Volltext: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

in Mirklichkeit jedoch diesem Kampk die beste Aus- lerischer Leitung als selbständiges, obligatorisehes Vac gangs stellung gewährf te. N f ut qu ts ler: betrieben wurde, eineMalßnahme, die nicht nur manuelle hörte der junge Student zuerst theologische Vor- und künstlerische Fähigkeiten wecken und entwickeln lesungen, wandte sich aber schon nach zwei Semestern sollte, sondern die auch eine im tiefsten Sinne soziale der Philosophischen Fakultät zu, um seine Bildung Auswirkung hatte. Im Anschluß an eine Studienreise, dann mit dem Staatsexamen in Deutsch, Geschichte, die Schwarz zusammen mit dem kührenden Physiker Erdkunde, Französisch und Turnen abzuschließen. der Schule nach England unternahm, wurden Arbeits Kiel, Altona, Blankenese, Dortmund waren die räume für Physik und für Chemie und Biologie ein- tappen seiner Lehrtätigkeit, bis er dann Ostern 1905 gerichtet, in denen die Schüler selbst experimentieren zum Leiter der Realschule i. E. in Lübeck beruken konnten und mußten nach Herzenslust. In der Erd- wurde. Icunde zogen wir mit unseren Schülern schon von der Hs lag sicher im Zuge der Epoche des Wieder- Hexta ab ins Freie, machten Messungen aller Art, erwachens Lübecks aus langem Dornröschenschlaf + beobachteten die Bewegungen der Himmelskörper im or wenigen Jahren war der Elbe-Trave-Kanal err Laufe des Jahres, trieben Landmesserkünste, ge- öffnet worden. und der großzügige Aufbau unserer yJlogische Studien usw. Die Geschichte wurde mit Industrie hatte eingesetzt 2-, dals neben dem huma- h%Hhuellenstudien untermauert. Sprachen begannen mit nistischen Katharineum und dem schon Übergangs- phonetischen Übungen, die durch fröhliches, gemein- charakter zur realen Bildung zeigenden Johanneum sames Singen einfacher englischer und französischer nun ein starkes Bedürfnis nach einer Real- bzw. Ober- Liedchen belebt und bereichert wurden. Der Zeichen- realschule vorhanclen war, so daß der junge Direktor untericht holte die gewagtesten Objekte aus dem sowohl in der Bevölkerung wie auch bei den ver- Leben, von der Straße u. dgl. mehr. Darüber hinaus antwortlichen Behörden fruchtbaren Nährboden für aber wurde die OzD. führend im Sportbetrieb, denn eine Anstalt in seinem Sinne vorkand. Schwarz hatte die Jungen sollten ihren Körper voll und frei ent- zunächst nur einen Wunsch: in seine Schule Leben wickeln lernen, sollten sich austoben nach Herzens u bringen, Leben in allen Fächern des Unterrichts lust. Zu den neu eingeführten ,„Spielnachmittägen“ und in der Erziehung. Unermüdlich sammelte er seine wurden auch die ,wissenschaftlichen“ Lehrer heran- junge Lehrerschaft um sich zum Meinungsaustausch, gezogen; sie muliten mit hinaus aut den Buniamshok zu Debatten über die verschiedensten Themen, weniger und andere Plätze und Aufsicht führen oder besser noch, auf feierlichen „Konterenzen“ als auf langen gemein- selbst mitspielen, und sie taten es mit wenigen Aus- samen Spaziergängen, die sich oft genug zu ganzen nahmen. Sogar das Singen sollte allen geliufig wer- Tagesfahrten ausdehnten, bei, okt sich auk Stunden en, aueh den nicht dafür Begabten. Sie, die letzteren St vztss Unterhaltungen mit einem oder zweien bildeten den sogenannten B-Chor (Spötter sagten von uns, nach denen man immer wieder bereichert Bäh-Chor), damit sie wenigstens unsere Vaollslieder und für neue Anregungen dankbar zu seiner Arbeit lernten. zurückkehrte. Und so ging es dem Dentschlehrer wie Kaum jedoch war dieser von buntestem Leben er em Neusprachler und dem Mathematiker, dem Kunst- füllte Schulorganismus auf dem Wege zur ganz aus erzieher wie dem Sportler: Wir alle konnten von ihm, gehauten Oberrealschule, da regte sich in Schwarz meh wenn er als Niehttfachmann sprach, stets neues (er Organisator großen Stiles. So ehrlich er die Sonder- lernen. und erfahren. Vs ist nicht zuviel gesagt: bei aufgaben des humanistischen Gymnasiums anerkannte, ihm war Pädagogik in all ihren Gebieten zur Leiden so klar war es ihm auch, daß dem Übel der Zer- schaft geworden. Vollwertige, ganze Menschen wollte gcplitterung auf dem Gebiete des höheren Schulwesens r aus unseren Schülern machen und ihnen eine freudige bin Ende gemacht werden mußte. Und so erwuchs Jugend geben, an die sie gern zurückdenken konnten. jn langen Beratungen mit seiner Lehrerschar der Ir hat das erreicht, jedenfalls das letztere; das erstel Plan einer Einheitsoberschule, für die sich das Wort 1achzuprüfen ist nieht möglich, obschon ich sieher „Kern- und Kurssystem“ von selbst aufdrängte. Der in, dal auch in diesem entscheidenden Punkte reiche Unterbau sollte, mit einer neueren Vremdsprache be- Saat von ihm, von seiner Schule ausgestreut wurde. gyinnend, einheitlich bis Obertertia alle Schüler um- Wie gern unsere Schülerschar bei uns lernte, das ist’ fassen, dann aber sich in dem Sinne auflockern, dals uns allen unzählige Male versichert worden, wenn wir hnur zwei Drittel des Unterrichts für simtliche Schüler nach Jahren mit den älter gewordenen zusammen- gleich blieben, das restliche Drittel aber je nach i ken: Mit Stolz und Freude sprachen und sj rechen Begabung, Neigung, Berufsabsichten dem Schüler zur ie immer wieder von „ihrer“ OzD. Auswahl freigegeben wurde. Aubler den für alle ver- Mas war nun oberster Leitsatz in der Pädagogik bindlichen 24 Wochenstunden, mulite also jeder ron Sebald Schwarz ! Neben den selbstverständlichen Schüler nach seiner eigenen Wahl, natürlich beraten oraussetzungen Liebe zur Jugend, Freude an der von seinen Lehrern, die restlichen 10-12 Wochen Arbeit mit ihr, lautete die immer im Vordergrund stunden selbst aussuchen, wobei sich bei aller indi- stehende Forderung: Möglichst große Selbstbetätigung viduellen Freiheit sehr bald eine Aufspaltung der Schü- r Schüler, sowohl im geistigen wie im manuellen ler in 3 Hauptgruppen ergab: Die deutschkundliche inne. Er folgte darin den Erkenntnissen des be- mit Betonung von Literatur, Geschichte, Kunst, Philo- deutenden süddeutschen Schulmannes Kerschen-| sophie; die sprachliche, die neben den beiden Grund- teiner und anderer großer Erzieher. Unterstützt von kremdsprachen Englisch und Französisch Gelegenheit einer verständnisvollen Behörde und- damals noch- gab, Schwedisch, Spanisch, Russisch, ja sogar Latein zu n bhängig von den straffen preußischen Richtlinien, lernen; und die naturwissenschaftliche Gruppe. j setzte er diese, anderwo meist nur auf dem Papier Daß Schwarz es sich angelegen sein ließ, dies System tehenden Forderungen, kühn in die Praxis um. Die gründlichst nach allen. Richtungen zu dmehcdenken JzD. in Lübeck war die einzige Schule Deutschlands, und darüber in verschiedenen Werken und Aufsätzen, n der rterti Handlertiekeit unter küns auch in den ..Lübeckischen Blättern‘, sich auszu-
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