersachsen) an. Auf diese er mit dem Schreiber dieser Zeilen eindringlich die Meise trug er viel zur Verbreitung der Lichtbildkunst Möglichkeit und Notwendigkeit einer Neuauflage des bei. Die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger wohl bekanntesten Verlagswerkes seiner Firma, der Tätigkeit würdigte seine Verdienste durch Verleihung Deeckeschen Geschichten und Sagen. Nicht zu ver- ihrer silbernen Medaille. Vom Gau Niedersachsen gessen schließlich das Lübecker Adreßbuch, dessen im erhielt er die silberne Gauplakette und vom Verband Jahre 1798 beginnende Reihe er trotz aller Schwierig- die silberne Ehrennadel. keiten am Leben gehalten hat + nicht nur für die Wilhelm Kersten war von heiterer, geselliger alltägliche Praxis unentbehrlich, sondern ebenfalls ein Mesensart, er liebte das gesellige Wandern und war kulturhistorisches Dokument ersten Ranges, wie es in daher vielen Menschen freundschaftlich verbunden. diesem Umfang nur wenige Städte besitzen. Ihm war die seltene Gabe verliehen, stets ausgleichend So hat es ihn besonders schwer treffen müssen, daß und vermittelnd zu wirken. Und er war noch ein die Bomben von 1942 auch sein Verlagshaus mit un- Mensch jenes alten Schlages, der von sich selbst ersetzlichen materiellen und ideellen Werten zer- wenig Aufhebens machte, stets aber bereit war, einer störten. Auch schwere Verluste im Kreis der nächsten Sache zu dienen, von deren allgemeinem Wert und Familie blieben nicht aus. Nach dem Kriege traf ihn Nutzen er überzeugt war. In diesem Zusammenhange das vielleicht Bitterste: ein sinnloses Urteil der poli- sei auch seiner Mitwirkung im Verein für das Deutsch- tischen Säuberungsmaschinerie der Besatzungsmacht tum im Auslande gedacht. Es war ihm vergönnt, ein nahm ihm nicht nur jahrelang die Verfügung über die hohes Alter zu erreichen und sich bis in die letzten albererbte Vamilienfirma, sondern untersagte ihm Tage einer geistigen Frische zu erfreuen, die ihn am | 2
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