Full text: Lübeckische Blätter. 1953 (89)

ters ug r gers tr Et LC § LU der Rückseite aueh nur die allgemeine Bezeichnung trifft, daß sich die „neue Sprache“ (der Abstraktion) „Herbst‘‘) als dureh ein dynamisch-rhythmisches Ber durchgesetzt habe, allerdings nicht „„eine der vielen wegungsmotiv, um das sich die Form- und Farb- Antworten auf die Form- oder Gegenstandsfrage‘“’. elemente wie um ein magisches Zentrum ordnen. Nay, Winter und Baumeister rechnet er zu den Anstatt soleher echten Expression ist in den neueren „echten“ Abstrakten. Bei Gilles und anderen unter- Bildern bei Nay ein zum farbigen Untergrund be- streicht Grohmann: sie seien nicht hinter den Un- ziehungsloses Gitterwerk von schwarzen oder weißen gegenständlichen zurück, sie seien aber von einer Pinselstrichen getreten, die das farbige Ensemble will- anderen Mentalität. Wir werden für unsere Betrach- kürlich überlagern. Ohne sie verbleibt ein rein tung abschließend uns sein Urteil über Nay merken stimmungsmäßiges, oft sehr reizvolles Varbenspiel, können, daß dieser die größte Sensibilität, darin den ein vom Winde verwehter Klang, dem man sinn- Franzosen am nächsten, besitze. Unsere Ausstellung verloren nachlauscht. Die Gefahr des rein Dekora- scheint darzutun, daß Sensibilität nicht zu einem tiven ist damit handgreiflich geworden. wuchernden Unkraut werden darf, unter dem die Der Kritiker Will Grohmann hat der Ausstellung künstlerische Idee erstickt wird, die dem Bild erst des Deutschen Künstlerbundes in der Hamburger Inhalt und Gehalt zu geben vermag. A. B. Enns Aus: Fünf lose Blätter für Ricarda Huch Von Gustav Radbruch 3. Blatt Rin Nachklang zum Deutschen Anwaltstag Jeden Lübecker müssen die treffenden Worte er- dem Schwinden ihrer realen Macht noch durch mehr freuen, in denen Ricarda Huch den lübischen Staats- als ein Jahrhundert erhalten können, bis sie durch mann des Mittelalters kennzeichnet. Sie sollen hier Jürgen Wullenwevers tollkühne Unbedachtheit end- bestätigt werden durch Worte, in denen lübeckische gültig zusammenbrach. Nun ging es nur noch darum, Politik und Lebensanschauung, jahrhundertelang wenigstens die Reichsunmittelbarkeit der Stadt durch wunderbar bewahrt, sich selbst kennzeichnen. alle Gefahren hindurchzusteuern, vom Frieden zu Der vertriebene Bürgermeister Jordan Pleskow UWMünster und Osnabrück bis zum Wiener Kongreß — antwortete im Jahre 1414 in Konstanz dem Kaiser erst in unseren Tagen ist Lübeck zu einer schleswig- Sigismund auf seine Frage, wie die Herren von Lübeck holsteinischen Provinzstadt herabgedrückt worden. eine so große Bürgerschaft regieren könnten, mit den Die Vorsichtspolitik dieser Periode kommt zum Aus- Worten: „Rex clementissime, bonis verbis et druck in dem Wahlspruch des Mannes, der in Münster atrocibus poenis.“ Er hat diese Worte wahr- und Osnabrück die Lübecker Interessen vertreten hat, gemacht, als er, nach Lübeck zurückberufen, mit des späteren Bürgermeisters David Gloxin: „Est beiden Mitteln, aber mehr durch maßvollen Vergleich aliquid prodire tenus, s1 non datur ultra.“ als durch strenge Strafen, die alte Ordnung wieder Die Lübecker Politik war eine antoritäre Politik, herstellte. Maßhalten war der erste Grundsatz die nie auf jedermanns Beifall rechnete. An der lübischer Politik. Das Sitzungszimmer des Wette- astronomischen Uhr in der Marienkirche steht der ! Gerichts zeigte über der Tür die Inschrift: „Holt Spruch: „„ Wol kanth maken, berichte du my, / mate, wol kan’t passene ? “ Das heißt: Über- dat ith alle Man tho dancke sy ? “, und am Hause ' schreite nicht das richtige Maß, denn wer kann es der Schiffergesellschaft heißt es ähnlich: „Allen zu genau treffen? Die Inschrift stand unter einem gefallen ist unmöglich.“ s Lübecker Wappen mit zwei „Wilden Männern“ als Überhaupt ist Illusionslosigkeit und Skepsis gegen- ' Schildhaltern. Es mag auch Lier die schöne Deutung über den Menschen, den Leidenschaften und den zutreffen, die Ricarda Huch der Gegenüberstellung großen Worten ein Lübecker Wesenszug. An der des Wilden Mannes und eines thronenden Kaisers Tür des Audienzsaales im Rathause steht geschrieben : an den bronzenen Wangen des Beischlags vor dem „Bnelle to hören, avers langsam to geloven“, ' Lübecker Rathaus gegeben hat: Die ,„rohe Kraft der und im Brautgemache des Ratskellers liest man die Elemente‘ soll einer ,„göttlich geordneten Melt“ berühmte Strophe: „Mennich Mannlude singet, / eingeordnet werden. z wenn man em de Brud bringet, / wuste he, wat Maßhalten kennzeichnet wie die innere Verwallung man em brochte, / dat he veel leever weenen : auch die Außenpolitik Lübecks. Sie war balladesken mochte.“ . M ‘ ; Schaustellungen heroischer Gewalttätigkeit immer Skeptische Worte über die Macht des Rechts werden . abhold. Ricarda Huch zitiert ein Wort des großen sogar an jenen Stätten laut, wo des Rechts gepflegt Bürgermeisters Hinrich Castorp (st. 1488), das in wird. An der Tür des Audienzsaals im Rathause seiner besten Fassung so lautet: „Latet uns dagen, finden sich die Worte: „„Wo hart is de Recht- wente dat vänlein is licht an de stange ge- kerdicheit gefangen; / wo hoch deit Unge- bunden, aver es kostet vel, it mit ehren wedder rechdicheit prangen.“ Und in der Nähe der aftonehmen * In: der Zeit Hinrich Castorps Gerichtsstube des Kanzleigebäudes hing ein altes wurde (1470-1477) das Holstentor erbaut ~ es trägt Gemälde, auf dem in einer Reihe von Szenen die die Inschrift: „Concordia domi, foris pax.“ Die Nachfrage nach der verlorenen Gerechtigkeit dar- erblich gewordene Verhandlungskunst der Lübecker gestellt war, von Versen begleitet, die in Frage und ' rs hat die Geltung der Hanse auch nach Antwort die vergebliche Suche beim Papst, beim 1 27
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