Full text: Lübeckische Blätter. 1953 (89)

m Die Industrier- und Handelskammer - heute und morgen ts Wenn in diesen Tagen die Industrie- und Handels- bleiben müssen, die sich dieses Bereichs in außer- ie kammer zu Lübeck ihr 100jähriges Bestehen festlich ordentlicher Vielfalt angenommen haben. Diese Gx begeht, so ist dies Anlaß, die Entwicklung und Wirk- Mannigfaltigkeit der Interessen wird eindrucksvoll samkeit dieser Hinriehtung während des abgelaufenen belege durch die Zahl von weit über 1000 7U Jahrhunderts und das über 500jährige Schicksal ihrer Wirtschaftsvereinigungen und Fachverbänden, die ü Rechtsvorgängerinnen, der kaufmännischen Kom- heute allein beim Bundeswirtschaftsministerium f: panien, zu betrachten und ihre Leistung und ihre registriert sind, und wozu noch die unübersehbare f. Bedeutung zu würdigen. Eine Berechtigung erhält Zahl der auf Länderebene konstituierten Verbände Is diese festliche Rückschau jedoch erst durch die gleich. hinzutritt. I zeitige Veststellung, daß die Industrie- und Handels- Es kann von niemandem bestritten werden, daß kammern auch heute noch notwendige und aus dem bei der Vielfältigkeit des Wirtschaftslebens die Wahr- rt Staatsgefüge nicht fortzudenkende Institutionen sind nehmung von Gruppeninteressen notwendig ist. Weit > diedurchihre althergebrachte Verfassung befähigt sind, dringlicher scheint es heute jedoch zu sein, den Blick U alle ihnen obliegenden Pflichten schnell und zweck- auf das jeweils Gemeinsame zu richten, in einer Zeit, . mäßig zu erfüllen und somit tatkräftig an der Lösung in der sich auf allen Gebieten die natürlichen Ein- allgemeiner Aufgaben mitzuarbeiten. heiten bis in kleinste Partikel aufzulösen drohen, in Das Wesen der Industrie- und Handelskammern der ein „überentwickeltes Spezialistentum mit seiner wird am klarsten durch die auch heute noch völlig Selbstzufriedenheit“ — wie es kürzlich formuliert zutreffende gesetzliche Formulierung ihres Aufgaben- wurde F schon um rein Persönlichen unüberbrückbare kreises umrissen. Das Preußische Handelskammer- Gegensätze von Mensch zu Mensch aufrichtet, in einer gesetz von 1870, welches seit 1937 auch die rechtliche Zeit, in der dieser Auflösungsprozeß aber von den Grundlage für die lübische Kammer bildet, sagt in geistigen Grundlagen ausgehend bereits weitgehend seinem g 1 hierzu: „„Die Handelskammern haben die auf das praktische Leben übergegriffen hat. Einen Bestimmung, die Gesamtinteressen der Handel- und sichtbaren Ausdruck findet dieser Vorgang beispiels- Gewerbetreibenden ihres Bezirks wahrzunehmen, ins- weise in einzelnen Gesetzen, die nicht mehr besondere die Behörden in der Förderung des Handels spezielle Formulierungen einer gesetzgeberischen Ge- f und der Gewerbe durch tatsächliche Mitteilungen, samtkonzeption sind, die vielmehr lediglich zusammen- pt Anträge und Erstattung von Gutachten zu unter- gefügte und nur mühsam aufeinander abgestimmte, - stützen.“ Ähnliches, wenn auch in anderer Form, zum Teil gegensätzliche Forderungen einzelner In- s sagten schon die lübischen Kaufmannsordnungen von teressentengruppen an den Gesetzgeber enthalten. Zu m 1853, 1867 und 1898. welchen Schwierigkeiten diese Art der Gesetzes- k Diese Aufgaben werden auch in Zukunft Kern der produktion, namentlich auch in Auslegungsfragen §0 Tätigkeit der Industrie- und Handelskammern blei- kührt, ist jedem, der damit zu tun hat, bekannt. . ben; ihre Erfüllung ist im Interesse der gesamten Wie „„eine Gesellschaft aus isolierten Splittergruppen, el Wirtschaft notwendig. Das wird besonders verdeut- die sich kaum noch untereinander verständigen kann, ?r licht durch die Tatsache, daß zwar von den ver- auf die Dauer nicht existenzfähig ist“, so muß auch f- schiedensten politischen Gruppen und amtlichen, wie ein Wirtschaftsorganismus, der sich mehr und mehr u auch beteiligten und interessierten Stellen in den in seine Einzelbestandteile auflöst, schwere Schäden letzten Jahrzehnten und besonders in den letzten davontragen. Diesen Vorgang zu verhindern oder doch [n Jahren Entwürfe für neue Kammergesetze erstell. abzumildern, ist eine der großen Aufgaben der Indu- t wurden, die zwar zum Teil erheblich voneinander strie- und Handelskammern heute und in der Zukuntft. le abweichen, die aber ~ soweit ersichtlich - alle diese Ihre Lösung ist heute nicht nur brennender, sondern ju klassische ' Formulierung des Aufgabenbereichs der auch schwieriger als zur Zeit der Errichtung der H Industrie- und Handelskammern enthalten. Handelskammern, weil damals schon auf Grund des j Die Industrie- und Handelskammern haben also geringeren Grades der Technisierung und der Kom- [n die Gesamtinteressen der gewerblichen Wirtschaft des munikation über große Räume hinweg der Blick des m ihr zugewiesenen Wirtschaftsraumes wahrzunehmen einzelnen, auch des einzelnen Mirtschaftlers, zwangs- t mit Ausnahme der des Handwerks, das von den läufig stärker auf das örtlich Gemeinsame gerichtet tr Handwerkskammern betreut wird. Demzufolge ger War. Dabei werden die Industrie- und Handels- Ü hören ihr an die Inhaber aller Unternehmen Jer kammern diese Aufgabe niemals im Sinne eines sche- ir Industrie, sämtlicher Zweige des N Zentralismus durchführen. Die Kammern j, lich des Wandergewerbes, die Handelsvertreter, Han- sind auf Grund ihrer Gliederung gemäß den organisch !! delsmakler und s enten. die Gastwirte, die Inhaber gewachsenen Wirtschaftsräumen ihrem Wesen nach n von Z or c zen und der Hilfsgewerbe föderativ. Ihre Arbeit verträgt ebenso wie die leben- d des Verkehrs sowie alle sonstigen Gewerbetreibenden. dige Entwicklung der Wirtschaft keine Gleichschaltung f; Auf Grund ihrer ,Allzuständigkeit“ würden ihr aueh und Uniformierung. Die Wahrnehmung der wirt- h alle sich im Zuge Jer Entwieklung etwa neu bildenden schaftlichen Gesamtinteressen kann von den einzelnen z, gewerblichen crufe zugehören. Die Industrie- und Industrie- und Handelskammern daher nur aus den s Handelskammern E zt nur die gemeinsamen skershiszhelwe. Gegebenheiten ihres jeweiligen Be- . i en zu ver- uzirks heraus ertolgen. u Ä t swritv&te. vutenzhtr daher, die . h. ler praktischen yet hitt Fiese Nuplztion 4 s mannigfaltigen speziellen Gruppen- und Einzelinteres- Industrie- und Handelstamme ] . i : f i k in Erscheinung: innerhalb des Gesamtorganismus V er s ictsu s: zleckep Fuitcht„rt. der Wirtschaft durch ihre ausgleichende Tätigkeit * das Tätigkeitsfeld Jer Wirtschafts- und Fachverbände zwischen den verschiedenen Wünschen und Forde- I :
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.