Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Diesechste Frau– Komödie von Max Christian Feiler des Herzens wirklich unmittelbar die Heilung herbei ? Der „„Die sechste Frau“’ ist kein historisches Stück, selbst dann OViechter scheint sine andere Auffassung kaum zuzulassen. nieht, wenn wir die zahlreichen Anspielungen auf die Gegen- Möglich wäre es immerhin — wenigstens verbietet die Dich- wart nieht in Rechnung stellen. Das historische Drumherum tung diesen Weg nicht geradezu , das Wunder zwar nicht ist recht fadenscheinig; doch soll das kein Tadel sein. Der aufzulösen, wohl aber es darin zu sehen, daß Anarkas Ent- Verfasser hat das Gewand der Komödie mit geschickten schluß, dem Kranken ihr Herz zu opfern, diesem ein Wunder Händen zugeschnitten, Christian Mettin als Spielleiter hat es ist, seine Seele erwachen läßt und so den Willen zum Leben in sehr gefällige und reizvolle Falten gelegt, Paul Walter hat wieder in ihm erweckt. . das Schaufenster mit Phantasie, Humor und feinem Ge- Das mittelalterliche Epos vom „Armen Heinrich“ selbst schmack dekoriert und für die Bindung der Szenen sorgte die dureh eine Neudichtung wiederzuerwecken in welcher dem Stück gut angepaßte und beifällis aufgenommene Musik Form es auch immer sei — ist nicht möglich. Zwar rührt und von Wolfgang Ebert. ergreift das Mädchen, das sein körperliches Herz für den Die Rollen waren wieder einmal gut verteilt. Adolf Ger- siechen Herrn hingeben will, auch uns, aber von dem Herrn, stungs König Heinrich VIII. von England war ein Tyrann, der dieses Opfer anzunehmen sich nieht scheut, wenden wir der zwar lächerlich wirkt, bei dem man aber doch nie recht uns ab. Ohne Zwreitel nun hat Sierig die Mär vom Optker des weiß, ob er nicht auch jetzt noch Köpfe rollen lassen könnte. Herzens tief verinnerlicht, ohne ihm etwas von seiner Sehwere So vergnüglich das ganze Spiel wirkt und so wenig der Gedanke zu nehmen. So ist denn auch wie im Epos das Mädchen an ein schlimmes Ende aufkommen kann, so hat das Stück wichtiger als der sieche Mann. doch eine Szene, die ihm den rechten Schwerpunkt gibt, Das Mädchen Anarka hat denn auch mehr kennzeichnende nämlich den nächtlichen Auftritt im Park, wo die Königin Züge als der alttestamentarisch eifernde Vater (Johannes ein hohes Spiel um ihr Leben spielt und + es gewinnt. Es Wimmel), der junge Lehrer (Horst Frank), der von Edgar war zugleich der Glanzpunkt in der auch sonst vorzüglichen Fuchs sympathisch gegebene Pfarrer, der Arzt, dessen doch Gestaltung der Rolle dureh Hilde Willer, die hier aus den Sehwer zu deutendes Verhalten Gerhard Teubner mit feinen Möglichkeiten, die die Regie ihr bot, das Letzte herausholte. Mitteln begreiflich zu machen suchte, die den Mitteln der Sehr erfreulich – nicht nur in ihrer Erscheinung ~ wirkte Welt zugewandte Verlobte des Kranken (Ursula Langhein), auch Julia Koschka als Nichte der Königin. Walter Kohls dessen Mutter, deren verhaltene Liebe Grete Binter spüren war der sehr männliche, aber nicht ebenso kluge Seymour, ließ, und schließlich der Aussätzige selbst, mit dessen schwie- Peter Oehme sehr gewandt in der Rolle des Romanschreibers, riger Rolle Walter Kohls gut fertig wurde. Sehr erfreulich war Clemens Wilmenrod als Bischof kalt und verschlagen, Josek Andrea Perkams, die sich in die Hauptrolle der Anarka virk- Wimmel trotzte als der weltkluge, aber nicht weltliche Erz- lich eingelebt hatte. J . bischof den Gefahren des Tower, Curt Bocks Kanzler war ein Wir haben Mängel des Stückes aufzeigen müssen, wollen so abgefeimter Schuft, dal man es ihm schon von weitem aber dabei nicht übersehen, welch innerliches Ringen dahinter ansah, und Gerhard Teubner litt männlich gefaßt und allezeit lebt und aus ihm spricht. Ein Ringen nicht nur gedanklicher aufrecht unter der lastenden Eisenrüstung des Herzogs von Art, sondern letzten Endes ein Ringen um den Glauben, um Norfolk. Tilly Musäus aber als gute, liebe Kammerfrau nahm Gott. Rs ist yon wesentlicher Bedeutung, daß überhaupt die Foltermaschine nicht ernst, der Zuschauer ebensowenig. solche Fragen als dichterischer Vorwurtk gewählt werden. Wenn auch der Schluß des Stückes ein wenig abfällt und . . die vielen Bibelworte am Sterbelager des Tyrannen im Rah- Die Spielsehar der Oberschule zum Dom beraubt men dieser Komödie zuviel Gewicht haben + das zum min- den Teufel seiner drei goldenen Haare desten , wenn auch die ganze Komödie sicherlich zur leich- Grimms Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren, teren Kost gehört, so ist es jedenfalls recht schmackhafte Kost. gsg0 wie Martin Luserke es bearbeitet und Walther Borvitz diese Der Beifall war sehr lebhaft, und das mit Recht. Bearbeitung herausgebracht hat, darf und will nicht ernst Der arme Heinrich. Schauspiel von Hartmut Sierig teu rr. M Ä. jut Fouses yrs Ö 1 „Studiobühne“ – das bedeutet nicht „mildernde Um- aber auch den erwachsenen Zuschauern Spaß zu machen. stände‘. Wer sich der Öffentlichkeit stellt, kann nicht ver- Beides gelang in vollem Maße. Aher gerade wenn es auf den langen, mit besonderem Maß gemessen zu werden. Hartmut Brettern toll zugeht, ist straffe Führung durch den Spielleiter Sierig wird das auch nicht erwarten. erforderlich. Dafür war Dr. Walther Borvitz der rechte Sicherlich zeigt sein Stück dramatische Mängel. Es ist Mann. Sehr anmutig waren die Tänze, und ein gut Teil der darin viel hingebende Arbeit, viel innerlich Durchdachtes Wirkung beruhte auch auf der farbenprächtigen und mit und Durchkämpftes enthalten, und so fordert es denn vom künstlerischer Phantasie erdachten und hergestellten Aus- Zuschauer gespannte Aufmerksamkeit und gedankliche Mit- stattung. Dafür war Asmus Jessen und Heinrich Dohse zu arbeit. Was aber Sierig zu sagen hat, ist zu einem guten Teil danken. Doch darüber sei nicht vergessen, daß die eigentlichen Vicht wirklieh dichterisch kristallisiert, sondern wird uns von Träger der Aufführung doeh die jugendlichen Mitspieler der Bühne herab gesagt. Daran ändert auch die Tatsache waren. Ihnen vor allem galt dann auch der sehr lebhafte Bei- niehts, daß Bühnenwirkung stellenweise durchaus vorhanden fall. Kein Wunder, dal noch eine letzte Wiederholung am ist. Sonnabend, dem 17. November 1951, um 17 Uhr, stattfindet, Der Schluß bringt keine klare Aussage. Geschieht hier für die numerierte Karten für 0,50 DM am Ringang der Aula wirklich ein Wunder im biblischen Sinne, d. h. führt das M sind. Dr. Georg Behrens GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNÜTZIGER TATIGKEIT FER N R Ut NK. L 23 91 e 22§ V 0 K T K A G \H Dienstag, den 20. Noverhber 1951, 20.00 Uhr, Königstraße 5, Herr Kurt Pastenaci, Berlin: „Nachbarschaften überwinden die Vermassung und begründen eine neue, echte Ordnung“ Dienstag, den 27. November 1951, 20.00 Uhr, Königstraße 5 Dr. Horstmann, Lübeck: „Dostojewskijs „Brücler Karamasoff‘ und der Nihilismus‘ Dienstag, den 4. Dezember 1951, 20.30 Uhr, Königstraße 5 Prof. Dr. Schöne, Hamburg: „Handlung, Macht und Mächte bei Rubens‘’ (mit Lichtbildern) Gemeinsam mit der Overbeck-Gesellschaft
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