Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

liegt zwischen den Meeren und den Bergen“ und „Radegund Berater Koosevelts und Trumans, die Bilauz. des „kalten liegt zwischen gestern und morgen‘. Es wird recht deutlich, Krieges“ seit 1945. dals in diesem Radegund und seiner Schicksalsfrage Deutsch- Das Buch hat Dulles in rücksichtslos offener Sprache für land und seine Schicksalsfrage zu sehen ist. Amerikaner geschrieben. Er zeigt ssinen Landsleuten, daß Interessant ist die Anlage dieser romanhatt geformten sie ihre bisherige Haltung, die nur zwischen „Krieg““ oder Aussage. Immer steht im Mittelpunkt die Königin Friede. ,.Frieden“ zu unterscheiden wußte, gründlieh ändern müssen. gund des r tets von Frauen regierten Landes. Sie verhandelt Hr warnt vor der Gefahr, durch Aufrüstung alle Kraft auf die mit ihren politischen, militärischen, wirtschaftlichen Ratger Abwendung eines Krieges traditioneller Art zu konzentrieren bern, sie fragt nach den Dingen der Erziehung, und tragender und darüber den kalten Krieg, wie die Sowjets ihn unter Grund ihrer Entscheidungen ist das immer neu zu erringende Drotzkis alter Parole „weder Krieg noch Frieden“ hereits seit Vertrauen auf Gott. Die wesentlichen Vormungen ihrer Ent- langem betreiben, zu verlieren. eehlü se aber und die entscheidenden seelischen Vorgänge Deshalb empfiehlt er, weniger auf die Militärs zu hören sind in die Träume der sieben Nächte verlegt. In ihnen tauchen und sich nicht einzubilden, daß man durch eine noch so starke die erregenden Verhandlungen und Geschehnisse des Tages Rüstung Sicherheit erkaufen könnte. Er beklagt, daß mit wieder auf, werden weitergesponnen und führen zu den not. dem Anwachsen der materiellen Macht Amerikas sein geistiger wendig daraus sich ergebenden Geschehnissen. Mit großer Hlan zu erlahmen scheine. Demgegenüber führt er das Vor- Kunst ist die merkwürdig verschwommene, zerfließende und dringen des Sowjetkommunismus darauf zurück, daß dieser doch auch wieder so eindringliche deutliche und deutbare Welt einen fanatischen Glauben weltweiter Geltung besitzte. „Wir‘ der Träume gestaltet. Auch hierin zeigt sich wie in maneh - sagt Dulles – ,,haben auf eine beklagenswerte Weise anderem der Einfluß Ernst Jüngers, wobei allerdings ~- das vrersäumt zu beachten, daß soziale Gerechtigkeit geüht werden muß gesagt werden + die Tiefe und die geistige Figenwüch. kann, auch ohne sich auf Atheismus und Materialismus zu sigkeit des Meisters nicht erreicht werden. stützen ... Weil wir das aus den Augen verloren. ist rielen Ein bedeutender Zug des Buches scheint uns darin zu liegen, Menschen der Glaube an eine freie Gesellschaft entfremdet daß, so sehr auch die Königin die letztlich Entscheidende ist, worden ... Wir halten Religion und Handeln in verschiedenen doch gerade die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen nicht nur Kammern ... Ist aber einmal die Verbindung zwischen betont, sondern wirklich greifbar deutlich gemacht wird. So Glauben und Wirken zerrissen, so können wir auch keine ist es kein Zufall, daß der juristisch geradezu als Versuch des geistige Macht mehr in uns erzeugen, die überstömt auf die Hoch- und Landesverrats anzusehende Brief des Generals Welt ... Das alles müssen wir ändern. Wir müssen die Wegener, ein in edler Sprache geformtes Bekenntnis zur marxistische These ganz und gar verwerfen, daß materielle Verantwortung des Einzelnen, genau im Mittelpunkt des Dinge primär sind, geistige aber nur sekundär.“ n Buches steht. Statt einer bloßen Findimmung des Bolschewismus fordert Die Entwieklung der etwas eigentümlichen Ordnung des Dulles daher die Befreiung der von ihm unterdrückten Völker, Reiches Radegund von Urzeiten her im Rahmen des ersten aber nieht durch Physiseh-militärische Machtmittel, sondern Traumes ist ein wenig breit ausgemalt. durch moralische Offensiven im kalten Krisg. Dieses Buch ist nicht nur ein Versuch einer Gegenwart- Hans Wittmack schau im Gewande der Utopie, es ist zugleieh ein sympathi- sches Bekenntnis des Verfassers, das er selbst in den Worten zusammengefaßt hat: „„Einer alleine schafft es nicht.“ Be Theater und Musik Ernst Barlach, Leben und Werk in seinen Briefen. s . Mit 25 Bildern, herausgegeben von Friedrich Dross, Das Weihnaechtsmärchen : R. Piper Verlag, München, 268 Seiten, geb. 28,0 DM. Aschenputtel von Johannes Wendt Wer die im gleichen Verlag erschienene kleine Auswahl von Ist nieht das Weihnachtsmärchen im Rahmen der kultu- Barlach-Briefen kennt, wird mit großer Spannung die schon rellen Aufgaben eines Theaters von untergeordneter Be- lange angekündigte große Ausgabe erwartet haben. Sie liegt deutung ? Um große Dichtung handelt es sich nicht; nun, nun in einem stattlichen Bande vor und enthält von den etwa und die Kinder sind doch glücklich und zufrieden, wenn es 1100 bisher gesammelten Briefen eine Auswahl von 214 aus recht viel Hübsches zu sehen und tüchtig etwas zu lachen gibt. den Jahren 1888-1938, von den frühen Jahren einer schwär- Dafür aber braucht man sich wirklich nieht in geistige Un- merisch-romantisehen Jugendfreundschast dureh die Zeit kosten zu stürzen, da Kinder ja so gern lachen. des Ringens um die eigene Form und die kampf- und erfolg- Das wußte offenbar auch der Fabrikant dieses Stückes, und reichen Jahre der Meisterschaft bis hin zu dem letzten von deshalb häuft er Albernheit auf Albernheit und läßt den Verlästerung und Verfemung umdüsterten Lebensjahrzehnt. König und seine sämtlichen Würdenträger als ausgeinachte Es ist eine Sammlung von hohem dokumentarischen Wert Trottel auftreten. Daß das Märchen vom Aschenputtel für die Erkenntnis von Barlachs Persönlichkeit und Schaffens- dabei vor die Hunde geht, ist nebensächlich. Aber allerdings: weise. Es sind erregende, oft erschütternde Zeugnisse großkßen Herr Wendt und die notgedrungen in seinen Spuren wandelnde Menschen- und Künstlertums, einer unbeirrbaren inneren Liübecker Aufmachung des Märchens hatten Erfolg: Hs hat Zielsicherheit bei aller äußeren Ungesichertheit und Gefähr-. den Kindern Spaß gemacht. Doch ein Walt-Disney-Film dung und einer ergreifenden Besessenheit zum Werk. Barlach, macht ihnen schließlich auch Spaß. Soll das Weihnachts- der die Stille und die Einsamkeit suchte und brauchte und märchen denn nur Spaß machen, und ist überhaupt die oft um seines Werkes willen alle Störungen ahwehren mußte, gehörte Ansicht richtig, es komme hier doch auf das Urteil hatte doch auch wieder ein starkes Mitteilungsbedürfnis und der Kinder an ? ; konnte sich, wenn auch widerstrebend, nicht versagen, wenn Nun, wer auch nur eine Ahnung von Kindern hat, weiß, er um deutende Worte zu seinen Arbeiten angegangen wurde. vwrie unsicher der kindliche Geschmack in jeder Hinsicht ist. So gestatten die Briefe Einblick in das Entstehen seiner Werke, Wer wird denn die Detektiv- und Wildwesthefte für die vor allem auch in den Ideengehalt seiner Dramen und in seine Krone der J ugendliteratur halten, weil die Jugend sie massen- s0 eigengeprägte, demäütig-stolze Schieksalsfrömmigkeit, und haft kauft! das immer in der unverwechselbaren Barlachschen Sprache. Rin Weihnachtsmärchen soll nieht Spaß machen, sondern Sie bilden eine hochwillkommene Ergänzung und zugleich PFreude bereiten. Es soll nicht etwa todernst und moralisch eine Fortsetzung zu seiném ,,Selbsterzählten Leben“. Aueh belehrend sein, nur das nieht! Aber es soll doch wenigstens von den „Lübecker Heiligen“ und von den Schwierigkeiten einen Hauch künstlerischer Luft um sich haben, es kann auch und Kämpfen nm dieses Projekt ist öfter, wenn auch nur bei- gern Späße bringen, aber albern soll es nicht sein. läufig, die Rede. Das mit Bildern aus dem persönlichen Be- Wir wollen unserm Theater wegen der Wahl des Stückes reich des Künstlers geschmückte Buch wird sicher auch in keinen voreiligen Vorwurf machen; denn vielleicht gibt es Lübeck dankbare Leser finden. Paul Brockhaus vrinfach zu wenig gute Weihnachtsstücke. Nicht einmal dem Spielleiter Georg Rehkemper sei es verargt, daß er das Stück Dulles lehrt die Amerikaner den kalten Krieg f; Jrszenisrt hat: donn mit diesem Stück ist wohl nicht viel Seit Eisenhower zu seinem künftigen Außenminister Hines aber ist sicher: Eine sehr wesentliche kulturelle John Foster Dulles bestimmte, hat dessen 1950 (deutsch Aufgabe der Bühne kann so nicht gelöst werden. Zum ersten im Humboldt-Verlag, Wien) herausgekommenes Buch „Krieg Male sitzt das kleine Menschlein vor dem Vorhang mit oder Frieden“ noch gewaltig an Interesse gewonnen. Das einer Bereitschaft, alles was ihm geboten wird in sich Werk bedeutete ktereits bei seinem Erscheinen eine Sensation. aufzunehmen, wie sie vom Erwachsenen kaum noch aufge- Denn mit ihm zog Dulles, damals bereits bekannt als Außen- hbracht wird. Und diese wundervolle Gelegenheit wird völlig politiker der Republikanischen Partei wie als langjähriger vertan! Das alles mußte einmal gesagt werden in der leisen I1 4
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.