Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Die Welt. befindet sich in unserem Jahrhundert in Faches hier näher eingehen zu können, mag gesag einer Umformung, wie sie die Geschichte in dieser sein, daß in der zweiten Hälfte des RIR. Jahrhunderts, Ausdehnung wohl noch nicht gekannt hat. Was wir nach zögernden HRinzelversuchen, der Durehbrue mitleidend erleben, wird vielleicht einmal als die einer systematisch gepflegten K. u. J. erfolgte mit interessanteste Zeit in die Geschichtsbücher eingehen, dem Ergebnis, daß ,,die Kinderpsychologie heute zu wobei ich persönlich gerne eingestehe, daß mein Ber den methodisch bestfundierten und ertragreichste darf an weltgeschicehtlichen Erlebnissen vollauf ger Porschungsgebieten der Psychologie gehört“ (Remp- eckt ist). Wie könnte die Kunst unberührt von lein). Dieser Wissenszweig ist in erster Linie ein diesen Umwälzungen bleiben? Wir befinden uns hochwichtige Angelegenheit der Schule. In Wertung „zwischen den Zeiten‘, wobei alle kulturellen Dinge nd Würdigung dieses Umstandes sind denn auch in m allgemeinen zunächst noch rückwärts ausgerichtet Laufe der Zeit an verschiedenen Orten „Arbeits- sind. Ein neues, gültiges Weltgefühl ist noch nicht gemeinschaften“, „Institute für experimentelle Päda- gefunden und erst nach einer Festigung der politischen gogik‘“’ und besondere Lehrstühle an unseren Uoch- nd damit der soziologischen Verhältnisse lassen sich schulen errichtet. Hier in Lübeck wurden 1920 auk die gewonnenen neuen Werte mit den überkommenen Anregung des damaligen Landesschulrats, Prof. Dr. in Übereinstimmung bringen. Kultur bedarf zu ihrer Wyehgram, von der Oberschulbehörde Kurse ein Entfaltung der Ruhe, der Pflege, der liebevollen Auf. gerichtet zur wissenschaftlichen, in Sonderheit zur nahmebereitschaft, alles Dinge, die in unruhigen, psychologischen Weiterbildung von Lehrern und Prof. gärenden Zeiten fehlen. Und sie wird getragen von der Dr. Döring mit der Leitung derselben betraut. Das großen, schöpferischen Persönlichkeit, die fähig ist, Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit, die sich über das bisher Geschaffene in sich wie in einer großen mehrere Jahre erstreckte, ist u. a. niedergelegt i Schale zu sammeln und in neuer Form und persön- den beiden Büchern: „Untersuchungen zur Psycho- lichster Aussprache dann zum Ausdruck zu bringen. logie des Lehrers“ 1925 und „Psychologie der Schul Alle großen Musiker waren so die letzten Höhepunkte klasse“ 1927. Wenn der Inhalt derselben heute in einer zu ihnen hinführenden Entwicklung, Bach als ancher Beziehung auch als überholt erscheinen mag, Schlußstein mittelalterlicher Musik, Beethoven als so haben sie doch seinerzeit die größte Beachtung ge- Höhepunkt der Klassik, Wagner als vollendetste funden. Weitestgehend haben diese Arbeiten auch Verkörperung der Romantik. Aber alle waren wirklich unser, damals noch im Entstehen begrikfenes „Schüler- schöpferische Menschen, ohne die Grundlage eines von ausleseverfahren“ beeinflußt. Die gewaltigen Vor ihnen erst aufgestellten theoretischen Systems. schungsergebnisse auf unserem Gebiet haben im Laufe Warum soll also nicht erneut eine große schöpferi- der Zeit immer deutlicher gezeigt, daß ihre Kenntnis sche Persönlichkeit erstehen, der es gelingt, alle Ströme nd Auswertung nicht nur Grundlage für erfolgreiche der bisherigen Kulturepochen in sich zusammenzu- chularbeit ist, sondern dal ihre Interessensphäre fassen und zu einem neuen Höhepunkt, einer neuen noch viel weiter reicht. In Übersieht sei dazu gesagt, Klassik zu führen? Wissen wir, ob nicht diese Per- ohne damit eine Rangordnung zu geben: Der Geist sönlichkeit bereits unter uns lebt und schafft ? Millies liche, der in der seelsorgerischen Pflege in seiner Ge- sagt selbst in seinem Schlußabsatz, daß bereits mit meinde seine Lebensaufgabe sieht, wird Vertrautheit dem Lebenswerk Palestrinas, wie mit dem Bachs, die nd Verbundensein mit der K. u.J. nicht entbehren Musik für deren Zeitgenossen zu Ende gekommen können. Leitern, Vorstehern von Horten; Jugend- schien, daß aber immer wieder das Leben den Weg in heimen, Kindergärten, Fürsorge- und Erziehungs- die Zukunkt fand. anstalten u. ä. wird die K. u. J. ein täglich unentbehr- Und in diesem Sinne finde ich es nicht angebracht, liches und notwendiges Hand- und Lehrbuch sein. der neuen Musik eine pessimistische Prognose zu Hin Jugendrichter ohne tiefere Kenntnis von stellen. Kultur ist etwas Ewiges und wird immer sein, K. u. J. wird immer fehl am Platze sein und bleiben nur müssen wir uns darüber klar sein, daß mit jedem müssen. Rin modernes Kriminalverfkahren ist gültigen neuen Werk etwas vom Alten abgestoßen ohne sie heute nieht mehr denkbar, ganz besonders werden muß. Wir erleben diesen Vorgang bereits dort, wo es sich um die gefährdete oder kriminelle beim Gesamtwerk Haydns und Mozarts. Als Kultur- Jugend handelt. In der kommenden Novelle zur erbe können nur die ganz großen, einmaligen Werke mgestaltung unseres Strafverfahrens dürfte diese veiterleben, weil das Gesamterbe praktisch nicht Vorderung weitestgehend Rechnung getragen werden. mehr zu verwalten wäre. eiten Kreisen unserer Elternschaft wäre e sehr dienlich, nach Auswertung des Wortes: Eltern ® fehler t Kinderschieksal eindringlich und aufklärend Zur Frage der Gründung einer Arbeitsgemein- !it den Gesetzen und Forderungen ser Kk: J ) schatt tür Kindes- und Jugendptycholosie Lats Juuudlichicn ist meiter ecruninis mit den In der allgemeinen „Jugendkunde‘ nimmt die Grundlehren dieser Wissenschaft für alle diejenigen, Kindes- unc Jugendpsychologie (hier weiter mit denen die Jugend anvertraut und übergeben ist, K. u. J. bezeichnet) einen besonderen und wichtigen dringend wünschenswert. Hin junger Menschenweg Platz ein. Ihr Objekt ist das Kind und der Jugend- ist leicht zerstört und verschüttet und schwer wieder liche mit der Erkorschung seiner seelischen Entwick- bergerichtet. In unserem, immernoch viel geschmähten, lung und Reifung und der Aufstellung einer Gesamt- „Schülerausleseverfahren“ dringt die K. u. J. mit harakteristik der einzelnen Altersstufen. In der ihren gesicherten Forschungsergebnissen immer weiter heutigen Form ist dieses Gebiet ein noch junges Reis und tiefer ein und gibt damit die Bürgschaft für eine am Baum der Forschung und Wissenschakt. Das be- streng wissenschaftliche, zudem lebens- und wirklich deutet Zukunktshokken und Gegenwartsbescheidung. keitsnahe Arbeitsmethode. Doch genug hiervon und Ohne auf die Geschichte und Entwicklung dieses von vielem anderen. Zusammenfassend mag ge
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