Full text: Lübeckische Blätter. 1953 (89)

fücherinhalt eines „Mahagoni Cylinder Bureaus mit kunst“, die Novellen und Reisebücher + es sind zu- Aufsatz“ befaßt, und neben Rechnungen, Guts- gleich die Jahre seines steil ansteigenden Ruhmes als papieren, Protokollen usw. 16 Convolute mit Briefen erster Kunstkenner Deutschlands, ja Europas, da er, und 10 Convolute mit Aufsätzen und Notizen summar- unentbehrlich als Berater bei Ankäufen wie bei Neu- risch aufzählt. Diese insgesamt 26 Oonvolute, die ordnung von Sammlungen und Museen, ein unstetes nicht nur für die (bis heute noch nicht geschriebene) Reiseleben zwischen den Höfen von Kopenhagen, Biographie Carl Friedrich von Rumobrs, sondern auch Berlin, Dresden und München führt. Von Zeit zu Zeit für die deutsche Geistesgeschichte im Zeitalter der aber zieht er sich immer wieder zu intensiver wissen- Romantik von unschätzbarer Bedeutung sein mögen, schaftlicher und künstlerischer Arbeit in sein „Male- sind spurlos verschwunden. Auch in den umfang- partus‘“, den zu Schenkenberg gehörenden Meierhof reichen Akten, die sich mit dem Erbschaftsprozeß ber- Rothenhausen zurücken. fassen, fahndet man vergebens nach einem Hinweis: Die meisten der vorliegenden Briefe sind denn auch den zahlreichen Erben war es offenbar ausschließlich jn Rothenhausen entstanden, so jener vom November um die materiellen Werte zu tun. 1822, darin er von einem Besuch in Lübeck beriehtet: Wenn wir nun auch den Verlust des schriftlichen „Den Mittag aß ich bei Dr. Overbeck... Den Nachlasses nieht genug bedauern können, so finden Abend brachte ieh bei Madame Platzmann zu, wo sich in dem schönen, klassizistischen Herrenhause von die Marconi war, die gerade die letzten Jahre mit Drält doch noch Dokumente genug — sowohl Rumohr, mir in Italien zugebracht hat und alte musikalische e auch seine Zeitgenossen betreffend —, deren Ver- Genüsse jener Zeit mir auch durch ein gelegentliches öffentlichung ein dankenswertes Beginnen sein würde. Nachschlagen der Stimme ins Gedächtnis rief. Den Leider iss auch hier manches Vnersetzliche dem Morgen darauf habe ich Roeck besucht und mit ihm Durcheinander der ersten Nachkriegsjahre zum Opfer das lübeckisehe Archiv, so daß ieh für diesmal von gefallen, so die einzigartige, etwa 80 Blatt umfassende Lübeck sehr erbaut bin, aber nicht geschlafen habe. Sammlung von Handzeichnungen C. F. von Rumohrs. Ich mache hier Bücher wie ein Leipziger Magister, Unversehrt hingegen hat die kleine, aber wertvolle wenigstens auf 10 Jahre hinaus ...“ Gemäldesammlung Kriegs- und Nachkriegsjahre über- Am 3. 1. 1827 schreibt er: dauert, darunter eine von Rumohr und Nerly ge- „Ieh führe hier ein Hundeleben. Meine Ver- meinsam signierte Flußlandschaft, das auch in Lübeck dauung ist dureh die schändliche Wirtshausküche bekannte Jugendbildnis Rumohrs sowie die Bildnisse lt tcheus ruiniert. Es ist für mich kein Spaß, durch seines Vaters und zweier Schwestern, alle von Groeger, den verfluehten Norden herumzureisen. Auch vor allem aber von Anton Graff das Porträt der komme ich hier zu keiner soliden Beschäftigung. Mutter, einer geborenen von Versen und zu ihrer Zeit Den ganzen Tag schwatzen. Die hiesige Gesellig- gefeierten Schönheit. .:: keit hat etwas zerstreuliches gegen Salons. Alle In der aus 6000 Bänden bestehenden Bibliothek, Leute muß man einzeln aufsuchen. Das verflacht deren Schleswig-Holstein-Kollektion eine der reich- alles, und macht, daß nichts rechts herauskommt.“ haltigsten und wertvollsten des Landes ist, finden sich 7:ra;: Monate später heilt es: natürlich sämtliche im Druck erschienenen Schriften „Mein Aufenthalt in Kopenhagen war wie immer Rumohrs, desgleichen zahlreiche Einzelforsehungen angenehm. Die Reise nach Norwegen habe ich auf- zum Leben und Werk dieses bedeutenden Mannes, gegeben, weil sie Geld gekostet hätte und andere dessen eindrucksvolle Totenmaske oben auf dem Pläne durchkreuzt haben würde, für welehe ich Bücherbord den Raum beherrscht. moderne Münzen sammle. Der dreijährige Winter- Ein besonderes Interesse aber dürfen 26 bisher un- aufenthalt in großen Städten und nordischen, die bekannte, eigenhändige Briefe Rumohrs an J. G. Rist Ausbezahlung aller Gelder, welehe ich fremden in Altona beanspruchen, aus denen im Nachstehenden Leuten schuldig war ... hatten letzten Maitag mit freundlicher Genehmigung des Besitzers + meine fliegende Kasse sehr erschöpft, und ich arbeite erstmalig einige Auszüge mitgeteilt werden sollen. diesen Sommer daran, eine ansehnliche Summe ganz Eine Gesamtveröffentlichung dieser Briefe wird vor- disponibel zu haben, mit welcher ich mein drittes bereitet. gewagtes Abenteuer zu bestehen gedenke, will's Der Empfänger, Johann Georg Rist (1775-1847), Gott, um nie wieder so weit nördlich zu kommen. ein Nachkomme des dichtenden Pastors zu Wedel, Ich fühle lebhaft ... daß ich in keiner Wohnung Johann Rist, wurde 1797 Privatsekretär des Grafen zu Hause bin und meine besten Jahre nutzlos ver- Schimmelmann in Kopenhagen und später als Lega- geude. Wie sich die Sachen längst gestaltet haben, tionsrat dänischer Geschäftsträger in Hamburg. Seine gewinnt nicht einmal meine Familie durch das Opfer von (. Poel herausgegebenen Lebenserinnerungen meiner Persönlichlceit, worauf sie, genau genommen, bilden eine wichtige Quelle für die gesellschaftlichen auch durch ihr Betragen allen Anspruch eingebüßt Zustände in Hamburg zu Beginn des 19. Jahr- hat. Das einzige, was mich hier hält. ist meine hunderts, zumal ihr Verfasser zu dem geistig wie Schwester.“ gesellschaftlich gleichermaßen bedeutenden Poel-Sie- Einen verhältnismäßig weiten Raum nehmen An- vekingschen Kreise gehörte, dem auch C. F. von fragen und Mitteilungen ein, die Vörderung junger Rumohr nahestand. Künstler betreffend. Hier zeigen sich sowohl das Die erwähnten 26 Briefe verteilen sich über einen Mäzenatentum, wie auch die kritiseh-pädagogische Zeitraum von 22 Jahren (1816-1838), auf jene wohl Ader des reichen Grandseigneurs in hellem Licht. Vor fruchtbarste Lebensperiole Rumohrs, die seinem allem gilt seine Vürsorge dem jungen Nerly, den er zweiten, mehrjährigen Italienaufenthalt folgte. Nieht ganz in sein Haus genommen hatte, um den begabten nur entstanden damals in rascher Folge seine ber- Jüngling zu einem bedeutenden Künstler heran- deutendsten Schriften, die grundlegenden ,Italieni- zubilden; aber aueh andere Namen aus jener empor- schen Forschungen“ vor allem, der ,„Geist der Koch- strebenden Künstlergeneration: Vollmer, die Ge-
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