Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

schlüssel, einm Hufeisen, eine Axt oder dergleichen. der Vormgebung der Werlstücke zu den seltsamsten Diese Dinge sind schön, weil Form, Zweck und Ver.. Gebilden, weil nicht die gute, sondern die schwierige 1{rbeitung eine völlige Einheit bilden. Form angestrebt wird : eine vieleckige Giellkanne z. B. Wo aber Formen neu gefunden werden müssen, wie ist bestimmt sehr schwierig in der Herstellung. In ,. B. bei der Anfertigung eines Beleuchtungskörpers, ler Praxis wiirde man sich aber sicherlich nicht um die glaubt der Handwerker Kunst machen zu müssen komplizierteste, sondern um die einfachste Lösung ind kommt meist zu Ergebnissen, die weder formal bemühen und nieht nur zu formal besseren, sondern noch handwerklich befriedigen. Ja, wenn man solehe auch zu brauchbareren Ergebnissen kommen. Rin- Arbeiten in der Gegenüberstellung auf sich wirken. zelne Beruke, die nicht nur technisehes Können, Jälzt, wird man zu der Sehlußkolgerung verleitet,, sondern auch gestalterische Fähigkeiten erfordern, Ila die eigentlich gestalterischen Leistungen unserer wie z. B. das Handwerk der Putzmacher, waren Zeit eben doch nur auf dem Gebiet des Technischen besonders aufschlußreich für die Möglichkeiten, aber liegen. auch fürdie Notwendigkeit derkünstlerischenSchulung. Man könnte sieh mit dieser Veststellung zufrieclen Hier waren einzelne gute Beispiele zu sehen, wie veben und sich danach einrichten, wenn man nieht man aus dem Spiel mit verschiedenartigstem Material wülzte, und aueh auf dieser Ausstellung wieder an zu guten und lustigen Formen gelangen kann. Aber ungezählten Beispielen feststellen könnte, daß der es wurden auch Zeichnungen von den Lehrlingen Wille zu Gestaltungen, die über das „Nur-Zweek- gezeigt & Kopk mit Hut + Figur mit Gewand , mäßige‘ der Form hinausgehen, ein elementares Ber die Wände hingen voll davon. Schwierigste Aufgaben, lürfnis des Menschen auch in unserer Zeit ist. Zudem die man wohl von einem Kunstschüler verlangen verlangt ja jede neue Aufgabe, die uns aus unserer Iann, aber unmöglich von einem Lehrling! Zeit gestellt wird, eine Auseinandersetzung nicht nur Wenn man dann in einem anderen Raum etwas aus mit dem Techniseh-Konstruktiven, sondern auch mit der Arbeit des Werkkreises zu sehen bekommt + der Form. Landschaften, Aktzeichnungen, modellierte Figuren, Hier sind Aufgaben, die nieht dadurch gelöst so kragt man sich erstaunt, wie sich das beides neben- werden, daß man sie nicht beachtet oder gar meint, einander verträgt. Wie kann sich das künstlerische Tas käme von selbst oder es käme nicht darauf an.. Schaffen so aus der Praxis des Handwerks, wo es Das Werkstück ist Ausdruek des Menschen unserer tausend Ansatzpunkte, Aufgaben und Verpflichtungen Zeit. Und in demselben Maße, wie er selbst gekormt hütte, zu einem nebengeordneten, abseitigen Eigen- ist, formt er auch sein Werk. Und indem er formt, dasein zurückziehenund seine Aufkgabeimtätigen Leben wird er geformt als Mensch. Schon wegen dieser Aus.. übersehen ? Aufgaben, die sich schreiend anbieten! wirkung der gestalterischen Tätigkeit ist es nicht Gewiß kann man den Werkkreis nicht verantwort- rleichgültig, ob etwas und wie etwas geformt wird! lich machen dafür, daß seine Bemühungen um die Tatsache ist, daß sich das Gestalterische nicht vom kiinstlerische Schulung des handwerklichen Nach- Handwerklieh-Technischen trennen läßt. Schon der wuechses fruchtlos sind. Wenn die Schulung des Lehr- einfachste Gebrauchsgegenstand verlangt seine Form, lings nieht unmittelbar in der Praxis der Werkstatt und andrerseits befriedigt eine Form nur, wenn sie erfolgt und ihre Vertiefung und Ausweitung in der uch technisch und handwerklich einwandtrei gelöst Schule – der Gewerbeschule – erlährt, bleibt ist. Die Vorm ist nicht etwas Zusätzliches, was dem zwangsläufig jeder Versuch, in Feierabendstunden das Gegenstand nachträglich angehängt werden kann, NVersäumte nachzuholen, vergebliche Liebesmüh. sondern sein Bestandteil. Notgedrungen müssen Wenn die Gewerbeschule ihre Aufgabe gegenüber Jeshalb aueh hei der Ausbildung der Lehrlinge dem Handwerk erfüllen will, wird sie nieht umhin s immer beide Seiten bedacht werden. Êcönnen, in stärkerem Maße als bisher und in leben- ! Auf der Ausstellung sah man durchweg nur die eine diger Zusammenarbeit mit den Werkstätten und in n fits. der Medzille Z; gute hezts:zlich-tschritehe tz ßehulysrkstätten die gestalterische Arbeit zu j rt r ? 4:7... ]: c,! 2 prüfung nicht verlangt ~ auch nicht gewertet , aber lästiges Übel empfunden wurde, zeigt, wie sehr 2 Jas erklärt einiges, aber entschuldigt nichts. Die berechtigte Erwartungen nicht erfüllt wurden! g Entwürfe stammen entweder vom Mleister, vom Die Neubesetzung des Direktorenpostens an der ; Architekten oder aus einem Katalog + nur in Aus- Gewerbeschule hat zu mancherlei Diskussionen Anlaß [r nahmefkällen vom Lehrling selbst. Und wo besonderer gegeben. Man möchte wirklich wünschen, daß die 1 Zierrat angebracht wird, wie z. B. Intarsien an Möbeln, verantwortlichen Stellen sich in ihren Entscheidungen [: beweist der Lehrling nur, dal er auch diese Technik. nicht überwiegend von verwaltungstechnischen oder % beherrscht. In den meisten Fällen möchte man aber Sparsamleitsgesichtspunkten leiten lassen, sondern i nur sagen: leider! einen Mann zum Leiter dieser Schule berufen, der i Auch für die Gesellenprüfung müßte in Zukunft als in jeder Beziehung die Eignung besitzt, dieses außer- § ganz selbstverständliche Forderung eine einfache, ordentlich schwierige und verantwortungsvolle Amt l aber eigene gestalterische Arbeit des Lehrlings ver- zu meistern. Sicherlich wird das kein Verwaltungs- [ langt werden, die genau so gewertet wird wie die hbeamter seinkönnen und kein einseitig Intellektueller, t. handwerklich-technisehe Leistung. Nur durch Ein- sondern ein Mann der Praxis, der mindestens in einem führung einer solehen Prüfungsvorschrikt wäre zu Handwerk Meister ist, über gestalterische Fähiglceiten B; erreichen, daß sich die Werkstätten ebenso wie die und pädagogisches Oeschick verfügt, der in seiner h Gewerbeschule um die künstlerische Schulung der eigenen Arbeit etwas bewiesen hat und das Vertrauen Ä. Lehrlinge bemühen. der Lehrlinge ebenso besitzt wie das der Handwerks- jj. Die Forderung, nur das technische Können in der meister. Mir scheint, die Wahl dürfte eigentlich nicht . (Jesellenprüfung unter Beweis zu stellen, führt oft in schwer fallen. Heinrich Dose Q
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.