Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Die Ehe als Ordnung Ein Tagungsbericht An einem Wochenende im Februar d. J. fand wieder . ‘praktische Seite. Man merkte, daß jeder Teilnehmer eine Tagung der Evangelischen Akademie Schleswig- auf praktische Hilke hoffte. „UVnbedingter Wille zum Holsteins im Martinshaus in Rendsburg statt. Es. Realismus“ war die von Rendtorff ausgegebene Devise. kamen über 130 Theologen, Arzte, Juristen und Für j hHhescheidun sorger zum Teil mit ihren Ehefrauen zusammen. Das uBtoscteidung ==us ! eros: Y Thema war: „Die Ehe als Ordnung in Geschlechtlich- Es vurde heftige Kri tik an der Praxis der von den leit und Liebe.“ Nach t Uto eq: von Prof. Berichten durchgeführten Ehescheidungsprozessen V ogt, Flensburg, über die biologischen und psycho- sstit. Es gibt zu wenig Scheidungsriehter, uud yorn dem lo t wut. ~ des ges: OM h ? E Sühneversuch, der gesetzlich vorgeschrieben ist, wird hier hrurdst e uc m tro de Nr [P 1\!tisch xu wenig Gobrauch gemscht. Aueh wird geliums, wechselten in bunter Folge Diskussionen und nie mehr dem zuständigen Geistlichen Meldung über EL. Luretaräts die Ehescheidung gemacht. Diese Ansichten werden Pref. Vogt stellte am Ende seiner Ausführungen zum Teil auch bestritten. ! die Formen des geschlechtlichen Gemeinschaftslebens Die in Hamburg und anderen Orten von Dr. Kauf Ha 'ierreieh und in der Geschichte der Menschheit mann geschaffenen , Vertrauensstellen kür Verlobte nebeneinander und zeigte dabei Lu, daß es weder und Rhelente‘“, die aus einem Arzt, einem Jyriston dort noch hier eine biologisch festgelegte Form des [td einem Seelsorger bestshon. haben sich sehr he- geschlechtlichen Gemeinschaftslebens gibt. In der währt (Verhinderung von Eheschließungen, Yszhivde Natur gibt es bei Mensch und Tier die Einehe, Vielehe, tung von Ehescheidungen durch den Sühneyersuch, die Momentehe und die Ehe in Treue nebeneinander. Materialsammlung für den Scheidungsrichter). Die Einehe ist also biologisch allein nicht zu begründen. 2.Dieheutige Eheim Hinblick auf diejunge Generation. Besonders interessant war seine Ansicht, daß die 1946 bis 1949 gab es in Westdeutschland 300 000 christliche Ehe nicht nur im sittlichen, sondern auch Ehescheidungen. 1949 verloren in Westdeutschland im biologischen Sinne die höchste Form der Ehe ist. s0 000 Kinder ihr Elternhaus wegen Ehescheidungen. Er zeigte dies auf in der Entwicklung der Eheformen In Westdeutschland leben 2 Millionen Kinder aus .us den Primär- zu den Sekundärkulturen und dem geschiedenen Hhen. Der größte Teil der Kinder, die Vergleich zur griechischen und römischen Ehekorm. dem Staat, der Fürsorge und den Erziehern Schwierig- In der christlichen Ehe ist durch das Moment der keiten machen, stammen aus kranken Ehen. Rine christlichen Liebe für die Erhaltung der Nachkommen fkfùür die Kinder aus geschiedenen EUhen sieh besonders die größtmöglichste Sicherheit gewährleistet. unglücklich auswirkende Einrichtung ist die Besuchs- Prof. Rendtorff führte in die Problematik regelung. Diese äußeren Zeichen der Not für die unserer Zeit hinein. Er stellte fest, daß heute die Jugend, die sich aus der Ehenot ableiten lassen, Ihe als anerkannte Ordnung in Zweikel gezogen ist, Icönnen noch endlos fortgeführt werden. ja, dal die Krisis des Menschen von hente die Krisis Vine erschütternde Sprache über die innere Not der der Ehe ist, daß die Hheunfähigkeit ein Vorsymptom Jugendlichen redete der Landesjugendpfarrer von les gefürchteten Nihilismus ist. Er sieht den Grund Stockhausen. Er berichtete über Verzweitlung, für die Kheunfähigkeit in der Treneunfähigkeit, was Rat- und Hlilflosigkeit und die nihilistische Haltung für ihn mit Glaubensunfkähigkeit an Gott gleichbe- (der jungen Menschen, die äußerlich schon so reik leutend ist. Die christliche Ehe baut sich auf auf und gefestigt aussehen. Er schiebt die Schuld auf die Sexus (Polarität des Blutes), Eros (Polarität der Hrwachsenen und Hltern, weil diese selbst keine Seele) ~ beide wollen gewinnen + und Liebe: Die eigene feste Haltung in den Fragen des Ehe- und Liebe will dienen, will geben. Die christliche Ehe ist Geschlechtslebens haben. Hier tauchen nun alle die auf dem wechselseitigen Dienst gegründet. Hin wesent- Fragen auf, welehe die Aufklärung, den vorehelichen licher Faktor ist die Treue. Liebe und Treue sind nur KÜeschlechtsverkehr, die Onanie, das Verhältnis der möglieh vor einer gemeinsamen höheren Instanz, jungen Menschen zum eigenen Körperund zum anderen vor Gott. Also ist die christliche Ehe letztlich eime Geschlecht, die Schwangerschaftsverhütung, die Ab- Glaubensgemeinschaft in der Verantwortung vor treibung usw. betreffen. An Stelle von Aufklärung Gott. Liebe und Treue verlieren ohne diese Verant- durch Straße, Kino und Magazin muß die offene wortung vor Gott ihren Sinn. Die Kraft dazu vermittelt freie Aussprache mit Erwachsenen treten, die einer- das Evangelium der Vergebung. Nur in der Kraft der seits früh genug alle biologischen Grundlagen der Vergebung ist die Khe in Treue möglich. Die Aufgabe jeweiligen Reife entsprechend erklärt, darüber hinaus Jer Kirehe und der Theologie ist es, die gestaltende aber zur „Sinnaufklärung“ führt, das heilt den jungen Kraft des Evangeliums für die Hhe zu mobilisieren. Menschen zu einer Haltung bringt, die zeigt, daß es Es gibt wohl kaum einen Fragenkreis, der so tief hei diesen Fragen letztlich „um ein Ringen um Gott“ im Lebensgeschehen aller Menschen wurzelt wie geht.* Der Erwachsene, der aus Mangel an eigener rlieser. Das zeigte sich auch in den folgenden Kurz- Haltung dem jungen Menschen etwas vormacht, referaten und lebhaften Diskussionen. Die Zahl der hilft weniger als der, welcher offen zugibt, daß er Probleme, die angeschnitten wurden, ist zu groß, als selber keine Haltung hat und bereit. ist, gemeinsam daß man über alle referieren könnte. In Kürze soll auf die Suche zu gehen. ein Tagungsbericht darüber erscheinen. Ich kann hier _ nur einige Problemkreise, die ich in vier Punkten * Fin Buch, das diese beiden Seiten der Aufklärung aus zusammengefaßt habe Hertikren Kesineswees Ver- evangelischer Sieht behandelt, hat der Schweizer Nervenarzt loren sich die Gespräche in thearetischon. Aseizgndeér- r V Herrgott n lt puh vr U.. setzungen. sondern verlagerten sich ganz auf die uegeben. )
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