Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

einmal tritt der Diakon vor die geschlossene große des Heiligtums, sie treten zur „Königlichen Pforte“ Tür des Altarraumes, die die „Königliche Pforte“ heraus, lassen zu den Bildern der Wand und über die heißt. Aut sein Wort ökknet sie sich: Ein erster Blick Häupter der tief verneigten Feiergemeinde den Weih- ins Heiligtum selbst, als wiederhole sich hier die rauch wehen und kehren wieder ins Heiligtum zurück. Sprengung des Grabessteins. Aber nur kurz, die Tür Das wiederholt sich oft, wie Hymnen und Gebete. Sind schlielt sich wieder. | . es die, Haushalter überGottes Mysterium“ (1. Kor. 4,1), Doch nun hat eine neue Bewegung die Gemeinde die Strahlenkraft des Auferstandenen der Gemeinde urgrikken. Standarten und Fahnen werden von der auszuteilen ! Außer dem Gosbody pomilui (Herr, . Chorraumschranke gehoben, Bilder aus den seitlichen barme Dich) oder dem Amén verstehe ich von Worten Räumen geholt, auk Traghölzer gesetzt. Der Küster 1 iehts, nur eins, was immer wiederholt, alles durch- teilt große honigkarbige Kerzen aus. Sie werden willig clingt, alles überstrahlt: Christos woskresse (Christ genommen und angezündet, wie auch die Fahnen und ist erstanden !). Immer, immer wieder, viele hundert Bilder dem Träger eine demütig ergrikkene Würde ale wohl läutet dieses Bekenntnis durch die lange geben. e...... d Stunden währende Feier, durch Responsorien, Hymnen Ein Neues: die Glocken, die bisher ganz geschwiegen und Ohorlieder. Die’ Gemeinde weiß, was das be- haben, beginnen zu läuten. Es ist ein stark stilisierter deutet. Sie lebt es selbst und ist ganz im stillen Klang in festem Rhythmus, aber er dringt hinaus und Miderglanz dieser Osterwahrheit. . schwebt, wie eine Sprache in die Ferne, über dem Gewiß, ich merke Menschliches, Alzumenschliches Umgang, der nun, voran die drei Geistlichen in neuen, auch hier. Ich sehe die Priester einmal Bemerkungen hellen, kestlich geschmückten Gewändern, die Kirche auschen, werde von der Wichtigtuerei eines jungen dreimal umzieht, wiederum gegen .die Sonnenbewe. Lehrers berührt, sehe einige von dem stundenlangen gung. Man trägt dabei den Dreien ein Flachholzbild Stehen müde werden, denke auch wohl, daß sich im des Auferstandenen im Strahlenkranz voran. Hs ist. Laufe der Zeit, vielleicht bald nach dem Umgang, die scalt draußen. Hs regnet auch. Aber diese Angriffe Reihen etwas geliehtet haben, noch ehe ich selbst, les Bösen prallen an dem heiligen Tun ab. Die um 3.00 Uhr nachts, nach Hause gehen muß. Was Kerzen brennen und lassen die schönkarbenen Fahnen ist es, das mich dennoch ganz tiet ergreikt ? tücher, das Gold der Standarten und die künstlichen Der Laienstand, in dem wir als Soldaten leben, auch Blumen um die Tragebilder aus ddm Dunkel leuehten. wir Pastoren im Waftenrock, bedeutet eine wachsende Der Gesang zwischen Priestern und Gemeinde weht Hmpftindlichkeit gegenüber dem religiösen Wort. Auch feierlich um das Gotteshaus. Ich bleibe im Schatten ein leiser Mehrklang über das Notwendige, Gebotene, der Kirechenwand, bin ja auch sprachlich vom Mit- vor allem über das ganz zuverlässig Echte hinaus, kan! singen ausgeschlossen. Aber eins nimmt mich mit uns unangenehm sein. Die Gefahr jeder Wort- großer Kraft in die heilige Stunde mit herein: die äußerung von Glaubensdingen, besonders der freier Hingabe und Andacht in den Stimmen und auf den Predigt, eine Gefahr, die nur der Heilige Geist Gesichtern der Veiernden. Als der dritte Umgang bannen kann. In der östlichen Liturgie ist, wie man vollendet ist, leuchtet an der Kirchfassade über dem spürt, viel Überschwang. Aber die Worte sind be- Portal ein Transparent auf. Mit bunten elektrisehen wahrt und bewährt durch Jahrhunderte. Sie sind Glühbirnen umrahmt, stellt es die Auferstehung dar. das ist das Merkwürdige dieser Osternacht Aber es ist, obwohl sie alle andächtig hinaufschauen, nicht tote Form, sondern lebendiger Klang einer nur wie eine Verheißung. Denn während nun alles uralten Glocke geworden. Und nun gefällt es dem schweigt, ist die Kirehtür noch verschlossen, naehdem «KAuferstandenen, in dieser Feier seines Sieges, durch man das Tragebild des Osterfürsten hineingereicht hat. eben diese uralten Worte und Klänge und das gegen- Neue MWeechselgesänge zwischen Priestern und Ge- wiärtige Singen, Beten, Hören und Lesen hindurch, meinde, an bestimmten Abschnitten durch ein Auf- zu seiner Gemeinde zu kommen. i — jubeln des rhythmischen Glockenklangs verstärkt. In seinem Buch „„Warum ich noch ein Ohrist. bin ?“ Dann geht die Tür auf, als spränge des Grabes Stein heantwortet Paul Schütz die Titeltrage mit dem oder als öffne sich die Himmelstür, und die Gemeinde Hinweis auf das Leuchten über den Stirnen von zieht in das hellerleuchtete Gotteshaus ein. Ohristen, die er hat sterben sehen. Da hat sich ihm, Der Raum unter der Zentralkuppel ist nun zur im Angesicht des Todes, der Wahrheitsgehalt und die Aufnahme der Gemeinde ganz frei geworden. Das Mirklichkeitsmacht des Evangeliums offenbart. Daran leere Grab hat rechts zwischen Schranken und Bilder- werde ich erinnert, wenn ich über diese Osternacht wand Platz gefunden, von jenem Strahlenbild des nachdenke. Die Gemeinde hier feierte, nur wenige Auferstandenen überragt. Viele Andächtige drängen ilometer von der Grenze des bolschewistischen sich seitwärts ebenso zwischen Schranken und Bilder- Landes entfernt. Sie weiß vom Tode vieler Glaubens- wand. . n.. genossen. Sie hat den Krieg mit eigenen Augen ge Und nun sind alle drei Tore weit geöffnet. Dem vehen. Sie lebt wohl noch „angesichts des Todes“. Mitteltiseh im Heiligtum zugewandt singen die In diesen Ohristen lebte in jener Nacht eine so un- Priester ihre liturgischen Hymnen. Der Ohor auf der erschütterliche Klarheit, eine so sichere Freudle + Empore über dem Kircheneingang, neben dem ich an sang aus ihnen, leuchtete aus ihren stillen Augen, dal der Brüstung stehe, nimmt in offenbar uralten ich weiß, ich übertreibe nicht und mache keinen Mil- liturgischen Weisen den Altargesang auf, stimmt da- brauch mit heiligen Worten, wenn ich sage: wie im zwischen dann und wann 0Ohorstücke. offenbar überwindenden Sterben der hessischen Bauern, von späterer Herkunft, an. D- . dlnen Schütz spricht, war in dieser ukrainischen Oft reicht ein Kirchendiener dem ältesten Priester Osternacht der Auferstandene bei seiner Gemeinde, ius der Sakristei mit ehrfürchtigem Handkuß das sie zu formen, sie zu beleben, sie mit Freude zu er- seihrauchgefälß}. Er oder der Jüngere umgeht damit, füllen, sie zu Bekennern zu machen. im Glanz des erzentragenden Diakon gegenüber. den Tisch ermorgens! ZB
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