Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

vor allem aus den Kreisen der Volksschullehrerschakt, Mitglied des Denkmalrates und seit 1934 Leiter heranzuziehen, der seine zukunftsweisende Ausweitung der staatlichen Stelle für Naturdenkmal- darin fand, daß auch schon die Jugend sich pflege. Und auch hier schuf er wieder etwas Einzig- beteiligte. artiges. Es gelang ihm, die Monographie einer Mit der 1930 abgeschlossenen Umgestaltung der ganzen Landschaft, des von der Industrie bedrohten, vorher rein systematisch aufgebauten und reizlos auf-. seltene Pflanzen und Tiere aufweisenden Dummers- gestellten Schausammlung begann Benicks Werk, dorfer Ufers anzuregen und mit einem Stab hervor- setzte sich dann fort in der immer stärker werdenden ragender Fachgelehrter durchzuführen; die dann 1932 Betonung des Biologischen, steigerte sich in der Auf... vom Denkmalrat unter dem Titel „Das linke zeigung der vielerlei Wechselbeziehungen und fand Untertraveuter“ herausgegeben wurde. seine Krönung darin, daß die Schönheit der Natur- Damit tritt uns Benick zugleich als das entgegen, formen und ihrer Farbenpracht Gegenstand musealer. Mas er seit seiner Seminarzeit schon geworden war Gruppen wurde. und bis in seine letzten Lebenstage geblieben ist: In der Zwischenzeit vollzog sich dazu aber eine als der exakte Sammler und Wissenschaftler. räumlich-inhaltliche Erweiterung durch den Ausbau. Mie schon oben gesagt, hatte er sich krüh den Käfern des biologisehen Heimatmuseums und der zugewandt, sich dann aber bald auf die Steninen, dem Menschen gewidmeten Abteilung. Immer eine Unterkamilie der Kurzfligler oder Raub- das gleiche Bild: wissenschaftliche Zuverlässigkeit, käfer, spezialisiert. Wenn wir hören, daß es Ausnutzung der neuesten technischen Hilfsmittel, sich hier um eine sehr artenreiche, dabei meist nur Scharung zu lebensvollen Gruppen, Aufstellung in} wenige Millimeter lange und sehr schwer zu be- schöner, oft sogar künstlerischer Form, und dazu einer stimmende Käükergruppe handelt, dann taucht die eingehende, auch dem einfachsten Besucher ohne Erinnerung aut an die kleine, enge Welt, die einst den weiteres verständliche Beschriftung. Für Benick Knaben umgab. Hs ist hier nicht der Platz, dieser war das Museum eine ,, moralisehe Anstalt‘‘, ber Seite seines Wirkens näher nachzugehen, die ihn stimmt, wie die Natur selber, dem strengen Wissen-1 zu einer in der ganzen Welt anerkannten Anto- schaftler ebenso zu dienen wie dem Mann aus deml rität für die Stenus-Arten werden und viele neue Volke und der Jugend und sie zur Ehrfurcht zu entdecken ließ, aber es sei doch gesagt, daß es wohl erziehen. Und der schönste Dank war es ihm, zu kaum einen Winkel der Erde gibt, von dem aus nicht sehen, wie Sonntag für Sonntag gerade die ein- Steninen in seine Studierstube gesandt wurden, und fachsten Kreise, okt mit der ganzen Familie, in an- daß nahezu 100 Aufsätze allein über dies Gebiet seiner dächtigem Schauen und Staunen die Räume durch.. Peder entflossen. wandelten. Ludwig Benick hat ein biblisches Alter erreicht Zwar wurde Benick 1934 endlich von dem Schul- und konnte auf ein gesegnetes Lebenswerk zurück- dienst, den er zuletzt am Johanneum geleistet hatte, schauen, dem die Anerkennung nicht versagt blieb. ganz betreit, aber das Dritte Reich brachte mit seinem Der Verein für Heimatschutz und die Geographische Pührerprinzip die Zusammenfassung aller Lübecker Gesellschakt ernannten ihn zum Ehrenmitglied, die Museen unter einer Leitung, was sich bald sehr störend Naturwissenschaftliche Abteilung des LübeckerLehrer- auswirken sollte und in seinen Volgen ja bis vereins zu ihrem Ehrenvorsitzenden, die Gemein- in unsere Tage hineinreicht. So war Benicks letzte nützige ehrte ihn durch Verleihung der silbernen Aufgabe, die vorgeschichtliche Abteilung im Denkmünze, und als Krönung seiner wissenschaft- dafür freigemachetn Dathgeschoß aufzubauen, nicht lichen Vorschungen verlieh ihm die UVnixersität mehr einheitlich von ihm zu lösen. Wie er Kiel den Ehrendoktor. sich aber in dies ihm vorher völlig fremde Gebiet, Aber all dieses hätte Benick mit Freuden hin- eingearbeitet und eingefühlt hatte, das steht wohl gegeben, hätte er dafür die Gewißheit eintauschen einzigartig da. Vor allem vollbrachte er hier eine können, daß seine hohe Auffassung von der Be- museale Pionierarbeit, indem er die Vorgeschichte deutung und dem Mert eines Naturhistorischen verband mit ihrem Träger, dem vorgeschichtlichen Museums in den maligebenden Lübecker Kreisen Menschen und von diesem wieder die Verbindung zur weiterlebe, und daß sie alles daransetzen würden, Entwicklungsgeschicehte des Menschen herstellte. Da- das so grausam zerschlagene Museum s0 bald als mit war eine unmittelbare Verknüpfung mit dem möglieh wieder aufzubauen als das, was es ihm Naturhistorischen Museum erreicht und, räumlich und immergegoltenhatte:als eine Stätte vyahrer Menschen- symbolisch zugleich, dessen Hinaufsteigen bis zum billung. J M. Stier Herrn der Schöpfung, dem Homo sapiens. Im Zuge dieser Pioniertat vermochte Benick in seiner zähen Ausctell und zielbewulten Art den führenden deutschen .teltelung:! Anthropologen in Kiel, Professor Dr. Weinert, zu Georges Braque veranlassen, Rekonstruktionen der ältesten fossilenn | Die Ausstellung des graphischen Werkes von George Menschenschädel in Zusammenarbeit mit dem Ber- Braque in der Overbeck-Gesellschaft gibt uns erneut Ge- liner Bildhauer Gurth zu schaffen, die solches Auf-" bj§andortusotuen. Bracus iat Franzoss, und das sollts uns vom sehen erregte, dal bald große Museen des In- und ersten Augenblick an bei der Betrachtung dieser Ausstellu ng Auslandes Abgüsse davon bestellten. j bzgerrärile bleiben. Vie deutsche kau! . 20. Jhrtuader Allein ies r M ::.. unterscheidet sieh, aue WO sl1e von len ranzosen angereg ECE ECE SON SE BAG NR E: jedoch Benick tat noch viel mehr. Über 25 Jahre. schen haben ihre Bilder immer mit Cedanken beladen, während gehörte er als einer der warmherzigsten, aber auch bei den Franzosen alles mehr Spiel bleibt oder wird. Anders ünerschrockensten Mitarbeiter dem Vorstand desl fulcüh1 vetut slch Vo Umm in Parhuhn tlitucn und ‘hurmo: Vereins für Heimatschutz an, war jahrzehntelang nien s Fromgefühl wird zum l énienspisl bis zur Arabeske. | 1 d
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