Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

einem Bettchen zum nächsten verschleppt wurden. fahrungen sammeln, und ich glaube, man sollte solche Als wir mehr Platz bekamen, d. h. als die Wehrmacht Prüfungen auch in einem Städtischen Krankenhaus auszog, wurde es besser. Die Zahl unserer Kranken- nieht als ,„wissenschaftliche Arbeit‘ verpönen ! betten war weiter, zeitweise bis zu einer Höchstzahl Die Inneneinrichtung unserer Klinik konnten wir von 420, gestiegen. Zum Glück konnten wir inzwischen in den letzten Jahren fortlaufend verbessern. Ich auch die dazu nötigen Arzte und Schwestern und auch danke Herrn Senator Gerlach und ebenso Herrn die vielen, in einer modernen Klinik unentbehrlichen Vinanzsenator Evers für die soeben verkündete Er- Hilfen, wie technische Assistentinnen, eine Kranken- füllung unseres lang gehegten Herzenswunsches nach gymnastin, Sekretärinnen und die schon erwähnte einer eigenen Röntgen-Abteilung und hoffe, daß sich Lehrerin einstellen. nun auch die Schwierigkeiten des Kinbaus bald über- ê Noch einige Worte über den derzeitigen Stand winden lassen. unserer Kinderklinik. Im Zuge einer 100 jährigen Ent- Vs gibt ja heute sehr viel mehr Möglichkeiten, wicklung betrachtet, bedeutet er nur ein Augenblicks- Kinderkrankheiten zu erkennen und zu behandeln als bild, daß sich weiter wandeln wird. Mit 250 Betten früher. All das viele Neue, was darüber in den wissen- genügen wir dem heutigen Bedarf gerade recht. Hs schaftlichen Veröffentlichungen der Welt erscheint, sind 7 Stationen, in denen alle Zweige der heutigen sollen wir kennen, kritisch prüfen, und, soweit brauch- Kinderheilkunde ihre Anwendung finden. Um nur bar, unseren Kindern zugute kommen lassen. HRiner- einige Beispiele zu nennen: seits kostet das Geld. Auf der anderen Seite ist folgen- Die Brutkasten-Aufzucht von Frühgeborenen, für des zu bedenken: Auch die Kinderheilkunde ist heute deren Einlieferung wir ein neues Transportsystem ent- in sich schon fast wieder spezialisiert, einer allein kann wickelt haben, die Behandlung der Säuglingskrankhei- kaum noch alle Teilgebiete seines Faches selbst be- ten und der verschiedenen ansteckenden Krankheiten, herrschen. Arbeitsteilung unter einem zuverlässigen, mit deren moderner antibiotischer Behandlung wir uns wissenschaftlich interessierten und fähigen Mitarbeiter- ganz speziell beschäftigt haben; dazu zählt auch unser stab ist daher erforderlich, und zwar so weitgehend, offizielles Behandlungszentrum für die tuberkulöse daß ein solcher Assistent auf seinem Spezialgebiet Hirnhautentzündung; die Behandlung der inneren besser Bescheid weiß als der Chef! Ich möchte es Krankheiten des Kindesalters, auf der anderen Seite heute einmal aussprechen, daß ich das große und gar aber auch die Behandlung erziehungsschwieriger nicht selbstverständliche Glück habe, solche Mit- Kinder, an die wir als Kinderärzte mit einer natür- arbeiter zu besitzen, die, mit einem gut Teil eigener lichen Einstellung zum Kinde, aber unter gleichzeitiger Verantwortung versehen, doch in einheitlicher Rich- Ausnutzung der neuen psychologischen Kenntnisse tung arbeiten. Hervorheben möchte ich auch die Ge- herangehen. Auch fachlichen Rat über alle möglichen samtheit unserer Kinderschwestern. Sie stellen in Anpreisungenvon Säuglingsnahrungen erwartenMütter einem Kinderkrankenhaus das Mütterliche dar. Und und Arzte von uns. Soll zum man Beispiel die Mileh es ist wohl einleuchtend, daß bei kranken Kindern eine homogenisieren ? Dark man die in jedem Kaufmanns- solche „Mutter“, wenn sie gut ist + und das ist sie laden angebotene Sterilmilech für den Säugling ver- Gott. sei Dank —, eine eigene hochbedeutsame Auf- wenden ? Ich meine, wir können nicht warten, bis gabe erfüllt, die jeder Kinderarzt vertrauensvoll nach Jahr und Tag eine gedruckte Antwort in einer respektiert. Fachzeitschrift erscheint, sondern sollen eigene Hr- J. Jochims Der Schwesternberuf Ich bin gebeten, über den Schwesternberuf zu selbstlosen Dienstes obenan. Erst zu Beginn unseres sprechen. Ich bin eine Schwester. Ich spreche gern Jahrhunderts wurde ein staatliches Abschlußexamen und mit Freuden darüber aus großer innerer Bindung nach dem Besuch einer Krankenpflegeschule verlangt. an den Krankenpflegeberuf, an das Schwester-Sein, Damit wurde unser Beruf eingegliedert in die Reihe der weil ich selbst sehr glücklich war in den Jahren meiner Frauenberufe. praktischen Pflegearbeit und in der Zeit, als ich Heute suchen wir nach der rechten Verbindung junge Menschen während ihrer Ausbildungszeit in gpywischen geschulter Krankenpflege im Rahmen eines unseren Beruf eingeführt habe. hochwertigen Frauenberufes und dem ursprünglichen Der Schwesternberuf ist ein alter Beruf. Er gehört barmherzigen Samariterdienst. zu uns Frauen. Rs hat immer Mütter gegeben, die ihr Es gehört zu einer guten Krankenpflege viel: Kind pflegten, auch wohl immer Frauen, die über den ; . Rahmen der Familie hinaus halfen, einfach aus inner- Das Beherrschen der pflegerischen Handgrikke, stem Bedürfnis, irgendwo notwendig zu sein. Verständnis für das Krankheitsbild, Verständnis für Es erscheinen in der Geschichte der Krankenpflege Maßnahmen zur Linderung und Behebung von zuerst die Diakonissen der Urgemeinden, dann die Schmerzen und Not, Zuverlässigkeit, Pünktliehkeit, Ordensfrauen, die Johanniter, die Beghinen und nach Sorgfalt, „das Helfen mit leichter Hand“, Aus- einer toten Zeit in der Krankenpflege die Diakonissen dauer kleine Dienste treu zu tun. [Ü q Pastor Fliedners. Für sie alle war ihre Arbeit nur Es geht nicht nur um manuelle Geschicklichkeit christlicher Liebesdienst. und theoretisches Wissen, sondern auch um Beob- Die Engländerin Florence Nightingale war die erste achten, Berichten, Wesentliches sehen, Tatsachen unseres Berufes, die erkannte, dal eine Belehrung von Vermutungen trennen, Sachkenntnis, Wahr- notwendig sei. Sie legte die ersten Bausteine für eine haftigkeit, die Anteilnahme am Pflegenden aus dem geschulte Pflege. Auch für sie stand das Gesetz des Wunsch heraus zu helfen. 180
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